Ein Fest fürs Erwachsenwerden steht unter Druck
Jugendfeier der Jungen Humanisten in Hannover – Ein Festakt mit ungewisser Zukunft

Auch im vergangenen Jahr starteten JungenHumanistinnen und Humanisten aus Hannover und Umgebung im Theater am Aegi feierlich in ihr Erwachsenwerden.Foto: Thomas Damm
Hannover. Für 33 Jugendliche aus Hannover und der Region wird der 14. Juni ein besonderer Tag: Im Theater am Aegi feiern sie gemeinsam mit ihren Familien sowie Freundinnen und Freunden ihre Jugendfeier. Veranstaltet wird sie von den Jungen Humanisten Hannover, dem Jugendverband des Humanistischen Verbands Deutschlands Niedersachsen. Im Mittelpunkt steht der symbolische Übergang ins Erwachsenenleben, begleitet von einem Festprogramm, das die Jugendlichen auch mit eigenen Beiträgen aktiv mitgestalten.

Die humanistische Jugendfeier ist eine religionsfreie Alternative zu Konfirmation und Firmung. Sie richtet sich an junge Menschen, die diesen Schritt nicht im kirchlichen Rahmen begehen möchten, aber dennoch einen feierlichen Anlass suchen, um über Werte, Verantwortung und Zukunft nachzudenken. In Hannover hat dieses Angebot eine lange Geschichte: Seit Ende des 19. Jahrhunderts werden hier nichtreligiöse Jugendfeiern veranstaltet. Der HVD Niedersachsen ist eine anerkannte Weltanschauungsgemeinschaft und Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der Landesverband des Humanistischen Verbands Deutschlands vertritt nach eigenen Angaben die Interessen konfessionsfreier Menschen in Niedersachsen.

Doch die Feier ist mehr als ein einzelner Termin mit festlicher Kleidung, Musik und Reden. Zur Jugendfeier gehören auch vorbereitende Seminare, Workshops und gemeinsame Fahrten. Dort setzen sich die Jugendlichen mit Fragen auseinander, die sie unmittelbar betreffen: Was ist mir wichtig? Wie will ich leben? Welche Verantwortung habe ich für mich selbst, für andere und für die Gesellschaft? Themen wie Demokratie, Werte und Zukunftsvorstellungen gehören fest dazu.

Der Fortbestand des Angebots in seiner bisherigen Form ist nach Angaben der Jungen Humanisten allerdings unsicherer geworden. Sascha Jankowski, Jugendbildungsreferent des HVD Niedersachsen, verweist auf fehlende ehrenamtliche Kapazitäten, wachsende organisatorische Anforderungen und veränderte Rahmenbedingungen. Auch die kommunale Fördersystematik belaste kleinere Jugendverbände zunehmend. Für die Jungen Humanisten Hannover habe dies Anfang des Jahres zur Streichung der kommunalen Förderung der Jugendverbandsarbeit geführt.

„Die Jugendfeier lebt nicht nur vom Festakt selbst, sondern vor allem auch von der gemeinsamen Vorbereitungszeit und den Bildungsangeboten“, betont Jankowski. Es sei bedauerlich, dass die veränderten Voraussetzungen ein über viele Jahre gewachsenes Angebot in seiner bisherigen Form infrage stellten.

Der Jugendverband will deshalb prüfen, wie seine Angebote künftig ausgerichtet werden können. Offen ist nach Angaben der Jungen Humanisten, wie die Jugendfeier in Zukunft organisiert und umgesetzt wird. Zugleich betont Jankowski, dass die Jugendarbeit weiterhin Räume schaffen solle, in denen junge Menschen sich mit sich selbst, ihrer Umwelt und ihren Zukunftsvorstellungen auseinandersetzen können.

Damit stellt sich eine Frage, die weit über den Verband hinausweist: Welche Räume stehen Jugendlichen offen, wenn sie nicht an kirchliche Angebote angebunden sind? Für die 33 Jugendlichen, die am 14. Juni feiern, steht zunächst ihr persönlicher Tag im Vordergrund. Für Hannover aber geht es auch um die Frage, ob ein traditionsreiches, weltliches Angebot für junge Menschen in Zukunft erhalten bleiben kann. RED
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