Das kleine Schwimmbad im Gewerbegebiet von Mittelfeld sieht schick und modern aus, wie eine Wellnessoase. Tageslicht fällt durch ein Rundfenster auf das Becken, die Wände leuchten in Hellblau, der Boden schimmert in beigefarbener Marmoroptik. Neben dem Eingang ist eine Bar eingebaut, im Nebenraum eine Sauna.
Hier sollen Kinder aus Hannover schwimmen lernen – so der Plan der Eigentümer Dimitrios und Lana Givizinis. Doch das Projekt wurde jäh gestoppt, kurz nachdem es angefangen hatte. Zuerst untersagte das Gesundheitsamt der Region Hannover Schwimmkurse in dem Becken, dann auch das Bauamt der Stadt.
Seit Monaten kämpfen die Givizinis um eine Freigabe. Doch auch nach teuren Modernisierungen bleibt das Bad geschlossen. Die Eigentümer sind frustriert über die Behörden. „Überall heißt es, Hannover brauche mehr Schwimmflächen“, sagt Lana Givizinis. „Wir wollen ein neues Angebot schaffen, aber ständig bremsen uns neue Auflagen aus.“
Das Schwimmbad gehört zur benachbarten Betriebsleiterwohnung in einem Gewerbegebiet im Stadtteil Mittelfeld. 2003 ließ der damalige Eigentümer es für private Zwecke bauen. Immobilienmakler Dimitrios Givizinis kaufte das Grundstück und zog mit seiner Familie in die Wohnung.
Schnell entstand eine Idee: Warum das Becken nicht nutzen, um Kindern das Schwimmen beizubringen? „Sonst steht das Bad leer. Wir gehen da vielleicht mal am Wochenende rein“, sagt Givizinis. In einer Saunarunde mit Freunden im Aqualaatzium reifte der Plan. Die Gruppe, darunter ein ehemaliger Schwimmmeister des Aqualaatziums, gründete den Verein „Wellenwunder“. Acht Mitglieder zählt der junge Verein bisher. Ziel ist es, mit Fördergeld kostenlose Schwimmkurse anzubieten – angesichts knapper Wasserflächen, langer Wartelisten und hoher Gebühren in Hannover.
„Wir wollen, dass jedes Kind schwimmen lernen kann, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern“, sagt Lana Givizinis. Die steigende Zahl tödlicher Badeunfälle von Kindern und Jugendlichen sei besorgniserregend. Besonders Kinder, die in großen, lauten Bädern überfordert sind, will das „Wellenwunder“ ansprechen. Sechs bis sieben Kinder könnten im Becken Platz finden.
Doch daraus wird vorerst nichts. Nachdem das Paar das Gesundheitsamt um eine Prüfung bat, untersagte die Behörde die Nutzung des Bads für gewerbliche Zwecke. Der Grund: Das Bad wurde ursprünglich als privates Schwimmbad für den Betriebsleiter geplant. „Wenn sich die Nutzungsform ändert, gelten höhere Anforderungen für den Infektionsschutz“, erklärt Sprecher Tobias Manzke. „Daraus folgend bestand für das Bad ein umfangreicher Nachbesserungsbedarf.“
Die Givizinis erfüllten die Forderungen. Sie investierten nach eigenen Angaben rund 80.000 Euro in den Umbau, unterstützt von einem befreundeten Ingenieur.
Neue Pumpen, größere Kesselanlage, freie Chlormessung – alles nach DIN-Normen. Doch dann habe das Gesundheitsamt das Becken als Bewegungsbecken statt als Nichtschwimmerbecken eingestuft. Die Folge: Ein zweiter Kessel wurde gefordert. Für Dimitrios Givizinis ein Ärgernis. „Es gibt lauter kleine Fallstricke. Jede ungenaue Formulierung zieht neue Anforderungen nach sich.“
Das Gesundheitsamt weist die Kritik zurück. Welche Aufbereitung ein Becken benötige, hänge davon ab, wie es genutzt werde, wie viele Gäste es habe und wie groß es sei, so Sprecher Manzke.
„Der Betreiber entscheidet über die Nutzung – und muss sie plausibel erklären.“ Man stehe im Austausch mit den Betreibern. Nach letzten ausstehenden Bewertungen könne eine amtliche Beprobung erfolgen. Doch es gibt ein weiteres Problem: Das Gesundheitsamt informierte das Bauamt, das eine öffentliche Nutzung bislang grundsätzlich untersagt. Das Schwimmbad sei Teil der Betriebsleiterwohnung und dürfe nur von dieser genutzt werden, erklärt Stadtsprecherin Janine Herrmann. Für Vereinskurse sei eine Nutzungsänderung nötig. Planungsrechtlich würde das Bad dann als Sportanlage gelten – und nicht als Teil des genehmigten Betriebsleiterwohnens auf einer Gewerbefläche.
Die Givizinis haben eine entsprechende Bauvoranfrage gestellt. „Wenn es schnell geht, wäre das kein Problem“, sagt Lana Givizinis. „Und wenn nicht wieder zig neue Auflagen kommen“, ergänzt ihr Mann. Laut Stadt sind unter anderem Fragen zu Toiletten, Umkleiden und Stellplätzen offen.
Die Stadt betont, sie begrüße privates Engagement für Schwimmkurse. Schwimmen sei eine Basiskompetenz. Dazu gehöre aber auch, dass alle Kinder in einem sicheren Umfeld lernen können, das den gesetzlichen Anforderungen entspricht, so Herrmann. Für die Givizinis bleibt das unverständlich. Die laufenden Kosten für Strom, Gas und Lüftung beziffern sie auf mindestens 2000 Euro im Monat, dazu kommen Laborkosten von bis zu 800 Euro. „Warum bekommen wir nicht wenigstens eine Duldung? “, fragt Dimitrios Givizinis. „Die Badesaison beginnt bald. Im Sommer ist es zu spät.“
Eine Duldung lehnt die Stadt ab. Zuerst müsse geprüft werden, ob das Vorhaben überhaupt genehmigungsfähig sei.
Dimitrios Givizinis hofft auf eine schnelle Wende – und ärgert sich über die schleppende Kommunikation der Behörden. „Wir dachten, wenn wir das Gesundheitsamt einschalten, hilft man uns“, sagt er bitter. „Aber da waren wir wohl etwas blauäugig.“