Neues Zentrum für Zukunftswissen
Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche: Träger gründen gemeinsame Gesellschaft für TUMO+MINT-Projekt in Hannovers Innenstadt

Neue Gesellschaft fürBildungsprojekt (v.l.n.r.):Benedikt Hüppe, Dr. Alexander Georgiadis, Alexander Ernst, Julia Willie Hamburg, Dr. Karl Gerhold, Heidelinde Gerhold, Falko Mohrs, Prof. Dr.-Ing. Martin Grotjahn, Belit Onay, Eva Bender, Michael StraußFoto: LHH
Hannover. Mit der Gründung der TUMO + MINT Hannover gGmbH nimmt eines der ambitioniertesten Bildungsprojekte der Stadt konkrete Formen an. Die neue Gesellschaft soll den Aufbau eines Zentrums steuern, das Kindern und Jugendlichen künftig kostenlosen Zugang zu digitalen, technischen und kreativen Lernangeboten ermöglicht. Hinter dem Vorhaben stehen die GETEC Stiftung, die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), die Hochschule Hannover sowie die Landeshauptstadt Hannover. Gemeinsam wollen sie in der Innenstadt einen Bildungsort schaffen, an dem junge Menschen unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund Fähigkeiten für die Arbeitswelt von morgen entwickeln können.

Im Mittelpunkt steht die Verbindung zweier Bildungskonzepte: „TUMO“ bezeichnet ein außerschulisches Lernmodell für digitale und kreative Kompetenzen, das inzwischen international verbreitet ist. „MINT“ steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Gerade in diesen Bereichen fehlen seit Jahren Fachkräfte. Schulen, Unternehmen und Hochschulen hoffen deshalb auf neue Wege, um Kinder und Jugendliche früh für technische und wissenschaftliche Themen zu begeistern.

Geplant ist ein offenes Lernzentrum mit Angeboten aus den Bereichen Programmierung, Robotik, Medienkompetenz, Design und weiteren sogenannten Future Skills. Das Projekt verbindet dabei das international etablierte TUMO-Konzept mit bestehenden MINT-Angeboten hannoverscher Hochschulen. Die Partner sehen darin nicht nur ein Bildungsangebot, sondern auch einen strategischen Beitrag zur Fachkräftesicherung und zur Zukunftsfähigkeit des Standorts Hannover.

Oberbürgermeister Belit Onay spricht von einem „Leuchtturmprojekt“ für den Bildungs-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Hannover. Mit der Gründung der Gesellschaft werde aus einer Idee nun ein konkretes Vorhaben. Ziel sei ein Ort mitten in der Innenstadt, an dem junge Menschen Talente entdecken und Fähigkeiten entwickeln könnten, die später in Ausbildung, Studium und Beruf gefragt seien.

Auch aus der Landespolitik kommt Unterstützung. Mehrere niedersächsische Ministerien begleiten das Projekt fachlich und finanziell. Das Wissenschaftsministerium führt über die beteiligten Hochschulen erstmals MINT-Bildungsangebote mit dem TUMO-Ansatz zusammen. Das Kultusministerium will die Anbindung an Schulen stärken und Lehrkräftestunden bereitstellen. Das Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung beteiligt sich zudem mit 500.000 Euro am Aufbau der Infrastruktur.

Wissenschaftsminister Falko Mohrs betont die Bedeutung früher Förderung. Kinder und Jugendliche sollten Technik und Wissenschaft unmittelbar erleben, eigene Ideen entwickeln und praktische Erfahrungen sammeln können. Besonders wichtig sei es, mehr Mädchen und junge Frauen für MINT-Themen zu begeistern. Kultusministerin Julia Willie Hamburg sieht in dem Zentrum ein Beispiel für ein modernes Bildungsverständnis: offen, kostenfrei und eng mit Schulen verzahnt. Aus Sicht des Landesdigitalisierungsressorts ist das Projekt zugleich ein Beitrag zur digitalen Transformation und zur Sicherung von Fachkräften in Niedersachsen.

Während die organisatorischen Strukturen nun stehen, laufen auch die Arbeiten am künftigen Standort weiter. Das Gebäude „An der Börse 7“ im Bankenviertel wird derzeit umgebaut. Erste Bereiche sollen noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Nach den aktuellen Planungen könnten erste Angebote Anfang 2027 starten. Parallel dazu wird die Projektleitung der neuen Gesellschaft besetzt.

Die beteiligten Partner verbinden mit dem Vorhaben hohe Erwartungen. Heidelinde Gerhold, Vorstandsvorsitzende der GETEC Stiftung, sieht in dem Projekt einen konkreten Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit. Talente gebe es überall, das Bildungssystem erreiche aber längst nicht alle jungen Menschen gleichermaßen. Projekte wie das TUMO + MINT Zentrum könnten hier neue Zugänge schaffen.

Auch die Unternehmerverbände Niedersachsen sehen in dem Zentrum eine Investition in die Fachkräftebasis des Landes. Hauptgeschäftsführer Benedikt Hüppe verweist darauf, dass Unternehmen zunehmend auf technologieaffinen Nachwuchs angewiesen seien. Das Zentrum könne früh Interesse wecken und eine Brücke zwischen Bildung und Praxis schlagen.

Inhaltlich sollen mehrere Hochschulen das Angebot prägen. Die Hochschule Hannover bringt unter anderem ihr „Zukunftshaus MINT“ ein, das Workshops für unterschiedliche Altersgruppen entwickelt hat. Die Leibniz Universität beteiligt sich mit den Laboren Protoys und Foexlab aus ihren Exzellenzclustern. Die Medizinische Hochschule Hannover soll später hinzukommen. Unterstützt wird der Aufbau zudem von der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Erfahrungen aus anderen TUMO-Standorten in Deutschland einbringt. RED
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