Dauergäste im Gemüsebeet
Als „Permaveggies“ werden mehrjährige Gemüse bezeichnet.
Einige davon sind bekannte Klassiker, andere hierzulande noch neu

Vom Meerrettich werden die dicken Pfahlwurzeln in der Küche verarbeitet.Foto: F. Hecker

Haben Sie schon überlegt, welches Gemüse Sie nächste Saison anbauen möchten? Oder klingt das nach zu viel Arbeit? Bei mehrjährigen Arten erübrigt sich die alljährliche Aussaat und Anzucht: Einmal gepflanzt überwintern sie im Beet und lassen sich nächstes Jahr wieder ernten. Der Begriff „Permaveggies“ ergibt sich aus einer Wortkombination von „Perma“ für permanent und „Veggies“, dem englischen Wort für Gemüse.

Obwohl sich „Permaveggies“ nach einem neumodischen Trend anhören, haben sich mehrjährige Gemüse längst bewährt. Meerrettich oder Spargel gehören beispielsweise dazu – und es lohnt sich, aus einer Vielfalt die eigenen Favoriten für den Garten zu entdecken.

Rhabarber wird trotz seines fruchtig-säuerlichen Geschmacks botanisch zu den Gemüsen gezählt. Dieser Klassiker braucht pro Pflanze mindestens einen Quadratmeter Platz. Trotz seiner Wüchsigkeit wird maximal ein Drittel der Stiele geerntet, den Rest des Stocks lassen Sie stehen, damit sich die Pflanze erholen kann. An einen Standort in sonniger bis halbschattiger Lage und in nährstoffreiche Erde gepflanzt, treibt die Pflanze wieder aus.

Cardy ist mit der Artischocke verwandt und hierzulande noch wenig bekannt. Bei dem Stielgemüse werden die Stiele im Herbst geerntet. Für den Geschmack ist es üblich, die Triebe zu bleichen: Dafür werden die Blätter ab September zusammengebunden und mit Wellpappe abgedunkelt. Nach drei bis vier Wochen sind die Triebe hell und schmecken mild. Vor der Zubereitung schneiden Sie die oberen Blätter weg und ziehen die äußere Haut ab. Anschließend werden die Stängel in Scheiben geschnitten und in Salzwasser gegart. Die in Italien bekannte Cardy braucht einen sonnigen und geschützten Standort.

Grünspargel ist hierzulande bereits populär. Er wächst in voller Sonne und in durchlässigen, tiefgründigen Böden. Wie bei Rhabarber und Cardy werden auch beim Spargel Jungpflanzen im Frühling gesetzt: im Abstand von 25 bis 40 Zentimetern innerhalb der Reihe und gut einem Meter zwischen den Reihen. Das erste Jahr braucht der Spargel zum Einwachsen, erst ab dem zweiten Jahr wird ein Teil der Triebe geerntet – am besten, wenn sie rund 20 Zentimeter hoch aus der Erde gewachsen sind. Grünspargel schmückt ein Beet sogar: Lässt man ihn nach der Ernte förmlich ins Kraut schießen, bilden sich filigrane Triebe mit nadelförmigen Blättchen, die wie grüne Wölkchen aussehen und im Herbst eine goldgelbe Farbe annehmen.

Schnittknoblauch ist wie ein Gewürz nutzbar: Bei ihm werden die Blätter geerntet. Ihr Geschmack erinnert an Knoblauch, ist aber deutlich milder, und das frische Grün wächst immer wieder nach. Ähnlich wie viele „Permaveggies“ ist auch Schnittknoblauch dekorativ und lockt mit seinen weißen Blüten im Sommer viele Insekten an.

Winterheckenzwiebeln haben ähnliche Blüten. Bei dieser Art wird wahlweise das Blattgrün ähnlich wie Schnittlauch genutzt oder der ganze Trieb wie eine Frühlingszwiebel aus der Erde gezogen: Da die Winterheckenzwiebel mit den Jahren dichte Horste bildet, lässt man in diesem Fall pro Horst rund drei bis fünf Zwiebeln in der Erde. So kann sie sich vermehren und weiteres Grün und Zwiebeln liefern.

Topinambur verlangt nach einem gesunden Appetit: Erntet man ihn jahrelang nicht, bildet er derart dichte Bestände, dass er anderen Pflanzen kaum eine Chance lässt.

Das sollten Sie vor der Pflanzung wissen. Allerdings gelten die Knollen als so gesund, dass Sie dieses Gemüse in jeder Saison genießen sollten. Zumal die Ernte der Knollen vom Herbst bis zum Frühjahr möglich ist und damit in eine Zeit fällt, in der im Garten sonst kaum etwas zu holen ist.

Um den Fortbestand müssen Sie sich nicht sorgen, da beim Ernten meist ein Teil der Knollen übersehen wird und im nächsten Frühling wieder austreibt. Dass Topinambur eng mit der Sonnenblume verwandt ist, sieht man den Blüten an, die sich ab dem Spätsommer öffnen. Gepflanzt werden die Knollen rund fünf Zentimeter tief an einem sonnigen bis halbschattigen Standort.

Meerrettich, das zweite unterirdische Gemüse, gehört zu den Klassikern: Er wird wegen seiner scharfen Wurzeln angebaut und zwischen Oktober und März ausgegraben. Regelmäßig geerntet, lässt sich seine Vermehrung nach Bedarf steuern: Während die dicke Pfahlwurzel in die Küche kommt, werden die dünneren Seitenwurzeln abgetrennt. Sind diese etwa fingerdick, dienen sie als sogenannte Fechser (Schößling oder Steckling) für die Vermehrung. Dafür werden daraus rund 30 Zentimeter lange Wurzelstücke zugeschnitten und im Abstand von rund 60 Zentimetern zueinander leicht schräg in die Erde gesetzt.

Ob diese oder andere Gemüse einen Stammplatz im Garten verdient haben, ist natürlich Geschmacksache. Pflanzen Sie also nur Arten, die Sie gerne essen, und nutzen Sie die kommenden Wochen zum Probieren. Mit etwas Glück finden Sie Topinambur und manchmal sogar die hierzulande noch seltene Cardy in gut sortierten Gemüseläden.





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