An der Hauswand verkümmert ein Rhododendron, die pralle Sonne auf dem Südbalkon lässt die Geranien brutzeln, und unter der alten Eiche wächst kaum mehr als Unkraut. In so gut wie jedem Garten gibt es mindestens einen Ort, der Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner an ihre Grenzen bringt. Oder anders gesehen: einfach eine spannende Aufgabe birgt, wie die freie Landschaftsarchitektin und Buchautorin Ina Timm es nennt.
Die wichtigste Grundregel ist laut der Expertin die Analyse des Standorts und die Abstimmung der Pflanzenauswahl. Statt Pflanzen nach Geschmack zu setzen, lohnt sich ein Blick auf Lichtverhältnisse, Boden und Feuchtigkeit. Orientierung bietet dabei ein bewährtes System: In den 1970er-Jahren entwickelten Richard Hansen und Friedrich Stahl das Konzept der sogenannten Lebensbereiche. Diese Einteilung nach etwa Gehölz (G), Gehölzrand (GR), Beet (B) oder Wasserrand (WR) hilft dabei, Pflanzen passend zum Standort auszuwählen. Laut Timm richtet sich jeder Profi nach dieser Einordnung.
Und auch der Blick in die Natur zeigt: Es gibt kaum einen Standort, an dem wirklich nichts wächst. Selbst in Felsspalten gedeihen spezialisierte Arten wie Glockenblumen, Zimbelkraut oder Steinwurz. Mitunter hilft es dennoch, den Boden gezielt zu verbessern. Für ein „Boden-Upgrade“ und die Auswahl der Pflanzen für Standorte mit besonderen Bedingungen hat die Fachfrau ganz konkrete Tipps.
Sonnige, trockene Standorte haben ganz besondere Anforderungen. Hier verdunstet Wasser schnell, und auch der Boden heizt sich ordentlich auf. Eine humusreiche oder leicht tonhaltige Schicht Erde hilft, Feuchtigkeit besser zu speichern.
Gleichzeitig gibt es zahlreiche Pflanzen, die genau solche Bedingungen lieben. „Wie bei uns Menschen gibt es auch unter den Pflanzen echte Sonnenanbeter“, sagt Timm. Dazu zählen viele mediterrane Kräuter wie Rosmarin oder Thymian. Auch Lavendel, Fetthenne oder Karthäusernelke kommen gut mit Hitze und Trockenheit zurecht. Sie benötigen wenig Pflege und eignen sich ideal für sonnige Beete oder Balkone.
Schattige Bereiche sind nicht automatisch problematisch – man sollte den jeweiligen Standort nur genau beobachten. Unter Bäumen oder Sträuchern herrschen oft wechselnde Lichtverhältnisse: Im Frühjahr, bevor die Blätter austreiben, gelangt reichlich Licht auf den Boden. Hier fühlen sich Schneeglöckchen, Krokusse, Winterlinge, Narzissen und frühblühende Tulpen wohl. Mauern dagegen werfen das ganze Jahr über Schatten, hier empfiehlt Expertin Timm Blattschmuckstauden wie Hosta, Haselwurz und Farne, aber auch Blühpflanzen wie spezielle Astern oder Astilben. Sie können mit dem durchgehenden Schatten gut umgehen und gedeihen bestens.
Eine besondere Herausforderung sind Beete unter großen Bäumen. Neben dem Schatten spielt hier auch die Konkurrenz um Wasser eine Rolle, denn die Baumwurzeln entziehen dem Boden Feuchtigkeit. Der erste Schritt ist hier ist eine Bodenanalyse. Fehlt es an Humus, kann eine Schicht Kompost helfen, so wird Feuchtigkeit besser gehalten. Wichtig: Direkt am Baumstamm darf keine Erde aufgeschüttet werden, da dies die Sauerstoffversorgung des Baumes beeinträchtigen kann. Mit etwas Abstand sorgt eine etwa fünf Zentimeter dicke Kompostschicht für bessere Bedingungen.Bei der Auswahl der Pflanzen kann man sich in der Natur inspirieren lassen: Stauden wie Elfenblumen oder Storchschnabel fühlen sich in diesen Bereichen wohl. Entscheidend ist, auch die Feuchtigkeitsansprüche der Pflanzen zu berücksichtigen. Landschaftsarchitektin Timm setzt in ihrem eigenen Garten unter einem großen Trompetenbaum unter anderem auf Christrosen, Frühblüher und Zierlauch, dazwischen wachsen Ackerleien. „So entsteht vom zeitigen Frühjahr bis in den Frühsommer ein abwechslungsreiches Blütenbild“, sagt sie.
Standorte, die zunächst problematisch wirken, können sogar Vorteile haben. Im Schatten wachsen Pflanzen langsamer – und das gilt auch für unerwünschte Beikräuter. Der Pflegeaufwand sinkt. Auf kargen oder steinigen Flächen setzen sich gezielt ausgewählte Pflanzen oft besonders gut durch.
Wichtig ist laut Timm eine dichte Bepflanzung: Nach zwei bis drei Jahren sollte das Beet möglichst geschlossen sein, sodass kaum noch offene Erde sichtbar ist. So haben Beikräuter wenig Chancen – und der Garten wird langfristig pflegeleichter.
Was auf den ersten Blick wie eine Problemzone wirkt, kann schon bald zu den spannendsten Ecken im Garten gehören. Unter der Eiche entsteht im Frühjahr ein Teppich aus Blüten, der Südbalkon duftet nach Kräutern –und selbst an der kargen Hauswand finden plötzlich Pflanzen ihren Platz.
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