Was lesen die Menschen in Hannover gerade, welche Bücher haben sie besonders berührt? Hier kommen Lesetipps von Prominenten aus Hannover.
„Rob Delaney ist Comedian, und sein Sohn Henry ist mit drei Jahren gestorben. Und darüber hat er ein Buch geschrieben, das ich nicht weglegen konnte.
Nicht weil es so traurig ist. Sondern weil es so ehrlich ist. Delaney beschreibt Trauer nicht als etwas, das man durcharbeitet und dann hinter sich lässt. Er beschreibt sie als etwas, das bleibt. Das sich verändert. Das manchmal leiser wird und manchmal nicht.
Ich glaube, wir reden zu wenig darüber, was Verlust wirklich bedeutet. Was er mit einem macht, über Jahre. Dieses Buch tut das. Ohne Pathos, ohne falsche Hoffnung, ohne das Versprechen, dass am Ende alles gut wird. Nur ein Vater, der über seinen Sohn schreibt. Und den Verlust. Und die Liebe.“
Sebastian Becker ist Autor und Künstler.
„Ich liebe Romane, die große Familiengeschichten über mehrere Generationen und aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen – und genau so einer ist ‚Leuchtfeuer‘.
Es geht um einen Autounfall von drei betrunkenen Teenagern im Jahr 1985, und ohne zu viel zu spoilern: Dabei passiert etwas ganz Schlimmes. Die beiden beteiligten Geschwister Sarah und Theo leiden ihr ganzes Leben darunter. Und auch ihre Familie und die Nachbarn spielen eine große Rolle – die Geschichte erzählt bis ins Heute, wie dieser Unfall alles verändert.
Ich lese sehr viel, und deswegen dauert es normalerweise ein bisschen, bis mich ein Buch so richtig berühren kann. Aber hier habe ich am Ende geweint und noch lange darüber nachgedacht. Es ist ganz poetisch geschrieben, ganz nah an den Familien dran. ‚Leuchtfeuer‘ war das beste Buch, das ich 2025 gelesen habe.“
Ninia LaGrande ist Autorin und Moderatorin.
„Lesen tut mir gut und hilft mir, vom Fußball abzuschalten. Ich gehe gerne mal alleine einen Kaffee trinken und nehme ein Buch mit. Lieblingsbücher habe ich mehrere. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich von meinem Bruder die neue Ausgabe von ‚Der Alchimist‘ (Paulo Coelho, d. Red.) bekommen. Ein sehr gutes Buch. Aber ich lese viel, auch Biografien. Letztens die von Lewis Hamilton. Es ist ein breites Spektrum. Das erste bewusste Buch, mit dem ich das regelmäßige Lesen angefangen habe zu lieben, ist die ‚1%-Methode‘ von James Clear. Ich versuche, aus jedem Buch etwas mitzunehmen, das Spaß macht, das mich besser macht und über das ich mir Gedanken machen kann.“
Kolja Oudenne ist Fußballprofi bei Hannover 96.
„Schon als Kind fand ich Peter Pan unheimlich cool und habe immer mit offenem Fenster geschlafen, damit auch ich abgeholt und nach Nimmerland mitgenommen werde.
Heute ist ‚Die Chroniken von Peter Pan‘ mein Lieblingsbuch. Es erzählt die Vorgeschichte von Peter Pan und Captain Hook und ist auf jeden Fall ein Buch für Erwachsene – sehr blutig, aber auch unglaublich abenteuerlich. Das Buch beantwortet Fragen, die in der Originalgeschichte offenbleiben: Warum kann Peter Pan fliegen und die anderen nicht? Wie ist Captain Hook nach Nimmerland gekommen, warum sind die beiden verfeindet?
Ich finde es unglaublich spannend, die Perspektive zu wechseln und die Hintergründe der Geschichte zu erfahren. Dadurch bin ich mittlerweile vom Peter-Pan-Kind zur Captain-Hook-Frau geworden.
Eine Seite des Buchs hat mich sogar so sehr gefesselt, dass ich sie mir immer und immer wieder durchgelesen habe – und mittlerweile einen Ausschnitt davon auf meinen Rücken tätowiert habe.“
Cora Marleen ist Influencerin.
„Meine Faszination für Hochhäuser begann, als ich etwa zehn Jahre alt war, mit einem Geschenk meines Opas: ‚Wolkenkratzer. Die Geschichte der berühmtesten und wichtigsten Wolkenkratzer der Welt‘ von Judith Dupré. Jede Seite zeigte ein Gebäude mit kurzer Geschichte und einer Tabelle voller Fakten zu Höhe, Baujahr oder Architekt*in.
Ich blätterte in diesem, dem Thema angepasst riesigen Buch hin und her, lernte alle Namen der Gebäude und die Fakten aus den Tabellen auswendig. Das war für mich meditativ.
Erstaunlich viel davon ist hängen geblieben. Die Faszination für außergewöhnliche Bauwerke hat mich nie ganz verlassen. Jahre später, als ich nach New York reiste, tauchte dieses Wissen plötzlich wieder auf. Auch genau dort, wo es hingehörte: zwischen den Hochhäusern dieser Stadt.“
„Vergangenen Sommer habe ich ‚Draußen feiern die Leute‘ von Sven Pfizenmaier in der Buchhandlung entdeckt. In dem Coming-of-Age-Roman passieren den drei Dorf-Außenseitern ganz normale und ganz paranormale (!) Dinge in der niedersächsischen Provinz. Alles beginnt, als Menschen spurlos aus dem Dorf verschwinden. Mehr will ich nicht verraten, weil es dann umso schöner ist, dieses wunderbare Buch zu lesen!
Ich mag es, wie Humor, Tiefe, Makro-Beobachtungen und Magie in der Geschichte zusammenkommen. Manchmal las ich Passagen des Buchs mehrmals, weil sie so selbstverständlich absurd waren!
Ich liebe solche Stolper-Momente.
‚Draußen feiern die Leute‘ hat mich in meine ostwestfälische Provinz-Jugend zurückgebeamt und total inspiriert. Seit dem Lesen, habe ich mir fest vorgenommen: Mehr Stolper-Zeilen in die Songtexte einbauen!“
Die Brüder Jonas und Leonard Ottolien treten zusammen als Musiker auf.
„Ich habe es erst zur Hälfte gelesen, aber ‚Nation of Strangers‘ von Ece Temelkuran macht ganz viel mit mir. Es geht um Heimat und Vertriebensein, um Heimatlosigkeit. Manchmal muss ich beim Lesen trotzdem lachen, weil ich den Schmerz der Autorin so gut verstehe.
Ece Temelkuran schreibt Briefe an uns. Sie sagt, dass uns das Thema früher oder später alle betreffen wird, wir alle sind immer entfremdeter von der Welt, immer heimatloser. Es ist eine politische Lektüre, aber durch die Briefform leicht zu lesen.
Für mich bedeutet Niedersachsen Heimat – aber ich erlebe immer mehr Anfeindungen von rechts, erlebe, dass mir die Heimat genommen wird. ‚Nation of Strangers‘ ist ein wichtiges Buch, um über die Frage nachzudenken: Wo dürfen wir zu Hause sein?“
Denise M’Baye ist Schauspielerin und Sängerin.
„Nation of Strangers“ (Rowohlt, 256 Seiten). Ece Temelkuran liest daraus im Literarischen Salon, Schauspielerin Denise M’Baye wird bei der Veranstaltung die deutschen Übersetzungen lesen.