Schlanke Zweige, längliche Blätter, ein feiner silbrig-blauer Schimmer – in Blumensträußen ist der filigrane Eukalyptus ein echter Hingucker. Kaum vorstellbar, dass der Laubbaum zu den größten der Welt gehört: Der Rekordhalter wächst in Tasmanien, er misst mehr als 100 Meter Höhe.
„In Australien, Neuseeland oder Portugal hat es Eukalyptus dank des Klimas einfacher“, sagt Gärtnermeister Peter Sprünken. „Aber auch in Deutschland gedeihen die Bäume erstaunlich gut, vor allem in milden Regionen.“ So wie in der Heimatregion des Experten, am Niederrhein. Hier zieht Sprünken seit vielen Jahren junge Eukalyptus-Pflanzen für Gartenbaubetriebe.
Und auch im Freiland wachsen die Bäume prächtig. Zum Beispiel im Nachbargarten des Fachmanns. Hier steht ein Exemplar, das bereits die Sieben-Meter-Marke überschritten hat. „Im Sommer legen unsere Pflanzen gut ein bis zwei Zentimeter pro Woche zu“, erklärt der Gärtnermeister. Pro Jahr werden es bis zu 50 Zentimeter.
Genau darin liegt jedoch auch eine Herausforderung: Eukalyptus wird oft unterschätzt. „Viele pflanzen ihn aus optischen Gründen direkt an die Hauswand“, sagt Sprünken. Aber nicht nur oberirdisch gedeiht der Eukalyptus prächtig, auch das Wurzelwerk dehnt sich kräftig aus. Wer Eukalyptus pflanzt, sollte sich daher früh überlegen, wie viel Platz der Baum später einmal beanspruchen darf und wo er demnach im eigenen Garten gut hinpasst.
Die beste Pflanzzeit ist im Frühsommer, nach den Eisheiligen. Wichtig dabei: Eukalyptus wächst für gewöhnlich in der prallsten Sonne Neuseelands oder Australiens, daher braucht er einen sonnigen Standort. Gleichzeitig mag er es luftig, aber nicht zugig. Der Boden sollte durchlässig, nährstoffreich und leicht sauer sein, ideal ist ein pH-Wert zwischen 5,5 und 6. In besonders schwerem Boden am besten etwas Sand oder Kompost im Pflanzloch einarbeiten. Gedüngt wird in der Wachstumsperiode von April bis September mit einem Volldünger. Im Mutterboden zieht sich die Pflanze alle notwendigen Nährstoffe laut Sprünken selbst.
Über die großen Blätter verdunstet viel Wasser – entsprechend durstig ist die Pflanze. Regelmäßiges Gießen ist Pflicht, besonders bei Kübelpflanzen. Auch im Topf fühlt sich Eukalyptus nämlich wohl, und der Kübel hat noch einen Vorteil: Hier lässt sich sicher gehen, dass der Baum nicht zu groß wird. Umgetopft werden muss der Eukalyptus erst, wenn der Topf komplett durchwurzelt ist.
Obwohl die Pflanze viel Wasser braucht, kann sie Staunässe nicht vertragen, gerade im Topf birgt das ein Risiko. Kübelpflanzenerde mit etwas Blähton macht die Erde im Topf durchlässiger, auch eine Drainageschicht kann helfen, den Flüssigkeitshaushalt zu regulieren.
Ein weiterer Vorteil des Topfes: Das Überwintern gelingt leichter, denn man kann den Topf in einen geschützten Bereich stellen. In einem hellen, kühlen Raum bei maximal 15 Grad Celsius entgeht der Baum so eisigen Frösten in kälteren Regionen. Steht er zu dunkel oder deutlich zu trocken, wirft der Eukalyptus schnell seine Blätter ab. Wer wie Sprünken am Niederrhein oder einer anderen eher milden Region lebt, kann den Topf auch einfach mit Noppenfolie oder anderem isolierendem Material abdecken und draußen lassen. Wichtig dabei: Gießen nicht vergessen – aber deutlich sparsamer als während der Wachstumsperiode der Pflanze.
Insbesondere für das Freiland gibt es einige robuste Sorten. Als besonders frosthart gilt Eucalyptus gunnii Silverana, der Temperaturen bis zu minus 10 Grad übersteht. Noch widerstandsfähiger ist Eucalyptus gunnii Azura, der sogar bis minus 20 Grad toleriert. Trotzdem gilt: Vor allem im ersten Winter nach der Pflanzung sollte der Stamm mit Vlies oder Leinen geschützt werden. Übrigens: Eukalyptus lässt sich auch als Zimmerpflanze kultivieren! Auch hier ist ein leicht saurer Boden sowie eine Drainageschicht von Vorteil.
Bei der Sortenwahl entscheidet vor allem der persönliche Geschmack. „Baby Blue wächst etwas kompakter und buschiger“, sagt Sprünken. „Sehr besonders ist auch Citriodora – er duftet intensiv nach Zitrus, ist aber absolut frostempfindlich.“ Insgesamt ist die Sorten-Auswahl beim Eukalyptus riesig: Mehr als 600 Arten sind bekannt. Im Frühjahr, nach der Winterruhe, lässt sich die Pflanze zurückschneiden. Notwendig ist das nicht, doch so bleibt die Krone in Form und der Baum auf der gewünschten Höhe.
Als Dekopflanze ist Eukalyptus längst etabliert – ob im Kranz, im Strauß oder als einzelner Zweig in der Vase. Doch seineWirkung reicht weit darüber hinaus. Die Blätter enthalten ätherisches Eukalyptusöl, das schleimlösend, antibakteriell undwohltuend für die Atemwege wirkt. Viele kennen den Duft aus Erkältungsbädern oder Hustenbonbons. Die Zweige lassen sich ähnlichwie Kräuter trocknen: kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort oder schneller im Dörrautomaten. Vor der Verwendung von Eukalyptussollte man aufgrund möglicher abschwächender Wirkung von Medikamenten sicherheitshalber mit seinem Arzt sprechen.