Tourismus-Chef Nolte zieht sich zurück
HMTG-Geschäftsführer legt sein Amt nieder. Ihm folgt Christian Katz.

Wechsel: Tourismus-Chef Hans Nolte (rechts) zieht sich zurück, Chef der HMTG wirdder bisherigeCo-Geschäftsführer Christian Katz.Foto: Lars Gerhardts
Hannover. Er hat das Stadtmarketing mehr als 20 Jahre lang bestimmt, das Maschseefest organisiert und den Feuerwerkswettbewerb in den Herrenhäuser Gärten veranstaltet. Jetzt wird bekannt, dass Hans Nolte, Chef der Hannover Marketing und Tourismus Gesellschaft (HMTG), vorzeitig aus dem Amt scheidet. Seit Jahresbeginn hat er sich aus dem Unternehmen zurückgezogen. Das sei auf eigenen Wunsch geschehen, betont Nolte im Gespräch mit dieser Redaktion.

„Es war mir eine Ehre“, sagt der 63-jährige Marketingexperte. Sein Nachfolger an der Spitze der HMTG wird Christian Katz, der bereits seit Herbst 2024 als Co-Geschäftsführer an der Seite Noltes arbeitet. Katz war zuvor als Stadionchef von Hannover 96 tätig. Was ist der Hintergrund für den überraschenden Weggang Noltes?

Die HMTG hat viele Gesellschafter. 50 Prozent der Anteile halten Stadt und Region Hannover (mittels der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hannoverimpuls), die andere Hälfte teilt sich auf verschiedene private Unternehmen auf, unter anderem die Deutsche Messe AG. Das bedeutet: Der Einfluss von Politik und Stadtverwaltung ist groß. Offiziell teilt der scheidende Marketingchef mit, dass es besser für das Unternehmen sei, wenn in 2026 ein einziger Geschäftsführer das Sagen habe, schließlich werde die HMTG neu aufgestellt. Anlass ist, dass Hannovers Tourismusgesellschaft jetzt zusätzliches Geld aus der Bettensteuer bekommt, rund 5 Millionen Euro jährlich. Damit soll das Stadtmarketing ausgeweitet und auf neue Füße gestellt werden, so die Idee von Stadt und Region Hannover.

Anfang Januar feierte Nolte seinen 64. Geburtstag. Daher sieht es so aus, als wolle der Ältere seinem deutlich jüngeren Co-Chef den Vortritt lassen bei der Weichenstellung für die Zukunft der HMTG. Aber ist das der einzige Grund für Noltes Rückzug?

Mehrere Monate sollen die Verhandlungen um Noltes Vertrag gedauert haben. In der Stadtpolitik geht das Gerücht um, dass die Luft für den meinungsstarken Marketingchef auch aus politischen Gründen immer dünner wurde. So wies Nolte auf „organisatorische Herausforderungen“ hin, als es darum ging, ob Hannover im Sommer 2026 die sogenannten Finals veranstalten soll. Bei der sportlichen Großveranstaltung treten die besten Athleten Deutschlands in mehr als 20 Sportarten gegeneinander an. Insbesondere Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) wollte die prestigeträchtigen Wettkämpfe unbedingt nach Hannover holen. Da war offenbar jede kritische Anmerkung unwillkommen.

Zudem half Nolte mit seinem Organisationstalent dabei, den Raschplatz hinterm Hauptbahnhof zu beleben. Der Platz galt viele Jahre als Schmuddelecke, bevölkert von Trinkern, Drogensüchtigen und Dealern. Die Stadtspitze, allen voran Ordnungsdezernent Axel von der Ohe (SPD), kam auf die Idee, einen Sport- und Freizeitparcours auf dem Raschplatz zu errichten, um vor allem junge Menschen anzulocken. Das hat mit Noltes Hilfe auch gut funktioniert, jedoch suchte sich die Trinker- und Drogenszene andere Orte.

Fortan galt Nolte als „Freund von der Ohes“, wie es aus der Ratspolitik heißt. Im heraufziehenden Wahlkampf, bei dem der Ordnungsdezernent seinen Chef, OB Onay, herausfordert, dürfte eine solche Zuordnung Probleme bereiten. FDP-Ratsherr Patrick Döring hält es für einen Fehler, angesichts großer Veranstaltungen im nächsten Jahr auf einen erfahrenen Marketing-Mann zu verzichten. „Wenn der Grund für Noltes Ausscheiden darin liegt, dass er auf mögliche Schwierigkeiten rund um die Organisation der Finals hingewiesen hat, ist das höchst problematisch“, meint er.

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