Kampagne für mehr Respekt
Mit Plakaten und Videos startet die Üstra eine öffentliche Kampagne –
und reagiert auf zunehmende Zahl tätlicher und verbaler Übergriffe in Bussen und Bahnen

Hannover. „Respekt beginnt bei dir“: So lauten die Schlagworte einer neuen Kampagne der Üstra, mit der das Unternehmen ab Montag, 2. März, in Bussen und Bahnen, an Haltestellen und an öffentlichen Plätzen für mehr Rücksichtnahme bei den Fahrgästen wirbt. Sechs Motive zeigen Beschäftigte des Unternehmens in unterschiedlichen Situationen, die täglich an vielen Stellen im Stadtgebiet Hannovers und in den Umlandkommunen für Frust sorgen.

Dazu gehören zu laute Musik der Mitreisenden, abfällige Kommentare, blockierte Plätze für Eltern mit Kinderwagen, unfreundliche Fahrgäste sowie verbale und körperliche Übergriffe. „Wir wollen den Menschen nicht den erhobenen Zeigefinger zeigen“, beschreibt Üstra-Vorständin Denise Hain das Konzept der Kampagne. Stattdessen sollen bewusst positive Signale ausgesandt werden. Jedes Motiv enthalte eine markante Botschaft, die mit einem plakativen „Danke“ verbunden ist und den Betrachter ansprechen soll.

Hain steht für den Slogan „Danke, dass du dir deine Sprüche sparst“, der übergriffiges Verhalten thematisiert, insbesondere Catcalling, also die verbale und nonverbale sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum. „Je mehr Menschen das Thema kennen und als Problem wahrnehmen, desto unangenehmer wird es den Tätern, sodass sie es hoffentlich ganz unterlassen“, sagt Lisanne Richter, Aktivistin und Gründerin von „catcallsofhannover“. Mit den Aktivistinnen plant die Üstra am 7. März eine gemeinsame Ankreideaktion an Stadtbahnstationen wie Markthalle, Altenbekener Damm und Lister Platz.

Ohnehin sollen nicht nur die mit Folien beklebten Busse und Bahnen, digitale Ausstrahlungen über das Fahrgast-Fernsehen, Plakate an Litfaßsäulen oder City-Cards in den Restaurants dafür sorgen, dass die Menschen in und um Hannover sensibilisiert werden. Zur Kampagne, die voraussichtlich zehn Wochen laufen wird, gehören auch begleitende Aktionen beim ADAC-Marathon oder der „Respekt-Moment der Woche“ mit Radio 21. „Uns geht es darum, Aufmerksamkeit herzustellen und zum Nachdenken anzuregen“, sagt die Vorständin.

Eine messbare Änderung im Verhalten der Fahrgäste lasse sich wahrscheinlich nicht ermitteln. Aber: Das Unternehmen hoffe auf eine Sensibilisierung. „Wir merken sehr deutlich, dass sich der Umgangston verschärft“, sagt Hain, bei der Üstra für das Personal verantwortlich. Diese Entwicklung schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Allein im vergangenen Jahr registrierte die Üstra 51 tätliche und 81 verbale Übergriffe. Regiobus verzeichnete je neun Fälle von Körperverletzung und Bedrohung sowie 41 Fälle von Beleidigung, Beschimpfung und Verunglimpfung – 34 mehr als 2024.

Deshalb sei es wichtig, dass sich Beschäftigte, die schwierige Situationen aus dem eigenen Erleben kennen, für die Motive haben fotografieren lassen, sagt Hain. Denn die Kampagne solle nicht nur die Aufmerksamkeit der Fahrgäste wecken, sondern auch intern den Mitarbeitenden signalisieren, dass die Üstra die gesellschaftliche Veränderung wahrnehme. „Wir sehen, was unsere Kolleginnen und Kollegen jeden Tag aushalten“, sagt die Vorständin. Zwar ließen sich bestimmte Vorfälle nicht mit einer Kampagne verhindern, aber sie ermögliche zumindest einen Diskurs.

Etwa 130.000 Euro investiert die Üstra in die Aktion mit digitalen und analogen Elementen. Eine Fortsetzung ist bislang nicht geplant. Gleichwohl betont Hain, die Themen Respekt und Rücksichtnahme beschäftigten das Unternehmen und die Beschäftigten fortlaufend. Sie ermutigt daher die Fahrgäste, aktiv in kritischen Situationen das Fahrpersonal in den Bussen und in den Bahnen, dort über Sprechtasten, zu kontaktieren.

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