„Hannah Arendt und ihre Werke sind aktueller denn je. Insbesondere ihre Aufforderung zu unabhängigem Denken, ihre Appelle für Freiheit und das gemeinsame Handeln sind gerade in Zeiten des Erstarkens autoritärer Systeme wegweisend“, sagt Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay. Und weiter: „Mit dem Arendt Zitat „stop and think“ möchten die Hannah Arendt Tage mit ausgewählten Veranstaltungen bereits im Vorfeld des 120. Geburtstages Hannah Arendts am 14.10.2026 an die berühmte Tochter unserer Stadt erinnern. Arendts Zitat ist eine Einladung zum Innehalten in der Informationsflut, zum selbstständigen und selbstreflexiven Denken, zum gemeinsamen Diskus über Freiheit und Demokratie.“
Der nächste Termin findet statt im ZeitZentrum Zivilcourage, Osterstraße 46: Dort spricht am Donnerstag, 16. April, ab 18 Uhr der Journalist Willi Winkler über seine 2025 erschienene Biografie „Hannah Arendt. Ein Leben“. Im Gespräch mit Direktor Dr. Jens Binner zeichnet er Arendts Weg durch das 20. Jahrhundert nach – von Königsberg über das Exil bis nach New York – und beleuchtet eine Intellektuelle, die politische Theorie aus eigener Erfahrung entwickelte. Der Eintritt ist frei. Ebenfalls im ZeitZentrum Zivilcourage ist am Donnerstag, 11. Juni, ab 18 Uhr die Wissenschaftlerin Dr. Katja Leuchtenberger zu Gast. Unter dem Titel „Aber, bitte schön, zur Gräfin machen sie mich nicht“ geht sie in Vortrag und Gespräch der Verbindung zwischen Hannah Arendt und dem Schriftsteller Uwe Johnson nach. Im Fokus steht eine intellektuelle Nachbarschaft in New York, die sich in Briefen und literarischen Spuren niederschlug.
Das Kommunale Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, widmet Arendt eine Filmreihe. An den Sonnabenden, 25. April, 16. Mai und 6. Juni, jeweils ab 12 Uhr, läuft Margarethe von Trottas Spielfilm „Hannah Arendt“. Im Zentrum steht Arendts Berichterstattung über den Eichmann-Prozess und die daraus entwickelte These von der „Banalität des Bösen“, die weltweit Kontroversen auslöste. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, mit Hannover Aktiv Pass 2 Euro, für Inhaber unter 18 Jahren frei. Ergänzt wird die Reihe am Dienstag, 5. Mai, ab 18 Uhr durch den Dokumentarfilm „Hannah Arendt – Ein Jüdin im Pariser Exil“, der ihre Jahre in Frankreich nachzeichnet; der Eintritt ist frei. Zum Abschluss zeigt das Kino am Montag, 14. September, ab 18 Uhr „Denken ist gefährlich“, einen Essayfilm, der Arendts Texte und Briefe ins Zentrum stellt.
Eine Kooperation mit den KunstFestSpielen führt am Mittwoch, 29. April, ab 19 Uhr in die Orangerie Herrenhausen. Unter der Frage „Acts of Peace in Times of War – Wie kann Krieg beendet werden?“ diskutieren die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann und der Historiker Jörn Leonhard. Das Gespräch knüpft an Arendts politisches Denken an, das stets auf Verantwortung und Handeln im öffentlichen Raum zielte.
Die Stadtbibliothek Hannover, Hildesheimer Straße, wird zur Bühne für die Reihe „Hannover liest Hannah“. Zum Auftakt am Dienstag, 19. Mai, ab 19.30 Uhr spricht die Autorin Düzen Tekkal mit dem Moderator Sebastian Friedrich über Arendts Texte und deren heutige Bedeutung. Am Dienstag, 9. Juni, ab 19.30 Uhr bringt Poetry-Slammer Matti Linke eine literarische Annäherung ein. Die Reihe lädt dazu ein, Arendts Gedanken gemeinsam zu lesen und auf aktuelle Fragen zu beziehen.
Ein Doppeljubiläum steht am Dienstag, 16. Juni, ab 18 Uhr in der Villa Seligmann, Hohenzollernstraße 39, im Mittelpunkt. In Vorträgen und einem anschließenden Gespräch werden Parallelen zwischen Hannah Arendt und Johanna Seligmann-Coppel gezogen – insbesondere mit Blick auf jüdische Identität, gesellschaftliches Wirken sowie Erfahrungen von Flucht und Migration. Tickets kosten 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Am selben Tag ab 18 Uhr wird eine Führung durch die Villa angeboten, bei der Direktor Eliah Sakakushev-von Bismarck und die Arendt-Expertin Dr. Diana Häs die Zeit um 1906 in Hannover lebendig werden lassen und historische Bezüge zwischen Ort und Biografie herstellen.
Das Schauspiel Hannover zeigt im Ballhof 2 die Produktion „Denken ohne Geländer – Hannah Arendt im Selbstversuch“. Die freie Gruppe pulk fiktion verwandelt den Theaterraum am Mittwoch, 17. Juni, ab 11 Uhr und 19.30 Uhr sowie am Donnerstag, 18. Juni, ab 11 Uhr in einen Denkraum, der Fragen nach Macht, Verantwortung, Identität und Pluralität verhandelt. Besonders junge Zuschauer werden eingeladen, sich mit Arendts Ideen auseinanderzusetzen.
Wer darüber hinaus selbst ins Denken kommen möchte, kann an kostenlosen Schreibdenken-Workshops unter dem Leitmotiv „stop and think“ teilnehmen. Hier wird das Schreiben als Mittel erprobt, um eigene Erfahrungen und Perspektiven im Dialog mit Arendts Philosophie zu reflektieren. Die Termine im Stadtteilzentrum Weiße Rose, im Freizeitheim Vahrenwald und im Kulturtreff Vinnhorst werden zeitnah auf hannover.de bekanntgegeben, die Teilnahme soll ohne Anmeldung möglich sein.
Am Sonntag, 28. Juni, ab 11 Uhr wird Hannah Arendt zudem in die frauenORTE Niedersachsen aufgenommen. In der Stadtbibliothek Hannover erinnert künftig eine Tafel an ihr Leben und Werk.
Den Abschluss bilden die „Hannah Arendt Tage“ vom 22. bis 26. September. Sie bündeln das Programm noch einmal und führen Arendts Denken kurz vor ihrem 120. Geburtstag am Mittwoch, 14. Oktober, zurück in die Gegenwart – dorthin, wo es weiterhin gebraucht wird.