Wie einst „Vater und Sohn“
Comic: Katharina Greves Geschichten über „Mutter und Tochter“

Katharina Greve, Autorinvon "Meine Geschichten von Mutter und Tochter".Foto: Matthias Zuber
Hannover. Die Tochter guckt Waschmaschine, schaut der Wäsche zu, bunt und rundherum sich drehend. Die Mutter kommt mit einem Ball, mit einer Puppe, mit Inlineskates. Die Tochter guckt weiter. Die Mutter zögert, ist ratlos und setzt sich schließlich dazu. Hauptsache, gemeinsame Zeit – und ein Running Gag in „Meine Geschichten von Mutter und Tochter“ der Berliner Comickünstlerin Katharina Greve.

Greve ist eine Zeichnerin und Autorin, die ihre Kunstform und deren Themen gerne neudenkt. Mit ihrem vertikalen Webcomic „Das Hochhaus“ schuf sie Etage für Etage ein urbanes Sittenbild. Antoine de Saint-Exupérys „kleinem Prinzen“ stellte sie in feministischer Zuneigung eine Cousine, „Die dicke Prinzessin Petronia“, gegenüber. Ihr Comicroman „Patchwork – Frau Doktor Waldbeck näht sich eine Familie“ ist eine selbstermächtigte Variation der Frankenstein-Geschichte.

Nun also die Geschichten von „Mutter und Tochter“ nach dem deutschen Comic-Klassiker „Vater und Sohn“ von Erich Ohser (1903–1944). Der politische Karikaturist und langjährige Illustrator von Erich Kästner hatte, obwohl entschiedener Gegner der Nazis, im Auftrag des Regimes zwischen 1934 und 1937 Bildgeschichten um diese besondere Eltern-Kind-Beziehung geschaffen, unter dem Pseudonym e.o.plauen, wortlos, heiter und ausdrücklich unpolitisch.

Greve übernimmt in ihren Ein- bis Mehrseitern den klaren Strich Ohsers. Wie er, erzählt sie ausschließlich über ihre Bildsprache. Die Beziehung ihrer Mutter zu deren Tochter ist genauso innig und verspielt wie im Klassiker. Aber die Themen sind andere: Da machen die beiden einen Ausflug zum Elektrofachhändler, um zumindest televisionär den Strand zu genießen. Die Mutter erzieht ihre Tochter zur Wehrhaftigkeit gegenüber Jungs und übermalt mit ihr Hakenkreuz-Graffiti.

Ohser wurde sein Antifaschismus zum Verhängnis. Er wurde denunziert und verhaftet. In der Nacht vor dem Prozessbeginn nahm er sich das Leben, am 6. April 1944. Sein Werk hat überdauert – und nicht zuletzt in den Bildern Greves auch seine politische Haltung.

Katharina Greve:
„Meine Geschichten von Mutter und Tochter“. Avant-Verlag, 104 Seiten, 22 Euro.

Das Wilhelm-Busch-Museum zeigt Arbeiten von Katharina Greve unter dem Titel „Regeln sind zum Brechen da!“.

Zu sehen sind die Werke in den sogenannten Gästezimmern.



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