Satt? Ist dem Gehirn egal,solange es Snacks gibt
Warum greifen wir auch nach dem Essen zu Schokolade oder Chips?Forscher zeigen, wie unser Gehirn auf verlockende Bilder anspringt.

Berlin. Eigentlich pappsatt, aber der Schokoriegel geht noch rein? Ein Team der britischen University of East Anglia hat dieses Phänomen untersucht. Unserem Gehirn scheint es demnach bei der Verarbeitung von verlockenden Essensreizen gleichgültig zu sein, ob wir bereits genügend Nahrung zu uns genommen haben oder nicht, wie die Forscher im Fachblatt „Appetite“ schreiben. Sie führten mit 90 Erwachsenen ein Experiment durch und maßen währenddessen ihre Gehirnaktivität mit einem Gehirnscan, bei dem Elektroden auf der Kopfhaut platziert werden. Letztlich flossen die Daten von 76 Probanden in die Auswertung ein.

Die zu Beginn des Experiments hungrigen Teilnehmenden gaben zuvor an, wie gern sie bestimmte Snacks mögen. Jedem wurde daraufhin je ein süßer und ein herzhafter Snack zugeteilt. Dann folgte ein Belohnungsspiel, bei dem die Probanden fiktive Lose für diese Snacks gewinnen konnten. Bei den Messungen erkannten die Forscher als Reaktion auf die Snack-Bilder Signale, mit denen das Gehirn einen Reiz als potenziell gewinnbringend oder wertvoll einstuft. Nach der Hälfte des Experiments bekamen die Probanden eines der zuvor gesehenen Lebensmittel zu essen – und zwar so viel davon, bis sie nach eigenen Angaben „keinen weiteren Bissen mehr wollten“. Danach ging das Belohnungsspiel weiter.

Im Gehirn spielte die Sättigung den Autoren zufolge kaum eine Rolle: Obwohl der Körper eigentlich genug von dem Lebensmittel hatte, blieb die Reaktion ähnlich. Die Auswertung der neuronalen Aktivität zeigte, dass die Belohnungszentren im Gehirn weiterhin genauso stark auf Bilder des nun vom Körper eigentlich ungewollten Essens reagierten wie vor der Sättigung.

„Tatsächlich konnte keine noch so große Sättigung die Reaktion des Gehirns auf köstlich aussehende Lebensmittel ausschalten“, erklärt der leitende Studienautor Thomas Sambrook. Die Studie legt nahe, dass Reaktionen auf die Reize von Schokolade, Chips und Co. unabhängig von bewussten Entscheidungen wie Gewohnheiten funktionieren. Vor diesem Hintergrund sei es „kein Wunder, dass es sich unmöglich anfühlen kann, einem Donut zu widerstehen“, so Sambrook.



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