Die Installation trägt den Titel „CRASH PIPE (2026)“ und ist alles andere als eine gewöhnliche Skateanlage. Die Konstruktion besteht aus rund acht Tonnen Metall und wird von ausrangierten Autos getragen, auf die sich Titel der Arbeit bezieht. Das Ergebnis erinnert an ein überdimensioniertes Bühnenbild – allerdings nicht in einem Theater, sondern mitten in der Stadt.
Holzinger, die international für ihre radikalen und körperbetonten Bühnenarbeiten bekannt ist, greift damit ein Motiv aus ihrer eigenen künstlerischen Praxis auf. Skaten spielt in ihren Inszenierungen immer wieder eine Rolle. Nun wird die Bewegung selbst Teil einer Kunstinstallation im öffentlichen Raum.
Die Halfpipe ist bewusst als „Instrument“ gedacht – als ein Objekt, das erst durch Nutzung lebendig wird. Während Kunst im Stadtraum häufig als statisch wahrgenommen wird, setzt dieses Projekt auf Dynamik. Skaterinnen und Skater sollen die Anlage tatsächlich befahren können. Durch Bewegung entsteht so eine ständig wechselnde Szene aus Sport, Begegnung und Beobachtung.
Geplant ist eine zweistufige Präsentation. Zunächst wird die Halfpipe in der Sophienstraße aufgebaut, direkt vor dem Kunstverein Hannover. Dafür soll der Straßenabschnitt zeitweise für den Verkehr gesperrt werden. Die Installation bildet dort eine Brücke zwischen Ausstellung und Stadt: Der Kunstverein erweitert seine kommende Frühjahrsausstellung „Under the Milky Way“ damit buchstäblich auf die Straße.
Die Ausstellung beschäftigt sich mit Fragen nach Urbanität und dem „Recht auf Stadt“ – also danach, wie öffentlicher Raum genutzt und gestaltet werden kann. Genau hier setzt die Halfpipe an. Sie macht aus einem Ort des Durchgangs für einige Zeit einen Ort der Aktivität.
Später soll die Installation an einen zweiten, deutlich größeren Schauplatz umziehen: den Raschplatz. Auch dieser Ort gilt vor allem als Verkehrs- und Durchgangsraum zwischen Hauptbahnhof, Innenstadt und Passerelle. Mit dem Projekt soll er zeitweise eine neue Rolle erhalten – als Treffpunkt, Aktionsfläche und Experimentierfeld für Kunst im Alltag der Stadt.
Dort wird die Halfpipe durch ein weiteres Projekt ergänzt. Auf rund 4.000 Quadratmetern soll ein großflächiges Bodenkunstwerk entstehen. Ein internationales Team von Künstlerinnen und Künstlern entwickelt das Motiv gemeinsam mit der Initiative Hola Utopia. Geplant ist ein Beteiligungsprojekt, bei dem auch Menschen, die den Platz täglich nutzen, selbst mitgestalten können.
Die Idee dahinter: Der Platz wird nicht nur neu gestaltet, sondern gemeinsam erarbeitet. Wer vor Ort ist, kann sich einbringen, mitmalen und das Erscheinungsbild des Platzes aktiv mitprägen. So entsteht ein Kunstwerk, das nicht nur betrachtet, sondern gemeinsam geschaffen wird.Für Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay steckt darin ein wichtiger Ansatz für die Entwicklung des Raschplatzes: „Wir investieren hier in die Qualität des öffentlichen Raumes und wollen den Raschplatz vom Durchgangsort zu einem Platz entwickeln, der dazu einlädt, zu verweilen. Dabei binden wir auch die Menschen ein, die den Platz täglich nutzen.“
Auch kulturell gilt das Projekt als besonderer Coup. Florentina Holzinger zählt zu den einflussreichsten Theatermacherinnen Europas. Ihre Arbeiten verbinden Performance, Körperkunst und gesellschaftliche Themen auf ungewöhnliche Weise. Dass sie nun eine Arbeit speziell für den öffentlichen Raum Hannovers entwickelt, wird in der Kulturszene als bemerkenswertes Signal gewertet.
Während der Laufzeit der Installation soll auch die lokale Skaterszene aktiv eingebunden werden. Sie kann die Anlage nutzen und den Ort mit Leben füllen. Gleichzeitig bleibt der Platz flexibel: Die Gestaltung ist so angelegt, dass parallel auch andere Veranstaltungen stattfinden könnten.
Initiiert wurde das Projekt vom Kunstverein Hannover, unterstützt von der Sparkasse Hannover und der Landeshauptstadt. Entwickelt wurde die Halfpipe gemeinsam mit dem Architekturbüro raumlaborberlin. Eine frühere Version der Konstruktion war bereits in Berlin zu sehen und wurde für Hannover neu konzipiert.
Wenn alles nach Plan läuft, entsteht damit in der Innenstadt ein ungewöhnliches Experiment: Kunst, die nicht nur betrachtet wird, sondern fährt, rollt, bremst und wieder ansetzt – mitten im Alltag der Stadt.