Denn von dem 70 bis 100 Gramm leichten Tier haben im Garten weder Gemüse und Wurzeln noch Blumen etwas zu befürchten, im Gegenteil: Anders als Wühlmäuse frisst der Maulwurf ausschließlich tierische Kost. Auf seinem Speiseplan stehen vor allem Regenwürmer, Insektenlarven und andere Feinde des Gärtners. „Und er hilft noch in weiterer Hinsicht“, erklärt die Biologin: „Seine Gänge lockern den Boden, verbessern die Belüftung und sorgen so auch dafür, dass Wasser bei Starkregen besser abfließen kann.“
Maulwürfe stehen unter Naturschutz. Das bedeutet: Man darf sie weder töten noch verletzen. Die meisten Gärtner wollen ohnehin nicht zu so drastischen Maßnahmen greifen – freuen sich aber dennoch, wenn der Maulwurf weiterzieht.
Lässt sich das durch Hausmittel fördern? Buttermilch, stinkender Fisch oder Knoblauch sollen den Maulwurf angeblich zum Umzug bewegen. Doch belastbare Beweise für deren Wirkung gibt es kaum. Was Maulwürfe tatsächlich stört, sind Erschütterungen.
Auf diesem Prinzip basiert auch der sogenannte Maulwurfschreck. Die Geräte senden Ultraschall und Vibrationen aus. Die Tiere werden dadurch vor allem bei ihrer Nahrungssuche gestört. Mit ihren feinen Sinnen nehmen sie die kleinste Erschütterung wahr. Zum Beispiel, wenn ein Käfer oder ein Regenwurm in einen ihrer sogenannten Jagdgänge stürzt. Der Maulwurfschreck stört genau diese Sinne – allerdings liefert selbst dieses spezielle Gerät keine echte Erfolgsgarantie, um den Maulwurf zu vertreiben.
Aber muss man das überhaupt? Laut Hinrichs ist er in den meisten Fällen nur ein vorübergehender Gast.
Maulwürfe werden höchstens fünf Jahre alt und fallen immer wieder Fressfeinden wie Greifvögeln oder Füchsen zum Opfer – besonders dann, wenn sie an die Oberfläche kommen, etwa um Erde auszuwerfen. Auch der Nachwuchs bleibt nicht lange. Sobald die Jungtiere selbstständig sind, verlassen sie das Revier und suchen nach einem eigenen. Eine ganze Maulwurfsfamilie siedelt sich im Garten also nie an – immer nur ein einzelnes Tier.
Auch die Aktivität des Tieres ist nicht immer gleich. Aufmerksame Beobachter merken: Im Herbst und Winter gibt es im Garten oft mehr Maulwurfshaufen als im Sommer. In der kalten Jahreszeit finden Maulwürfe nämlich weniger Nahrung und müssen tiefere und längere Jagdtunnel graben. Im Frühling und Sommer ist das Angebot an Würmern und Larven größer – das Tier braucht nicht mehr so viele Tunnel, um satt zu werden, und wirft daher auch weniger Erde aus.
Was viele nicht wissen: Der Maulwurf muss rund 70 bis 80 Prozent seines Körpergewichts an Nahrung verzehren, denn das Tier hat einen sehr aktiven Stoffwechsel. Da Würmer und Larven zu seiner Hauptnahrungsquelle gehören – und die Nahrungssuche damit ein ordentliches Stück Arbeit ist, braucht der Maulwurf eine clevere Jagdstrategie.
Dabei wartet er im Tunnelsystem, bis er über Schwingungen wahrnimmt, dass Beute in seine Tunnel eindringt. Er schnappt und vertilgt sie – oder lagert sie ein. Neben den Jagdtunneln, einem „Wohnraum“, in dem der Maulwurf ruht, und einer Kinderstube, hat jedes Tunnelsystem eine eigene Speisekammer. „Erbeutete Würmer werden durch einen gezielten Biss in den Kopf bewegungsunfähig gemacht“, erklärt die Expertin. So bleiben sie frisch, bis der Maulwurf sie braucht – können aber auch nicht die Flucht ergreifen.
Trinken muss der Maulwurf übrigens nicht – die nötige Flüssigkeit nimmt er über seine Beute auf. Und wie atmen Maulwürfe? Im Tunnelsystem sind regelmäßig Lüftungsschächte angelegt. Zudem hat er eine vergrößerte Lunge. So bekommt der Maulwurf auch unterirdisch ausreichend Sauerstoff. Auch sein Fell ist perfekt angepasst: Die Haare stehen senkrecht und haben keinen Strich. So kann er sich problemlos vor- und rückwärts durch enge Gänge bewegen. „Im Gegensatz zu Mäusen, von denen wir in Deutschland viele Arten kennen, gibt es bei uns nur diese eine Art, den Europäischen Maulwurf“, sagt die Expertin.
Wer Maulwürfe gänzlich loswerden möchte, müsste sein Grundstück unterirdisch eingittern – aus Artenschutzsicht rät Hinrichs davon allerdings klar ab. Besser sei es, sich mit der Existenz des unterirdischen Gastes anzufreunden – und diesen als Kompliment an den eigenen Garten zu sehen. Denn Maulwürfe fühlen sich in der Regel dort wohl, wo der Boden humusreich, nicht zu lehmig und nicht zu sandig ist.
Die ausgeworfenen Erdhaufen lassen sich dazu hervorragend für Blumen oder Pflanzen verwenden – sie sind gut aufgelockert, steinfrei und damit hervorragendes Material, um im Frühjahr Töpfe und Blumenkästen zu bepflanzen.