Mit dem Bleistift gegen Parkinson
Der Oststädter Volker Sprenz hat Mittel, der Krankheit zu begegnen.
Der 79-Jährige setzt auf Feinarbeit – und Bewegung.

Konzentriert:Parkinson-PatientVolker Sprenzzeichnet als Therapie.Foto: Ilona Hottmann
Hannover. Es ist nicht so, dass Volker Sprenz mit einigen Strichen aller Sorgen ledig wäre. Aber der Oststädter kommt zur Ruhe, wenn er den Bleistift zur Hand nimmt und zu zeichnen beginnt. Mitten in der Nacht oder sehr früh morgens, wenn ihn seine Parkinson-Erkrankung weckt und nicht mehr schlafen lässt. Wenn Muskelkrämpfe kommen oder die Glieder schmerzen. „Dann verschwinden die Symptome oder treten in den Hintergrund, ich schiebe sie beiseite“, sagt der 79-Jährige. Schlaflosigkeit ist nur eines von etlichen Problemen, mit denen es Parkinson-Patienten zu tun bekommen. Die Symptome sind höchst verschieden und auch individuell unterschiedlich. Nicht alle Betroffenen zittern, auch Sprenz tut das nicht.Beim gelernten Feinmechaniker und späteren Sozialarbeiter fing es damit an, dass er kein feines Näschen mehr hatte. Den Duft von Rosen vermochte er nicht mehr zu riechen. „Das war ein Vorbote von Parkinson. Meine Frau hat mich damals damit noch aufgezogen“, sagt der Naturfreund. Etwa 80 Prozent seines Geruchssinns habe er verloren.

Nach der Diagnose begann Sprenz, einiges zu verändern, wie er berichtet. Mit viel Bewegung lässt sich das Fortschreiten der Krankheiten nicht aufhalten, aber reichlich Lebensqualität bewahren. Thai-Chi, Nordic Walking beim TuS Bothfeld, Chi Gong – Sprenz ist viel unterwegs, um all diese Termine wahrzunehmen. Das macht er gern mit dem Fahrrad, er ist auf ein niedrigeres, sicheres Faltrad umgestiegen. Mit seinem alten Modell war er gestürzt. „Früher wäre mir das nie passiert, aber die Muskeln funktionieren nicht mehr so schnell.“ Generell verlangsamt Parkinson das Leben.

Was aber flugs mal passiert, ist ein plötzliches Verkrampfen, beispielsweise im Fuß, wie er sagt. Dann muss sich Sprenz rasch erheben und bewegen. Von Opernbesuchen mit seiner Frau sieht er seitdem schweren Herzens lieber ab. Es ist ihm verständlicherweise unangenehm. „Ich könnte dann eine Tablette nehmen, die wirkt gut. Aber das will ich nicht immer, und das wäre in der Oper ja auch schwierig.“ Stattdessen gibt es daheim Musik: Blues, Otis Redding und Tina Turner.

Volker Sprenz ist ein handwerklich sehr begabter Mensch und er fotografiert leidenschaftlich gern. Mit seiner Hasselblad-Kamera aufgenommene Bilder projiziert er auf einen Fototisch und zeichnet die Konturen nach. „Eine Stunde oder länger, dann denke ich nicht mehr an Parkinson, dann fühle ich mich nicht mehr krank.“ Dabei entstehen schöne Werke. Anschließend findet er wieder Schlaf. „Kunst würde das allerdings nicht nennen, eher Handwerk“, sagt Sprenz lächelnd.

Mit der Mimik ist das freilich so eine Sache, Parkinson kann das Gesicht wächsern machen. Auch dagegen übt der zweifache Vater und Großvater bei einer Logopädin an. Augenbrauen hochziehen, lachen, böse schauen, Grimassen schneiden. Klingt komisch, hilft aber. Alle Muskeln wollen eben trainiert sein. „Ich habe viel zu tun, das weiß ich“, sagt Sprenz.

Ein wenig Tischtennis spielt er mit der Familie auch, bei seinem Ferienhaus im Weserbergland steht eine wetterfeste Platte. Dieser Sport ist bei Parkinson sehr gut. „Bei uns ist es allerdings eher Ping-Pong-Pong-Pong, wir heben die meiste Zeit den Ball auf“, flachst Sprenz. Damit habe er kein Problem. „Wenn ich etwas engagiert tue, hilft das schon, Parkinson zurückzuhalten.“

Volker Sprenz jedenfalls ist fest entschlossen, der Krankheit die Stirn zu bieten. Weiterhin mit Sport, viel Bewegung – und dem meist nächtlichen Zeichnen. „Man muss am Ball bleiben. Auch wenn es schlechte Tage gibt, bin ich froh, dass es mir insgesamt so gut geht.“

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