Das Haus der Geschichte(n)

Das Schauspiel Hannover zeigt „Heimsuchung“ nach dem Roman von Jenny Erpenbeck.Foto: Jörg Brüggemann, Ostkreuz
Hannover. Die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt sich in einem Haus in Brandenburg: Mit der Bühnenfassung von „Heimsuchung“ bringt das Schauspiel Hannover den viel beachteten Roman der Schriftstellerin Jenny Erpenbeck auf die Bühne. Die Inszenierung von Adrian Figueroa ist am Dienstag, 17. März, von 19.30 bis 21.10 Uhr im Schauspielhaus an der Prinzenstraße 9 zu sehen.

Erpenbecks Roman entwirft ein Panorama aus mehr als einem Jahrhundert deutscher Zeitgeschichte. Mittelpunkt ist ein Haus, dessen Bewohnerinnen und Bewohner im Laufe der Jahrzehnte wechseln. Insgesamt 15 Lebensgeschichten lagern sich an diesem Ort übereinander. Ihre Wege kreuzen sich, spiegeln einander oder brechen abrupt ab. Von der Zeit des Kaiserreichs über die Weimarer Republik und die nationalsozialistische Herrschaft bis in die DDR und die Jahre nach der deutschen Einheit wird sichtbar, wie politische Systeme und gesellschaftliche Umbrüche in individuelle Biografien eingreifen.

Die Menschen, die in dem Haus leben, erscheinen dabei zugleich als Handelnde und als Leidtragende der jeweiligen Epoche. Machtwechsel, Vertreibung und Neuanfang prägen ihre Lebenswege. Immer wieder wird deutlich, dass Veränderungen in Staat und Gesellschaft auch Verdrängung und Besitzwechsel bedeuten. Die Suche nach einem Ort der Zugehörigkeit verbindet die unterschiedlichen Figuren – doch Stabilität bleibt meist nur vorübergehend. Wenn sich die historischen Verhältnisse verschieben, werden aus Angekommenen erneut Vertriebene.

Regisseur Adrian Figueroa arbeitet sowohl für Theater als auch für Film. Nach seinem Studium des Angewandten Theaters in London inszenierte er unter anderem am Staatsschauspiel Dresden sowie am Düsseldorfer Schauspielhaus. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine dichte Atmosphäre und eine präzise Arbeit mit den Darstellerinnen und Darstellern aus. Aufmerksamkeit erregte er etwa mit seiner Bühnenfassung von „Arbeit und Struktur“, in der er Leben und Schreiben des Autors Wolfgang Herrndorf mit einem Zusammenspiel aus Video, Licht und Bühne erfahrbar machte. Auch seine Inszenierung von „Draußen vor der Tür“ wurde zu dem Festival „Radikal jung“ eingeladen.

Für die Aufführung im Schauspielhaus Hannover sind Karten regulär für 17,50 bis 56,50 Euro erhältlich. Ermäßigte Tickets beginnen bei 5 Euro. RED

staatstheater-hannover.de

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