Der Radfahrerclub ADFC hatte deshalb deutliche Kritik geäußert und einen schnelleren Ausbau der Infrastruktur für den Radverkehr gefordert. Im zweiten Halbjahr 2025 verzeichnete die Stadt jedoch an ihren Zählstellen ein spürbares Plus, sodass die Jahresbilanz unter dem Strich deutlich positiv ausfiel.
Zwar sind die Bilanzen der Zählstellen zu wackelig, um statistisch belastbare Aussagen zur Entwicklung des Radverkehrs in Hannover zu treffen. Vor allem das Wetter wirkt sich klar erkennbar auf diese Zahlen aus. Sie geben allerdings wichtige Hinweise. Zumal bereits die 2025 veröffentlichten Daten der großen Studie „Mobilität in Deutschland“ verdeutlicht haben, dass der Radverkehr wächst.
Aus diesen ging hervor, dass der Anteil des Radverkehrs an den zurückgelegten Wegen in Hannover zwischen 2017 und 2024 um 4 Prozentpunkte von 19 auf 23 Prozent zugenommen hat. Das entspricht einem Plus von immerhin 21 Prozent. Im selben Zeitraum sank der Anteil des Autoverkehrs an den zurückgelegten Wegen um 5 Prozentpunkte – von 36 auf 31 Prozent. Das entspricht einem Minus von 14 Prozent.
Zwar dauern viele Projekte für den Radverkehr in Hannover tatsächlich sehr lange, von der Planung über den Beschluss der Politik bis zur Fertigstellung vergehen oft Jahre. Die bereits umgesetzten Vorhaben scheinen aber einen Effekt auf den Radverkehr zu haben. Zuwächse im Radverkehr verspricht sich die Stadt vor allem durch den Bau von Velorouten, die breiter und komfortabler als übliche Radwege sind.
Mit der Strecke nach Anderten ist die erste Veloroute zwar erst seit 2024 auf ganzer Länge in Betrieb. Größere Abschnitte können jedoch schon deutlich länger genutzt werden. Das gilt auch für die Veloroute nach Laatzen, für die die Stadt unter anderem den Radweg am Maschsee-Ostufer deutlich verbreitert hat.
Auch abseits der Velorouten hat sich etwas getan. Massiv ausgebaut hat die Stadt schon vor einigen Jahren den Radweg an der Ihme, der den Maschsee mit Linden-Mitte und Linden-Nord verbindet. Zudem setzt sie Schritt für Schritt einen neuen Standard in Hannovers Fahrradstraßen um – unter anderem mit dem Ziel, den Durchgangsverkehr zu reduzieren. Leuchtend rote Markierungen an Kreuzungen und Einmündungen sollen die Sicherheit für den Radverkehr erhöhen, Vorfahrtsregeln in Fahrradstraßen das Vorankommen beschleunigen.
2026 soll die Veloroute 2 nach Langenhagen fertig werden. Entlang der Veloroute 9 nach Ricklingen sind nur noch Restarbeiten in der Stammestraße notwendig. Weitergehen soll in diesem Jahr auch der Ausbau der Veloroute 3 nach Bothfeld, Isernhagen-Süd und Lahe entlang der Eilenriede. Auf der Veloroute 6 nach Bemerode plant die Stadt, die Arbeiten in der Bemeroder Straße und Alten Bemeroder Straße abzuschließen. Der Großteil der Verbindung ist fertig.
Dennoch bleibt fraglich, ob die Stadt am Ende auch für 2026 neue Zuwächse im Radverkehr präsentieren können wird. Der bisher kalte Winter hält viele vom Radfahren ab. Auch, weil die Velorouten und viele andere Radwege nur lückenhaft von Schnee und Eis geräumt werden. Zwischen der Stadt und Aha fehlt auch zwei Jahre nach der Einweihung der ersten fertigen Verbindung nach Anderten noch immer eine Vereinbarung für einen verlässlichen Winterdienst auf sämtlichen Veloroutenabschnitten.