Analysiert wurden sowohl die Entwicklung der Pflanzengesellschaften als auch deren Auswirkungen auf Bodeneigenschaften. Dabei zeigte sich, dass eine kräuterreiche Vegetation gegenüber gräserdominierten Beständen Vorteile bietet. Durch tiefreichende Wurzeln und stärkere Beschattung konnte Feuchtigkeit im Boden besser gehalten und Temperaturschwankungen im Sommer reduziert werden. Dies verhinderte weitgehend das Austrocknen und Aufreißen der Kleidecke, also der schützenden Deckschicht des Deichs.
Die Forschenden stellten zudem fest, dass auch die Pflege eine entscheidende Rolle spielt. Insbesondere der Zeitpunkt der Mahd beeinflusst die Stabilität: Wird die Biomasse entfernt, steigt kurzfristig die Anfälligkeit des Bodens für Trockenheit und Temperaturschwankungen.
„Die Ergebnisse belegen, dass die Erhöhung der funktionalen Diversität der Grasnarbe die Widerstandsfähigkeit des Deichs gegenüber Dürren stärkt“, erklärt Hauptautor Jan-Michael Schönebeck. Koautor Professor Torsten Schlurmann sieht darin einen praxisnahen Ansatz für den Küstenschutz: „Die Ergebnisse aus dem Realexperiment weisen das Potenzial von ökosystembasierten Küstenschutzstrategien nach.“
Die Studie ist in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht worden. Sie entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Gute Küste Niedersachsen“, das von 2020 bis 2025 lief und sich mit nachhaltigen Strategien für den Küstenschutz befasste. Neben naturbasierten Lösungen wurden auch technische und gesellschaftliche Aspekte in mehreren Reallaboren entlang der niedersächsischen Nordseeküste untersucht.