Das Projekt trägt den Namen „Bakterielle Klimaresilienz in One Health“, kurz BaKlimON, und startet am 1. Juli. Beteiligt sind die Leibniz Universität Hannover (LUH), die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). Für die kommenden drei Jahre stehen 3,2 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Unterstützt wird der Forschungsverbund vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie der Volkswagenstiftung im Rahmen der Förderlinie „zukunft.niedersachsen“.
Im Zentrum des Projekts steht eine Frage, die bislang nur wenig erforscht ist: Wie verändern sich Bakterien unter dem Einfluss des Klimawandels? Denn steigende Temperaturen oder veränderte Feuchtigkeitsbedingungen betreffen nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch Mikroorganismen, die praktisch überall vorkommen. Sie leben im Boden, in Gewässern, auf Pflanzen, in Tieren und im menschlichen Körper.
„Wir wissen noch erstaunlich wenig darüber, wie Bakterien auf den Klimawandel reagieren. Im Verbund BaKlimON untersuchen wir, ob daraus neue Risiken oder vielleicht auch neue Chancen entstehen“, sagt Professorin Natalia Tschowri vom Institut für Mikrobiologie der Leibniz Universität Hannover, die den Forschungsverbund koordiniert.
Bakterien erfüllen wichtige Aufgaben in Ökosystemen und für die Gesundheit. Sie sind an Nährstoffkreisläufen beteiligt und Bestandteil natürlicher mikrobieller Gemeinschaften. Gleichzeitig können bestimmte Arten Krankheiten auslösen oder Antibiotikaresistenzen entwickeln. Genau diese Balance könnte sich durch klimatische Veränderungen verschieben.
Die Forschenden arbeiten deshalb nach dem sogenannten One-Health-Ansatz. Dahinter steckt die Idee, die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt nicht getrennt voneinander zu betrachten. Veränderungen in einem Bereich können Auswirkungen auf alle anderen haben.
Untersucht werden vor allem die Folgen von Temperaturstress und Wasserstress. Trockenheit, Überschwemmungen oder veränderte Sauerstoffverhältnisse könnten bakterielle Lebensgemeinschaften verändern und möglicherweise die Verbreitung krankmachender Keime beeinflussen.
Insgesamt umfasst BaKlimON 13 Teilprojekte. Forschende der Leibniz Universität Hannover beschäftigen sich vor allem mit Boden- und Pflanzenbakterien. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie Mikroorganismen auf Trockenheit oder Überschwemmungen reagieren und ob dadurch potenziell krankmachende Keime in der Umwelt zunehmen. An der Medizinischen Hochschule Hannover stehen dagegen das menschliche Mikrobiom, Infektionsmechanismen und Antibiotikaresistenzen im Fokus.
Untersucht werden bekannte Krankheitserreger wie Salmonellen, Listerien oder Escherichia coli. Die Forschenden wollen herausfinden, ob Menschen künftig häufiger mit solchen Erregern in Kontakt kommen könnten, wenn sich bakterielle Gemeinschaften durch den Klimawandel verändern. Die Tierärztliche Hochschule Hannover untersucht parallel, wie sich klimatische Veränderungen auf Krankheitserreger bei Mensch und Tier auswirken. Im Mittelpunkt stehen dabei Staphylokokken, Enterobakterien und nicht-tuberkulöse Mykobakterien.
Die Forschenden analysieren, ob sich krankmachende Eigenschaften oder Übertragungswege durch klimabedingte molekulare Veränderungen verändern könnten.
Der Forschungsverbund soll zugleich den Wissenschaftsstandort Hannover stärken. Durch die Zusammenarbeit der drei Hochschulen entsteht nach Angaben der Beteiligten eine neue Plattform für interdisziplinäre Forschung. Perspektivisch könnte das Netzwerk auch in das Zentrum Klimaforschung Niedersachsen eingebunden werden.
Zudem soll ein strukturierter Ausbildungsweg für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aufgebaut werden. Geplant sind Workshops, Symposien und Kooperationen mit Graduiertenschulen, um den Austausch zwischen verschiedenen Fachrichtungen zu fördern.