Blütenteppiche mit Fernwirkung:
Was Alpenveilchen so attraktiv macht
Schon der Gedanke an Alpenveilchen lässt Sie vielleicht die Stirn runzeln. Schließlich werden sie zuweilen als altmodisch
belächelt und gelten als kurzlebige „Wegwerfpflanze“. Dabei ist diese Gattung vielseitig und kann je nach Art jahrelang Freude machen.

Rosa oder weiß: Wer kein leuchtendes Pink im Garten mag, sollte die Alpenveilchen-Sorte "Album" wählen.DL ROSSITER

So viel Ehrlichkeit muss sein: Auch die Autorin dieser Zeilen konnte Alpenveilchen bis vor einigen Jahren nichts abgewinnen und freute sich nur bedingt über jene Exemplare, die sie zumeist kurz vor Weihnachten als gut gemeintes „Mitbringsel“ geschenkt bekam. Schließlich gingen ihr diese zumeist in Rot oder Rosa blühenden Topfpflanzen zuverlässig – oft noch vor Ostern – ein.

Mit Ansage, denn das Zimmer-Alpenveilchen (Cyclamen persicum) trägt einen irreführenden deutschen Namen. Wird der Raum auf die hierzulande üblichen 20 Grad und mehr beheizt, ist es zu warm für diese ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum stammende Art. Ein Gewächshaus oder Wintergarten mit Temperaturen von rund 15 Grad steigern die Chancen für gutes Gedeihen. Wer das nicht bieten kann, verschenkt das sogenannte Zimmer-Alpenveilchen am besten weiter, solange es noch vital ist und gibt es in die Hände von Mitmenschen, die das Glück haben, ein kühles, aber frostfreies Glashaus zu besitzen.

Für alle anderen bietet die rund 22 Arten umfassende Gattung der Alpenveilchen eine Alternative, die derzeit besonders attraktiv ist: Das Vorfrühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum) blüht seinem Namen entsprechend als Grenzgänger zwischen Winter und Frühling und ist völlig frosthart. Meist öffnet es seine an kleine Schmetterlinge erinnernden Blüten kurz nach den Schneeglöckchen und lässt sich auch gut mit diesen kombinieren.

Die meist in diversen Rosatönen aufgeblühten Pflanzen kommen neben den vergleichsweise dezenten Schneeglöckchen bestens zur Geltung. Selbst wer leuchtendem Pink wenig abgewinnen kann, dürfte sich im Februar und März, wenn der Garten sich noch in gedeckten Braun- und Grautönen präsentiert, über diese Blütenteppiche mit Fernwirkung freuen. Wer subtilere Töne mag, kann auch beim Vorfrühlings-Alpenveilchen auf die weiße Sorte „Album“ zurückgreifen. Schneeglöckchen passen nicht nur optisch zu dieser Art, sondern ergänzen sich auch in ihren Ansprüchen: Beide bevorzugen Standorte unterhalb von sommergrünen Laubgehölzen, die im Winter und Frühjahr genug Licht passieren lassen. Durch den Blattfall im Herbst reichert sich der Boden dort automatisch mit Humus und den zum Gedeihen nötigen Nährstoffen an.

Zu Füßen von Bäumen oder Sträuchern gepflanzt, verlangen Freiland-Alpenveilchen wenig Aufmerksamkeit und vermehren sich am richtigen Standort von selbst: Ihre süßlich schmeckenden Samen sind ein Leckerbissen für Ameisen und werden von diesen verteilt. Da die winzigen Sämlinge beim Harken der Erde versehentlich gejätet würden und diese Pflanzen ohnehin möglichst selten gestört werden sollten, dürfen Sie diese kleinen Schönheiten getrost sich selbst überlassen.

Deutlich mühsamer als die Pflege kann die Suche nach Vorfrühlings-Alpenveilchen sein. Anders als das Zimmer-Alpenveilchen wird es nur selten angeboten. In gut sortierten Staudengärtnereien ist es unter seinem botanischen Namen Cyclamen coum zu finden. Einige Gärtnereien verschicken es oder bieten ihre Schützlinge auf Pflanzenmärkten an.

Auch Schneeglöckchen-Messen sind eine gute Quelle, um sich mit einer Auswahl einzudecken, da viele Spezialgärtnereien nicht nur Schneeglöckchen, sondern auch diese zeitgleich blühenden Begleitpflanzen im Sortiment haben. Auf Märkten oder vor Ort in der Gärtnerei lässt sich das Vorfrühlings-Alpenveilchen derzeit samt Blüte begutachten und nach Geschmack auswählen. Im Zweifel sollten es ruhig ein paar mehr sein, denn die rund 15 Zentimeter hohen Winzlinge erzielen nur als Gruppe die gewünschte Fernwirkung und bilden mit der erwähnten Unterstützung durch Ameisen erst mit der Zeit dichte Blütenteppiche.

Sobald sich der Boden leicht erwärmt hat und bearbeiten lässt, können Sie die Alpenveilchen in den Garten setzen. Alternativ zum Beet wachsen sie auch in Schalen und anderen Gefäßen. Auch hier wären Schneeglöckchen gut geeignete Partner. Da beide Arten frosthart sind, kann eine solche Deko ungeachtet der jeweils angekündigten Minusgrade draußen auf Balkon und Terrasse bleiben.

Nach der Blüte, die je nach Region und Wetterverhältnissen meist im April zu Ende geht, ziehen sich die Vorfrühlings-Alpenveilchen zurück. Sobald Storchschnabel, Pfingstrosen und andere Stauden den Garten ab Mai wieder mit üppiger Blütenfülle und frischem Grün überziehen, scheinen die Alpenveilchen verschwunden zu sein. Ihre flachen Knollen, die nur wenige Zentimeter unter der Erde liegen, sind jedoch schon für den Neustart bereit.

Im Herbst, wenn man sie schon längst wieder vergessen hat, bilden die Vorfrühlings-Alpenveilchen kleine, nierenförmige Blätter und tragen diese den ganzen Winter über. Bis ihre eigenen Blüten diesem Grün im Vorfrühling die Show stehlen und als kleine Schmetterlinge über dem Boden zu schweben scheinen.



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