Für Frieda Bartels war es ein ganz besonderer Moment. Mit ihrem Hand-Mountainbike stand die 16-Jährige Ende Dezember auf der Bühne und sprach am Rathaus vor Hunderten Menschen. Für sie gehörte dazu viel Mut. Denn eigentlich ist die junge Spitzensportlerin gar nicht so sehr der Mensch, der im Vordergrund stehen will. Aber in dieser Sache war es ihr wirklich wichtig: Denn Frieda liebt das Mountainbiken – und das, obwohl nach einem Unfall eines ihrer Beine gelähmt ist. Gerade erst im August vergangenen Jahres hat sie ein adaptives Mountainbike bekommen, mit dem sie wieder fast wie früher fahren kann.
Friedas großes Problem jetzt: Nach der Schließung der legalen Trails im Deister durch die Region Hannover kann sie ihren Sport nicht mehr ausüben. „Die Orte und Strecken, wo ich mein Rad nutzen kann, sind begrenzt“, erklärt Frieda: „Der Deister und die Trails der Deisterfreunde bieten mir die Möglichkeit, dass ich trotz meiner Behinderung in der Natur Sport treiben kann.“
In der Corona-Zeit entdeckte Frieda ihre Begeisterung fürs Mountainbiken. Sie war im Deister unterwegs, fuhr auch im Harz, ihre ganze Familie machte gemeinsam Urlaube mit den Rädern. Sie kam ins Racing-Team der Deisterfreunde und genoss es sehr, mit gleichgesinnten Jugendlichen gemeinsam zu fahren, aber auch durch die Jugendarbeit im Verein in ihrem Sport gefördert zu werden und auf Rennen zu starten.
Nach ihrem schweren Unfall 2024 war allerdings erst mal ein Fahren nicht mehr möglich. Ein halbes Jahr musste sie mit dem Sport auch ganz aussetzen. Langsam, aber beharrlich kämpfte sich Frieda zurück. Immer wieder war sie auf der Suche, wie sie in ihren Sportarten auch künftig trotz ihres gelähmten Beines weitermachen kann. „Ich habe bei Instagram entdeckt, dass es diese besonderen Hand-Mountainbikes gibt, die in Kleinserien nur in Amerika gefertigt werden, und war sofort begeistert“, erzählt Frieda.
Sie schreibt den Mann an, er gibt ihr die Möglichkeit, sein adaptives Bike mal zur Probe zu fahren. Frieda ist begeistert. „Andere fahren eine kurze Strecke, aber Frieda hat gleich eine ganze Tour gemacht“, erzählt ihre Mutter Konstanze Bartel. Schließlich entdecken sie ein gebrauchtes Rad. Um die mehr als 15.000 Euro zu bezahlen, startet die Familie eine Crowdfunding-Aktion.
Für Frieda hat das Biken noch eine weitere Bedeutung: Denn die junge Frau ist auch sehr erfolgreiche Kanutin, bei den Finals ist sie im Paraboot im vergangenen Jahr gestartet, bei den Deutschen Meisterschaften hat sie gleich einen Überraschungscoup geschafft: Sie ist auf Anhieb Meisterin über 200 Meter in der Bootsklasse KL3 geworden.
Zweimal ist sie bei der Ostdeutschen Meisterschaft Erste geworden, einmal hat sie bei den Norddeutschen Meisterschaften den zweiten Platz im Verfolgungsrennen belegt. Ihr Ziel dieses Jahr: die Teilnahme an der Europameisterschaft. Dafür trainiert sie im Bundeskader. Das Mountainbiken braucht sie dafür als Ausgleichssport: „Zum Krafttraining machen wir Ausdauersport. Da ich aber nicht wie andere laufen kann, bin ich bisher Mountainbike gefahren“, erzählt Frieda. Und auch im Biken ist sie ein echtes Talent. Mit dem „Bowhead“-Rad fährt sie Trails hinunter, steht im Fahren und der Geschwindigkeit den anderen Bikern in nichts nach: „Das Fahren ist nicht viel anders als mit einem richtigen Mountainbike“, sagt Frieda, „nur dass man viel tiefer liegt.“
Im Deister liebt sie besonders den Trail „Ü30“, der mit seinem Wurzelpart und Anlegern am Anfang, den Hügeln und felsigem Untergrund in der Mitte anspruchsvoll und vielseitig ist. Aber bei allen Herausforderungen immer die Möglichkeit lässt, Hindernisse wie große Sprünge oder Doubles zu umfahren. So ist der Trail sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene und Sportler mit besonderen Bikes gut zu fahren. Im August hat sie hier sogar ihr erstes Rennen bestritten: Sie trat bei dem Members Race Day der Deisterfreunde an.
„Die Deisterfreunde sind ein inklusiver Verein, der mich nicht als Besonderheit sieht, sondern als Teil der Gemeinschaft“, betont Frieda: „Dank dieser Unterstützung war es mir sogar möglich, wieder an diesem Rennen auf dem Ü30 teilzunehmen.“