„Hier wird etwas richtig Gutes entstehen“, versprach Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne). Der Steintorplatz werde eine neue Aufenthaltsqualität bekommen, die dieser bisher nicht habe. Ein „echtes Highlight“ werde vor allem die 30 Meter hohe Stele, die mitten auf dem Platz aufgestellt werden soll. Sie soll das Areal – abhängig von der Tages- und Jahreszeit – mit unterschiedlichen Lichtprojektionen in Szene setzen. Geplant sind außerdem tribünenartige Sitzgelegenheiten an den Rändern des Platzes, mehr Grün, Wasserspiele mit 42 Fontänen, Turngeräte sowie ein Spielplatz und eine Anlage für Skater.
Zudem soll die neue Gestaltung die Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr reduzieren. Aus der Langen Laube kommend sollen Radfahrerinnen und Radfahrer auf der Südseite um den Steintorplatz herumgeführt werden. Markierungen und Pflaster sollen die Trennung der Verkehrsströme deutlich machen.
Den ersten Spatenstich für das Projekt setzten Oberbürgermeister Onay, Baudezernent Thomas Vielhaber (SPD) und Architekt Stefan Grieger allerdings ein gutes Stück vom eigentlichen Steintorplatz entfernt. Denn die Arbeiten starten an der Kurve südlich vom Bratwurst Glöckle. Von dort soll der erste Bauabschnitt Richtung Münzstraße fortgeführt werden. Die Stadt geht davon aus, dass dieser bis zum Spätherbst 2026 abgeschlossen sein wird. Weitergehen soll der Umbau anschließend am Nordende des Platzes und sich von dort Schritt für Schritt Richtung Platzmitte fortsetzen. Insgesamt rechnet die Stadt mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren. Ende 2027 oder Anfang 2028 soll der neue Steintorplatz fertig sein. Bis dahin wird es immer wieder Sperrungen von Flächen auf oder am Steintorplatz geben. Die Kosten für den Umbau kalkuliert die Stadt mit rund 7,5 Millionen Euro.Ein Projekt, das einen langen Vorlauf hatte. Ursprünglich wollte die Stadt – damals noch unter der Regie von Baudezernent Uwe Bodemann – zwei große Gebäude auf dem Steintorplatz errichten. Dagegen gab es heftigen Widerstand aus der Bevölkerung. Die Verwaltung führte daraufhin eine umfangreiche Bürgerbeteiligung zur Zukunft des Steintors durch, die 2019 ihr Ende fand. 2020 entschied das Landschaftsarchitekturbüro Grieger Harzer aus Berlin den Wettbewerb für die Gestaltung des Platzes für sich.
Dass seitdem fast sechs Jahre bis zum ersten Spatenstich vergingen, begründete Baudezernent Vielhaber mit dem komplizierten Baufeld. „Schon die statische Verankerung der Stele war nicht einfach, weil wir die U-Bahn darunter berücksichtigen mussten“, erklärte er. Architekt Grieger berichtete zudem von vielen Leitungen und Kanälen im Untergrund, die ebenfalls bei den Planungen beachtet werden mussten.
Aufwendig sei auch die Planung der Entwässerung des Platzes gewesen. Denn das Ziel sei, möglichst viel Wasser direkt vor Ort im Boden zu versickern und dieses nicht wie bisher direkt in die städtischen Kanäle zu leiten. Das soll auch den Bäumen und Pflanzen am Steintor guttun. Weitere Verzögerungen entstanden durch Änderungswünsche der Politik, die unter anderem auf eine klarere Trennung von Rad- und Fußverkehr gepocht hatte. Zuletzt spielte dann auch das Wetter nicht mit, wodurch sich der Baustart erneut verschob.Geht es nach Oberbürgermeister Onay, soll die Umgestaltung des Steintorplatzes jedoch nur ein Baustein eines größeren Umbaus der City sein. Deutliche Veränderungen werde es auch in der Schillerstraße, am Opernplatz und in der Karmarschstraße geben, die ebenfalls ein neues Gesicht bekommen sollen. Der Spatenstich am Steintor sei „ein guter Start für die Innenstadt“.Die Umgestaltung soll den Bereich des Steintors allerdings deutlich darüber hinaus verändern. „Wir setzen darauf, dass die öffentlichen Investitionen auch zu privaten Investitionen im Umfeld führen werden“, erklärte Baudezernent Thomas Vielhaber (SPD) beim ersten Spatenstich Rund 7,5 Millionen Euro lässt sich die Stadt den Umbau kosten. Wenn es gut läuft, könntenzu den 7,5 Millionen Euro, die die Stadt investiert, noch deutlich höhere private Investitionen am Steintor dazukommen.
Als Vorbild taugt der Klagesmarkt. Den wenig attraktiven Parkplatz baute die Stadt zu einem von Bäumen gesäumten Boulevard um. In zwei Bauabschnitten entstanden eine neue Zentrale für die städtische Wohnungsgesellschaft Hanova sowie Wohnungen und Geschäfte. Doch auch rund um den Klagesmarkt herum setzten rege Bautätigkeiten ein.
Hauseigentümer renovierten ihre Immobilien. Die Baum-Gruppe errichtete an der Ecke zur Arndtstraße ein NH-Hotel. In der Nikolaistraße baute Gundlach ein Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen. Die Hanova wiederum sanierte die Immobilie Klagesmarkt 17 mit einem Netto-Markt im Erdgeschoss sowie fast 100 Mikroapartments.
So soll es auch am Steintor laufen. Eigentlich sollte schon längst der Bau eines Hotels auf der Südseite des Platzes starten, wo früher eine Spielhalle stand. Verantwortlich für das Projekt ist die Braunschweiger Volksbank-Tochter Brawo-Re. Sie passte zwischenzeitlich die Planungen an, stockte den Entwurf für das Gebäude von zehn auf elf Geschosse auf.
Trotz der Verzögerungen und einer schwierigen Marktlage zeigt sich Baudezernent Vielhaber optimistisch. „Da hat es Gespräche gegeben. Wir gehen weiterhin davon aus, dass das kommen wird“, sagte er dieser Redaktion.
Weniger Hoffnung hat er mit Blick auf die an der Nordostseite des Steintorplatzes gelegenen schmucklosen Flachdachbauten. Der Gebäudekomplex an der Nordmannpassage gehört einer Vielzahl verschiedener Eigentümer, die sich bisher offenbar nicht auf einen Umbau der Immobilien einigen konnten. Das mache eine Entwicklung schwierig, räumte Vielhaber ein.