Von Hannover
nach Venedig
Die neue Direktorin Eva Birkenstock hat
die Kestner Gesellschaft erfolgreich umstrukturiert –
die Einzelschau der Künstlerin Cauleen Smith ist noch bis zum 22. März zu sehen

Richard Hawkins:„Soft yet Weirdly Ways“, 2020Courtesy of the artist; GalerieBuchholz, Köln/Berlin/New York; und Greene Naftali, New York
Hannover. Die neue Direktorin Eva Birkenstock will die Kestner Gesellschaft Hannover nach einer schwierigen Umbruchsphase wieder in vollem Glanz erstrahlen lassen. Sie präsentiert in diesem Jahr viele Künstler, die gerade auch andersorts gefragt sind. Was ist in dem Haus geplant?

Die Kestner Gesellschaft ist wieder da. Nicht, dass das traditionsreiche Ausstellungshaus je weg gewesen wäre. Aber nach dem turbulenten Abgang des vorigen Direktors Adam Budak und einer fast zweijährigen Interimszeit ist die neue Hausherrin Eva Birkenstock erkennbar bemüht, die Kestner Gesellschaft wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

Nach ungewöhnlich vielen Abgängen muss das Team neu aufgestellt, die Finanzierung auf sichere Füße gestellt und das Haus im Zusammenspiel mit den anderen Kunstinstitutionen der Stadt wieder klar positioniert werden. Die Kestner Gesellschaft, sagt Birkenstock, soll bald wieder „in vollem Glanz erstrahlen“. Die neue Direktorin, die seit dem letzten Sommer im Amt ist, hat sich schnell und beherzt der strukturellen Aufgaben angenommen und bekommt nun Rückenwind auch vom Erfolg der ersten von ihr kuratierten Ausstellung an dem Haus.

Gerade hat die Kunstbiennale in Venedig bekannt gegeben, dass die US-Amerikanerin Cauleen Smith in diesem Jahr zum Hauptprogramm der wohl wichtigsten internationalen Schau für zeitgenössische Kunst gehört. Wer wissen will, was die Besucher dort erwartet, kann noch bis zum 22. März in der Kestner Gesellschaft „The Volcano Manifesto“ sehen, die erste umfassende deutsche Einzelschau der 58-jährigen Künstlerin.

Birkenstock möchte der Kestner Gesellschaft mit Werkschauen von bereits etablierten Künstlerinnen und Künstlern wie Cauleen Smith wieder stärker den Charakter einer Kunsthalle geben.

Die erste von den insgesamt drei neuen Ausstellungen in diesem Jahr ist daher ab 24. April allein dem Werk von Richard Hawkins gewidmet. Der US-Amerikaner ist für Birkenstock „einer der interessantesten Maler der Gegenwart“. In Hannover werden mehr als 100 Gemälde, Collagen, Skulpturen und Videos von Hawkins gezeigt, die in den vergangenen drei Jahrzehnten entstanden sind und den erweiterten Malereiansatz des Künstlers erfahrbar machen sollen.

Zum Ende der Saison kommt ein weiterer bekannter Künstler nach Hannover: Der japanisch-amerikanische Performancekünstler Ei Arakawa-Nash wird ab Dezember unter anderem eine raumgreifende Installation zeigen, die von den Besucherinnen und Besuchern zeichnerisch mitgestaltet werden kann. Außerdem zeigt er eine angepasste Version einer Arbeit, die den Künstler im Frühjahr ebenfalls nach Venedig führt: Arakawa-Nash wird damit zunächst den japanischen Pavillon der Biennale bespielen. Die Kestner Gesellschaft ist dabei offizieller Kooperationspartner – zusammen mit zwei Museen aus New York und Los Angeles.

Von Ende August bis November gehört die Kestner Gesellschaft zwei jüngeren Kunstschaffende, die gerade vielerorts gefragt sind: Karimah Ashadu lebt und arbeitet in Hamburg und Nigeria und wurde vor zwei Jahren in Venedig mit dem Silbernen Löwen als vielversprechendste junge Teilnehmerin ausgezeichnet. In Hannover ist die erste umfangreichere Einzelschau von Ashadu zu sehen. Präsentiert wird unter anderem ein neuer Film, der von einer Autowaschanlage in Lagos aus Fragen zu Männlichkeit und Migration, zur knappen Ressource Wasser und zur postkolonialen Gegenwart aufwirft.

Gleichzeitig zeigt der Koreaner Min Yoon zwei für die Räume der Kestner Gesellschaft entwickelte Installationen. Und im Café des Hauses werden seine Bilder präsentiert, die sich mit Kinderbüchern beschäftigen, die in Südkorea und den USA der Zensur unterworfen wurden.

Spätestens bis dahin soll das Café, das seit Längerem nicht in Betrieb ist, wieder ein Café sein und Speisen und Getränke im Angebot haben. Auch das gehört für Birkenstock zum aufgefrischten Glanz der Kestner Gesellschaft.



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