Neue Üstra-Fahrkarte
Digitale Abrechnung per App: Preis orientiert sich nicht mehr an Tarifzonen und hat eine Höchstgrenze.

Bus und Bahn auf der Limmerstraße: „Wir wollen weitere Fahrgäste mit dem eTarif gewinnen.“Foto: Christian Behrens (Archiv)
Hannover. Mit dem digitalen Bezahlsystem „Üstra easy“ ersetzt der Üstra-Verkehrsverbund vom heutigen Dienstag an die drei Tarifzonen A, B und C in der Region Hannover durch einen einheitlichen eTarif: Fahrgäste zahlen künftig über die entsprechende App einen Grundpreis von 1,40 Euro sowie 24 Cent für jeden Kilometer – unabhängig davon, ob sie mit der Stadtbahn, dem Bus, Sprinti, der S-Bahn oder einem Regionalzug unterwegs sind.

Außerdem gilt ein Preisdeckel. Dieser liegt pro Einzelfahrt bei 5,70 Euro und entspricht den Kosten für eine Einzelkarte für alle drei Zonen. Für eine Tageskarte beträgt der maximale Preis 7,40 Euro. Das Ticket berechtigt zu Fahrten durch alle drei Zonen – und es kostet damit 4 Euro weniger als der Kauf eines gleichwertigen Tickets im Einzelverkauf. Wer den eTarif für einen Monat nutzt, zahlt höchstens 65 Euro. Zum Vergleich: Der Preis für Monatskarten liegt zwischen 58,20 und 138,30 Euro. Aber auch die Nutzung der bisherigen Fahrscheine bleibt möglich, falls jemand auf die App verzichten möchte.

„Aus Erfahrung wissen wir, dass das bisherige Tarifsystem mit den drei Zonen die Fahrgäste abschrecken kann“, sagt Projektleiter Ulf Mattern, zugleich Prokurist beim Verkehrsverbund. Diese Unsicherheit behebe die neue App mit dem Namen „Üstra easy“, die in den App-Stores zum Download zur Verfügung steht.

Nach der Anmeldung mit Namen, E-Mail-Adresse und Bezahloption kann man vor dem Einsteigen über die App die Fahrt beginnen. Auf dem Handydisplay erscheint ein Ticket samt QR-Code, das bei einer Fahrscheinkontrolle vorzuzeigen ist.

Während der Fahrt trackt die App den Fahrtverlauf, bis sich der Nutzer nicht mehr im Tempo von Bus, Bahn oder Zug bewegt. „Außerdem erkennt das System anhand von Haltestellen, ob der Nutzer noch im Streckennetz unterwegs ist“, ergänzt Verbund-Geschäftsführerin Katharina Emde-Lachmund. Sobald sich Geschwindigkeit und Route verändern, checkt das System den Fahrgast aus – fragt aber auch noch einmal nach, sodass Reisende die Option auch verneinen und ihre Fahrt fortsetzen können.

Diese Funktion, sagt Mattern, bekomme beim Umstieg zwischen Bus und Stadtbahn oder Sprinti und Regionalzug eine besondere Bedeutung. Wer auf seinen Anschluss warte, müsse keinen Check-out mit der Folge befürchten, dass er sich für die neue Fahrt anmelden und ein zweites Mal den Grundpreis zahlen müsse. Wenige Minuten nach dem Check-out erhalten die Fahrgäste eine Bestätigung über die App, die auch den gezahlten Preis ausweist.

Emde-Lachmund und Mattern sehen Bedarf für den eTarif, weil gut die Hälfte der Menschen in der Region Hannover – trotz Deutschlandticket und Monatskarten – mit einem Einzel- oder Tagesfahrschein im ÖPNV unterwegs ist. Das entspricht mehr als 20 Millionen Fahrten pro Jahr und etwa einem Viertel aller Einnahmen, pro Jahr gut 52 Millionen Euro.

Die Projektverantwortlichen gehen angesichts der geringeren Preise, unter anderem beim Tagestarif, zunächst von weniger Einnahmen aus. „Da wir aber weitere Fahrgäste mit dem eTarif gewinnen wollen, sollte sich diese Delle wieder ausgleichen“, sagt Mattern.

„Das System testen wir bereits seit Wochen mit ausgewählten Personen, um Erfahrungen zu sammeln“, sagt Mattern. Dazu gehörten neben der Anmeldung auch Prüfungen, ob die App tatsächlich Start und Ziel erkennt, die Kosten kilometergenau berechnet werden und die technischen Voraussetzungen an den Stationen funktionieren.

Mit dem Projekt übernehme der Üstra-Verkehrsverbund bundesweit eine Vorreiterrolle, sagt Emde-Lachmund. Zwar nutzten andere Verkehrsverbünde bereits die Start-Ziel-Abrechnung und lösten die Tarifzonen damit ab. Doch erstmals integriert ein Verbund mit dem Sprinti ein On-Demand-Angebot, also ein öffentliches Ruftaxi. Deshalb beteiligen sich sowohl der Bund als auch die Europäische Union mit Förderprogrammen an den Kosten im mittleren sechsstelligen Bereich.

Ob sich diese Kosten kurzfristig amortisieren, steht für die Projektpartner nicht zwingend im Vordergrund: „Uns geht es darum, möglichst viele Menschen zum Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr zu motivieren“, sagt Mattern und sieht in der App mit dem eTarif einen weiteren Baustein. Allerdings gilt auch: Regelmäßige Üstra-Nutzer besitzen im besten Fall vier Apps auf den Handys. Neben der Üstra-App gibt es zudem eine für den Sprinti, das Sprint-Rad und nun auch „Üstra easy“.

„Mittelfristig ist das Ziel, alles in einer App zu bündeln“, sagt Emde-Lachmund. Daran werde bereits gearbeitet, aber wie schnell sich dieses Vorhaben realisieren lasse, könne sie nicht konkret sagen. Deshalb plant der Verbund zunächst eine einheitliche Anmeldung für alle Apps, sodass sich Fahrgäste nur einmal mit ihren persönlichen Daten registrieren müssen.

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