Bravissimo: Standing Ovations
für „Circus“ im GOP
Clown Edouardissimo und sein Team begeistern mit einer Show voller Tempo, Witz und Artistik

Wann kommt der große Knall?: Clown Eduardissimo kämpft mit einer Trompete. Die ist nicht seine einzigeHerausforderung andiesem Abend.Foto: Elena Richert

Man sieht es schon an seiner Statur: Dieser Mann braucht (fast) keine Worte. Wenn Edouard „Edouardissimo“ Neumann auf die Bühne tritt, dreht sich alles um ihn. Der kräftige Clown mit dem herrlich nach oben gezwirbelten, angemalten Schnurrbart ist der Mann, der alles verbindet. Mit seiner Art, seinen Gesten, seiner Komik, seiner Präsenz. Er ist Vollprofi: In Russland geboren, stand er schon im Alter von fünf Jahren als Clown mit seinem Vater auf der Bühne. Bekannt in Deutschland wurde er als Gründer der „KGB-Clowns“. Er ist zwar auch ein perfekter Alleinunterhalter, aber gerade in dieser Show fährt er im Zusammenspiel mit seinen Varieté-Kollegen zu Höchstform auf.

Und mit einem ganz besonders: Oleksii Bitkine, mit dem er immer wieder die Lachmuskeln vom Publikum herausfordert. So steht Bitkine, im Tütü mit dick weiß geschminkter Lippe, auf der Bühne und verweigert, ohne mit einer Wimper zu zucken, jede Mitarbeit, egal, was sich Eduardissmo einfallen lässt.

Bewundernswert, denn eigentlich ist Bitkine Chinese-Pole-Akrobat. Mit seiner Partnerin Tetiana Bitkine fliegt er nur so um die Stange, schwingt sich um sie, schraubt sich nach oben, rutscht bis Millimeter über dem Boden herunter.

Das Besondere an dieser Show: Alle Künstler spielen mit, tanzen zusammen, feiern gemeinsam die Auftritte ihrer Kollegen und unterstützen sich. Über allem thront Clown Eduadissmo wie ein Spielmacher und versucht, es zu richten.

Als Artistin eröffnet Kseniia Shytova die Show. Equilibristik gehört zu den traditionellen Zirkusdisziplinen, sie aber zeigt diese mit einer außergewöhnlichen Leichtigkeit. So steht sie auf langen Stangen im Handstand, drückt sich mit den Händen ab, um zwei andere Stangen zu greifen und dort weiter kopfüber ihre Figuren zu turnen.

Zum ersten Mal als Duo sind die Handstand-Akrobaten Andrii Nikolaienko und Mykyta Postnikov zu sehen. Eine fast tänzerische Darbietung zeigt Yuliana Kaban auf ihrem Einrad, mit dem sie dazu noch beweist, dass Seilspringen nun wirklich gar nicht schwer ist. In schneller Bewegung sind auch Oleksii Khrystolyubov und Liliia Mala auf ihren Rollschuhen. Olha Rezekina verzaubert mit ihren Hula-Hoops. Die Künstler kommen alle aus dem Zirkus-Theater „Bingo“ aus Kiew. Was bleibt, ist die pure Freude der Artisten, ihr Zusammenspiel und ihre Lust am großen Auftritt. Selten so viel Spaß gesehen.

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