„Dieser Mann ist ein Geschenk“
Goldene Ehrennadel, ein Trikot und warme Worte: CVJM ehrt Basketball-Legende Ekkehard Albrecht

Ein Leben für einen Verein: Ekkehard Albrecht ist seit 70 Jahren im CVJM.Foto: Simon Lange

Ekkehard Albrecht ist der uneingeschränkte Star des Nachmittags. Alle in der Halle, ob jung oder alt, wollen ein Erinnerungs-Selfie mit ihm, ein paar Worte wechseln, ihm eine Geburtstagstorte überreichen oder nur die Hände schütteln. Einfach bei ihm sein – der lebenden CVJM-Legende, die alle eigentlich nur „Ekki“ nennen.

Mehrere Hundert sind an diesem Adventssonntag in die Sporthalle der Leibnizschule am Lister Kirchweg gekommen. Zur Basketball-Weihnachtsfeier des CVJM Hannover. Die Jungen werfen Körbe, die Älteren plaudern und warten geduldig auf den Höhepunkt des Tages: die Ehrung für „Ekki“, einen Tag vor dessen 85. Geburtstag. Mehr als 70 Jahre im Verein, seit 70 Jahren in der Basketballabteilung, 65 Jahre Basketball-Trainer. Ende des Jahres ist Schluss, aber nur als Trainer.

„CVJM e. V. - ich habe mich immer gefragt, wofür das e. V. steht“, sagt Klaus Westpfahl, guter Freund und Weggefährte. „Jetzt weiß ich es: Es steht für ‚Ekkis Verein‘.“ Kein anderer Mensch im Christlichen Verein Junger Menschen hat den Basketball in Hannover so geprägt wie Albrecht. „Du hinterlässt sehr große Fußstapfen. Nicht nur basketballerisch, sondern vor allem menschlich“, sagt Gregor Kyriazopoulos, einst Spieler, jetzt hauptamtlicher Trainer beim CVJM. „Egal, welchen Mist man gebaut hat – Ekki hat immer das Positive im Menschen gesehen. Und hat allen eine zweite, dritte oder vierte Chance gegeben.“

Albrecht kann nicht direkt auf die Lobreden antworten. Zu viele ergreifen das Mikrofon und wollen „Ekki“ ehren. Zwischen den Rednern und den Kindern und Jugendlichen, die gespannt auf dem Hallenboden sitzend den Worten lauschen, sitzt Albrecht da auf einem Turnhocker und genießt im Stillen für sich die Ehrung.

Je länger die Zeremonie geht, desto emotionaler und bedeutender wird es. Nach dem weiß-roten Trikot mit seinem Namen und der Nummer 70 gibt es noch einen Anstecker. „Es sind Generationen von Menschen, die du auf ihren Weg gebracht hast und nachhaltig im Leben beeinflusst hast“, betont Mayk Taherian, ehemaliger Chef des Niedersächsischen Basketballbundes. Er überreicht Albrecht die höchste Auszeichnung im deutschen Basketball: die Goldene Ehrennadel des DBB.

Ben Nelson steht von der Tribüne auf und wird zu Albrecht geleitet. Nelson (84) ist erblindet, trägt Sonnenbrille. Er und „Ekki“ kennen sich seit 1964. Beide gründeten und pflegten zusammen mit Westpfahl die Basketball-Partnerschaft mit den Camps in Abbensen (Wedemark) und Dudley (USA). Nelson nahm die beschwerliche Reise aus Amerika nach Hannover auf sich, um seinem Kumpel persönlich zu sagen: „Keiner verdient diese Ehrung mehr als du. Aber noch viel wichtiger ist unsere Freundschaft“, sagt Nelson. Bei der langen Umarmung fließen die Tränen.

„So schön, dich und euch alle hier zu sehen“, sagt Albrecht mit brüchiger Stimme, als er sich endlich das Mikro schnappen kann. Vor wenigen Wochen hatte er Abteilungsleiter Christoph Franke telefonisch mitgeteilt, dass es Zeit wird, als Trainer aufzuhören. Ob das in Ordnung sei, hatte er bescheiden angefügt. „Natürlich nicht“, hatte Franke geantwortet, wohl wissend, dass die Albrechts Entscheidung unumstößlich war. „Ich weiß, dass hier alles in guten Händen liegt, deswegen kann ich mit ruhigem Gewissen ‚Tschüss‘ sagen“, erläutert Albrecht, der neben Trainer auch mal Abteilungsleiter war, im Vorstand und im Arbeitsausschuss. Neben Dudley legte er auch dauerhafte Drähte nach Israel, um die Partnerschaft mit Kirjat Motzkin aufzubauen und zu erhalten.

Alles immer ehrenamtlich, versteht sich. Sein Hauptberuf: Drucker. Die Familiendruckerei leitete er in 3. Generation. Sein Vater war einst Generalsekretär beim CVJM, der kleine „Ekki“ wuchs in der Herrenstraße in einem der beiden Vereinshäuser in Hannover auf. Klar, dass Albrecht sein Leben diesem einen Verein verschrieb – und für immer treu bleibt. Alle ahnen: Ekki, selbst vierfacher Vater und mehrfacher Opa, wird weiterhin fast jeden Tag in der Halle vorbeischauen und die aktuell heranwachsenden Basketballer beobachten. „Die Jugendarbeit hat mir immer so viel Freude gemacht. So schön zu sehen, wie die Kinder sich entwickelt haben. Und jetzt selbst als Eltern ihre eigenen Kinder hierherbringen.“ Neulich hat er die 1. Herren in der 2. Regionalliga spielen sehen. Praktisch alles Männer, die er selber ausgebildet hat. „Ich bin sehr stolz zu sehen, wie ihr Basketball spielt“, sagt Albrecht und verdrückt eine Träne. Es ist alles überwältigend für ihn. Die vielen Menschen, die warmen Worte, die große Wertschätzung. „Es ist schon ein bisschen Wehmut dabei“, gesteht Albrecht. Zurücklehnen kommt für ihn nicht infrage. Es käme auch überraschend. Albrecht arbeitet seit Jahren als „Aushilfe“ in einer Druckerei in Anderten, um alte Buchdruckmaschinen zu bedienen. Fünf Tage die Woche, jeweils acht Stunden. Harte, körperliche Arbeit – die ihn offenbar fit hält. „Alle wundern sich, dass ich das noch kann. Aber ich werde da gebraucht.“ Was er sich vornimmt, jetzt, wo er vielleicht etwas mehr Zeit hat? „Ich hoffe, dass ich mich wieder mehr um alte Freunde kümmern kann. Die haben sich immer beschwert, dass ich nicht erreichbar bin“, sagt Albrecht und lacht.

„Dieser Mann“, sagt CVJM-Chef Wolfram Springer, „ist ein Geschenk.“

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