Mit der Straßenbahn
zurück in die 1950er-Jahre
Verein hält Hannovers historische Bahnen am Leben – Sonderfahrt zum Jubiläum der Großraumwagen

Sonderfahrt mit dem einzig noch erhaltenen Großraumwagen TW 336 und seinem Beiwagen 1304.Foto: Herzberg/ Förderverein Straßenbahn Hannover e.V.
Hannover. Was heute selbstverständlich wirkt, war einst eine kleine Revolution: Als die Großraumwagen in den 1950er-Jahren in Hannover auf die Schienen gingen, boten sie deutlich mehr Platz als ihre Vorgänger und setzten neue Maßstäbe im öffentlichen Nahverkehr. 75 Jahre später erinnert eine Sonderfahrt an diese Entwicklung – und macht ein Stück Verkehrsgeschichte erlebbar.

Hinter den Oldtimerzügen steht ein Verein, der sich seit Jahren darum kümmert, ein Stück Stadtgeschichte lebendig zu halten. Der Förderverein Straßenbahn Hannover hat sich der Dokumentation und dem Erhalt des Nahverkehrs in der Landeshauptstadt verschrieben. Ziel ist es, historische Fahrzeuge der ÜSTRA und andere Zeugnisse der Verkehrsgeschichte dauerhaft zu bewahren. Was nach Museum klingt, ist in der Praxis vor allem eines: viel ehrenamtliche Arbeit.

Die Mitglieder restaurieren und pflegen die alten Straßenbahnen, sichern Ersatzteile und sorgen dafür, dass die Fahrzeuge weiterhin den aktuellen technischen Vorschriften entsprechen. Auch der Betrieb selbst liegt in ihren Händen. Von der Vorbereitung bis zur Durchführung der Fahrten organisieren die Ehrenamtlichen alles selbst – inklusive stilechter Details wie dem Fahrscheinverkauf durch Schaffner in historischer Uniform.

Am Sonntag, 3. Mai, lädt der Verein zu einer Fahrt mit dem historischen Triebwagen TW 336 und seinem Beiwagen 1304 ein. Start ist um 11 Uhr auf dem Betriebshof Döhren. Von dort führt die Strecke über frühere Einsatzgebiete bis zum Endpunkt Stöcken und wieder zurück.

Der eingesetzte Triebwagen stammt aus dem Jahr 1955 und war bis Anfang der 1980er-Jahre im regulären Linienbetrieb der ÜSTRA unterwegs. Nach seiner Ausmusterung begann der Förderverein im Jahr 2001 mit der Restaurierung des Fahrzeugs. Seit 2012 ist es wieder regelmäßig bei historischen Fahrten im Einsatz. Auch der dazugehörige Beiwagen wurde aufwendig aufgearbeitet, sodass beide heute wieder gemeinsam unterwegs sind.

Bei der Sonderfahrt geht es nicht nur um die Technik, sondern auch um das Erlebnis. Die Fahrscheine werden stilecht von ehrenamtlichen Schaffnern verkauft, die mit sogenannten „Galoppwechslern“ und Klapperkästen unterwegs sind. Der Erlös aus den Fahrten fließt in die Instandhaltung der historischen Fahrzeuge.

Wer mitfahren möchte, muss sich vorab um ein Ticket kümmern. Die Fahrkarten sind ausschließlich im ÜSTRA-Servicecenter in der Karmarschstraße erhältlich und kosten 15 Euro pro Person. Der Einstieg erfolgt ausschließlich auf dem Betriebshof in Döhren.

Zu beachten ist, dass die historischen Fahrzeuge nicht barrierefrei sind. Aufgrund ihrer Bauweise müssen beim Ein- und Aussteigen Stufen überwunden werden, auch im Innenraum gibt es Einschränkungen. Rollstühle, Fahrräder und große Kinderwagen können nicht mitgenommen werden. Zudem gelten weder reguläre ÜSTRA-Tarife noch Deutschland- oder Niedersachsenticket für diese Sonderfahrt. RED
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