Es klingt nach wenig, ist aber eine große Aufgabe. „Wir wollen für die Menschen da sein“, sagt Kerstin Schumacher. Seit einem halben Jahr leitet die 50-Jährige bei den Johannitern den Fachbereich Wohnprojekte und ist damit zuständig für acht Servicewohnangebote in der Stadt und Region Hannover. Ihre 14 Mitarbeitenden besetzen dort Büros und sind ansprechbar für kleine und größere Fragen, Aufgaben und Probleme oder auch einfach für einen kurzen Schnack. Für Menschen aus insgesamt 460 Wohnungen sind sie zuständig. Sie kennen viele der zumeist älteren Mieterinnen und Mieter, nehmen Anteil an ihrem Leben, wissen oft um gesundheitliche Entwicklungen und familiäre Geschichten. „Geduld, Empathie und Mitgefühl machen die Frauen in meinem Team aus“, sagt Kerstin Schumacher. Sie weiß, wovon sie redet. Seit zehn Jahren ist sie selbst Hausleitung im Johanniter-Quartier in Kirchrode.
Das liegt an der Gravensteiner Allee und verfügt über 57 Wohnungen. Kerstin Schumacher ist dort, nebst ihren Kolleginnen, regelmäßig im Büro im Erdgeschoss des Hauses anzutreffen. Hauptaufgabe ist es, die Appartements zu vermieten und für ihre Instandhaltung zu sorgen. Außerdem organisieren sie darüber hinaus das alljährliche Sommerfest und regelmäßige Angebote wie Spiel-, Handwerk- oder Kaffeenachmittage im Gemeinschaftsraum, der – ebenso wie die angrenzenden Flure - immer wieder für Kunstausstellungen genutzt wird. Im Büro sind die Johanniterinnen jederzeit ansprechbar. Wenn die Glastür sich öffnet, werden die gerade angefangenen Aufgaben schnell für einen Moment zur Seite gelegt. Ein Handwerker wird benötigt? Oder Hilfe bei einer Behördensache? Das Portemonnaie ist verlegt? Die Nachbarin hört so laut Musik? Mit einer Mischung aus Verständnis und Pragmatismus kann allermeistens schnell eine Lösung gefunden werden. Mit dieser Einstellung führt Kerstin Schumacher jetzt auch als Fachbereichsleitung ihr Team. Ihre Überzeugung ist: „Unser Wohnen mit Service ist eine Mischung aus Sozial- und Quartiersarbeit mit Freude an nachbarschaftlichem Austausch.“
Die Johanniter bieten das Wohnen mit Service im Auftrag von Wohnungsunternehmen wie hanova und Ostland, der Lehrter Wohnungsbau oder der Vincent Bernward Stiftungen an. Manche Projekte, wie zum Beispiel an der Waldstraße in Misburg, sind mit 26 Wohnungen und einer Büropräsenz einmal pro Woche klein. Andere wie das Gilde-Carré oder die Wohnungen an der Pfarrlandstraße in Hannover-Linden mit 64 oder sogar fast 100 Einheiten sind deutlich größer und werden intensiver betreut. Für alle gilt: Neben den bestehenden Angeboten werden je nach Möglichkeit auch Wünsche erfüllt. So gibt es an der Pfarrlandstraße einmal in der Woche ein gemeinsames Kochen und Mittagessen. Und wenn sich Bewohnende melden, weil sie in die Tabletnutzung eingewiesen werden möchten, wird kurzerhand ein Computerkurs auf die Beine gestellt.
„Wie überall in der Gesellschaft ist auch bei uns die zunehmende Einsamkeit der Menschen ein Thema“, sagt Kerstin Schumacher. Mit ihrem Team arbeitet sie dagegen an. Gemeinsam entwickeln sie Angebote, profitieren dabei gegenseitig von ihren Ideen und Erfahrungen. Das möchte sie in Zukunft weiter ausbauen, der Bedarf ist da. Kerstin Schumacher: „Die Zahl der Älteren nimmt weiter zu, und es wird sich nichts ändern, dass die meisten von ihnen, so lange es geht, in ihrem eigenen Zuhause leben möchten.“
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