Zunächst erzählte der 49-Jährige, wie unser Planet aus dem All auf ihn wirkt: „Wie eine kleine, blaue Murmel, die in der Schwärze des Alls hängt“, beschrieb der Mann, der 2014 und 2018 während der Missionen „Blue Dot“ und „Horizons“ viel Zeit in der Internationalen Raumstation (ISS) verbracht hat. „Da bekomme ich Gänsehaut.“
Eins der Bilder, die er zum Talk auf der gut besuchten Center Stage 25 mitgebracht hatte, zeigte einen Supertaifun, den er fotografiert hat: „Sie sind schön, aber auch besorgniserregend, weil man weiß, dass Menschen in Not sind.“ Während der ersten Mission hatte er Supertaifun „Vongfong“ abgelichtet und Fotos getwittert (heute die Plattform X), vier Jahre später „Trami“.
In einer kurzweiligen halben Stunde erläuterte der Astronaut, wie sich die Welt seitdem verändert hat: „Nicht unbedingt zum Guten. Es wäre nicht schlecht, wenn der ein oder andere Politiker, die ein oder andere Politikerin, sich von da oben die Welt mal anschauen würde“, sagte er im Hinblick auf die Fragilität unseres Planeten. „Wunschdenken ...“
Auch an Bord der Raumstation ist Politik ein Thema: „Wir sind ja Realisten.“ Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Nationen funktioniert aber nicht deshalb so gut, „sondern, weil wir ein Level drüber sind. Unsere Arbeit ist für die gesamte Menschheit wichtig.“
Ganz lässig in königsblauer ESA-Jacke erzählte Gerst von seiner Arbeit, etwa der Mikrogravitationforschung. „Einen Krebstumor kann man in der Schwerelosigkeit besser wachsen lassen, als in einer Petrischale. Man kann Krankheiten besser verstehen lernen.“ Und was ist mit Rohstoffen aus dem Universum? Helium-3 findet man ja auf dem Mond. „Ich bin skeptisch. Da muss man schon viel tolles Zeug finden, damit sich das lohnt.“
Lohnenswert war sein Auftritt allemal, nachmittags war er noch in einer Talkrunde mit Raumfahrtministerin Dorothee Bär (48). Übrigens will er mit seiner Arbeit auch in Sachen Meteoriten weiterforschen. Einschläge sind eine reelle Gefahr für die Erde. Der Meteoritenkrater Nördlinger Ries ist 25 Kilometer groß. Gerst: „Da passt Hannover locker rein.“