„Wir beschäftigen uns derzeit intensiv mit diesem Thema und bereiten eine entsprechende Anschaffung vor“, berichtet Stadtsprecher Udo Möller. Die Verwaltung habe sich bereits verschiedene Systeme in der Praxis angeschaut.
Wie vielen anderen Badbetreibern auch macht der Stadt der Fachkräftemangel zu schaffen. Es fehlen Schwimmmeister, Fachangestellte für Bäderbetriebe und einfache Rettungskräfte, um den Betrieb der Schwimmhallen und Freibäder sicherzustellen. In den vergangenen beiden Jahren hatte das vor allem für das Hainhölzer Bad negative Folgen. Das Freibad öffnete nur in den Sommerferien – und das auch lediglich am Nachmittag. Im Stadtbezirk sorgte das für viel Kritik.
In Hannover sind derzeit um die acht Stellen unbesetzt in den Bädern. Deutschlandweit sollen es rund 3000 sein. Viele in der Bäderbranche hoffen, dass KI auch gegen Fachkräftemangel helfen kann. Zwar werden weiter Aufsichtskräfte benötigt, um bei Notfällen Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Nur sie können gefährdete Personen aus dem Wasser holen sowie die Erstversorgung, das Koordinieren des Notfalls und die Kommunikation mit Rettungsdiensten übernehmen. Allerdings bietet die Technik die Chance, größere Flächen zu beobachten und an besonders vollen Tagen besser den Überblick zu bewahren.
Nach Einschätzung der Stadt Hannover würde die Anschaffung der Schwimmbad-KI aktuell jedoch nicht dazu führen, die Personalsituation zu entschärfen. „Die relevanten DIN-Vorschriften bewerten solche Systeme als ergänzend, nicht als ersetzend“, erklärt Sprecher Möller. Die Technik soll also gekauft werden, um für zusätzliche Sicherheit zu sorgen. Zum Einsatz kommen soll diese in den Hallenbädern. Dort lasse sie sich leicht einbauen, so Möller. Billig wird das allerdings nicht. Das Osnabrücker Nettebad etwa setzt das israelische System Lynxight ein, dessen Anschaffung und Einbau eine sechsstellige Summe kosten soll.
Erkennt die KI aus den Daten eine ertrinkende Person, sendet sie ein Alarmsignal auf die Smartwatch des Badpersonals. Sie kann sogar anzeigen, an welcher Stelle im Becken die kritische Situation entstanden ist. Die KI lernt laufend anhand der erfassten Bewegungsmuster, wann eine Gefahr besteht und wann nicht. Auch Rückmeldungen des Personals sind möglich.
Im Nettebad schlägt die KI zwei- bis dreimal täglich Alarm. Etwa, wenn kleine Kinder zu dicht am Beckenrand stehen. Einmal soll sie sogar tatsächlich schon geholfen haben, Leben zu retten. Spiegelungen, Luftblasen oder auch Schatten im Wasser erschweren allerdings die Analyse der Daten und führen zu Fehlalarmen.
Auch in anderen Kommunen im Norden ist Schwimmbad-KI ein Thema. In Adendorf bei Lüneburg soll nach zwei Jahren Sanierung im Freibad die Lynxight-KI zum Einsatz kommen. Dafür wurden rund 30 Kameras auf großen Säulen angebracht. Vor der Saisoneröffnung am 2. Mai wird das System noch erprobt. Mithilfe von DLRG-Schwimmern soll die KI Bewegungsmuster erlernen und sich anhand von Fehlermeldungen für die Zukunft korrigieren. Außer dem großen Becken soll auch der Sprungturm überwacht werden.
Geplant ist der Einsatz von Lynxight auch mit Eröffnung des neu gebauten Bremer Westbads, das im Juli 2026 den Betrieb aufnehmen soll. Von den Erfahrungen in dem Schwimmbad hängt ab, ob die Technik auch in weiteren Bremer Bädern zum Einsatz kommen wird.