Im Kern geht es um die Frage, wie Musik in Hannover nicht nur stattfinden, sondern besser wachsen kann. Die Strategie betrachtet Musik deshalb als kulturelle Schlüsselressource der Stadtentwicklung. Sie soll gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, internationale Verbindungen ausbauen, Kreativwirtschaft fördern und zur urbanen Lebensqualität beitragen. Hannover wird dabei als Musik-Ökosystem verstanden: als Zusammenspiel von Künstlerinnen und Künstlern, Chören, Clubs, Festivals, Ausbildungsorten, Musikschule, Veranstaltern, Produktion, Technik, Publikum und internationalem Austausch.
Fünf Handlungsfelder stehen im Mittelpunkt. Die Stadt will Räume und Infrastruktur für Musik sichern und weiterentwickeln, Förderstrukturen verbessern, Nachwuchs und Übergänge in professionelle Laufbahnen stärken, Hannovers internationale Sichtbarkeit ausbauen und die Vernetzung innerhalb der Musikszene fördern.
Entstanden ist das Papier in einem breit angelegten Beteiligungsprozess. Mitgewirkt haben Akteurinnen und Akteure aus Musikszene, Kulturinstitutionen, Musikwirtschaft, Verwaltung und Politik. Oberbürgermeister Belit Onay sieht in der Strategie deshalb auch eine Antwort auf die Verantwortung, die mit dem UNESCO-Titel verbunden ist. „Die Auszeichnung Hannovers als UNESCO City of Music ist für uns Ansporn, aber auch Verpflichtung und bringt viel Verantwortung für die Musikszene mit sich. Dieser Verantwortung tragen wir mit der Musikstrategie Rechnung“, sagt Onay.
Für ihn geht es dabei nicht allein um Kulturförderung im engeren Sinn, sondern auch um die Rolle von Musik in einer offenen Stadtgesellschaft. „Gerade auch die Vernetzung mit den mehr als 80 Cities of Music weltweit ist wichtig, um in herausfordernden Zeiten weltweit im Sinne der UNESCO- Verfassung für Solidarität und demokratische Werte einzustehen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Musik zu stärken. Mit der Musikstrategie investieren wir in diese kostbare Ressource durch Weiterentwicklung von Räumen, Förderung von Vernetzung und Stärkung musikalischer Bildung, gleichzeitig schließen wir Förderlücken, etwa im Bereich der Populärmusik“, so der Oberbürgermeister.
Auch Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender betont den gemeinsamen Entstehungsprozess. „Diese Musikstrategie ist gemeinsam mit der Szene entstanden. Künstler*innen, Veranstalter*innen, Chöre, Ausbildungsinstitutionen, freie Szene und Musikwirtschaft haben ihre Perspektiven eingebracht. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie ist kein Papier über die Szene, sondern eine Strategie mit der und durch die Szene.“ Nun gehe es an die Umsetzung, mit besonderem Augenmerk auf junge Musikerinnen und Musiker sowie Festivals.
Ein konkreter Baustein ist der geplante Aufbau eines Musik-Hubs unter dem Arbeitstitel „Plattenfirma Hannover“. Dort sollen sich wichtige Akteure der Musikwirtschaft vernetzen, um junge Künstlerinnen und Künstler gezielter zu begleiten. Ergänzend sind ein Mentoring-Programm und eine strukturelle Stärkung junger Musikfestivals vorgesehen.
Auch bei der Förderung soll sich etwas bewegen. Geplant ist ein neuer Fördertopf für populäre Musik, für den auch Clubs antragsberechtigt sein sollen, wenn sie Konzerte veranstalten. Hinzukommen soll eine neue Förderung für spartenübergreifende kulturelle Vermittlungsarbeit. Außerdem ist eine Anhebung der Grundförderung für mehrjährige Strukturen geplant.
Ein weiteres großes Thema sind Musikorte. Für die städtische Musikschule, in der wöchentlich rund 7400 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden, soll perspektivisch ein eigenes „Haus der Musikschule“ entstehen. Es soll nicht nur Bildungsort sein, sondern auch ein offener Treffpunkt für Kooperationen, Konzerte und neue Formate. Der Prozess soll mit einer Machbarkeitsstudie starten. Auch der Kuppelsaal soll als international konkurrenzfähiger Konzertort gestärkt werden, unter anderem durch Verbesserungen im Backstagebereich und bei der Aufenthaltsqualität.Mehr Sichtbarkeit soll Hannover als UNESCO City of Music ebenfalls bekommen. Der Musik Kiosk, der im Jubiläumsjahr etabliert wurde, soll weiterentwickelt werden. Zudem soll der Titel stärker im Stadtbild und bei Veranstaltungen präsent sein, etwa beim Kleinen Fest im Großen Garten, bei der Sommerlounge, dem Maschseefest und der Fête de la Musique.
Noch steht die Strategie unter dem Vorbehalt der politischen Gremien. Die Beschlussdrucksache soll am 19. Juni 2026 im Kulturausschuss beraten werden.Weitere Informationen gibt es unter hannover.de/cityofmusic.