Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache. Mit dem neuen Datenweg kann Patientinnen und Patienten mit Herzrhythmusstörungen deutlich einfacher und sicherer geholfen werden. Das hat auch medizinische Gründe: Denn eine exakte Diagnose von Herzproblemen ist kaum möglich, wenn der Patient beim Arzt an Messgeräte angeschlossen ist, und nichts passiert – alles normal und im Rahmen. Das kann eine Stunde später zu Hause schon wieder anders aussehen.
Jetzt kommen Herzdaten fast in Echtzeit über das Internet direkt an die MHH. Das funktioniert so: Das EKG-Gerät des Patienten, eine kleine Platte, auf die vier Finger aufgelegt werden, ist mit dessen Handy gekoppelt, auf dem die EKG-Daten aufgezeichnet werden. Mithilfe eines Codes werden diese Daten dann vom Handy in die EKG-Software der Klinik übertragen. Sie gelangen automatisch in die elektronische Patientenakte.
Dank der neuen Technologie wird die Diagnose deshalb deutlich einfacher, weil die Herzdaten praktisch an jedem Ort der Welt aufgezeichnet und zugleich übertragen werden können. Aus Sicht der Mediziner ist das ein großer Schritt, um die Behandlung von Menschen mit Herzrhythmusstörungen erheblich zu verbessern. Das System setzen die Ärztinnen und Ärzte der MHH weltweit zum ersten Mal ein.
„Die neue technische Lösung erleichtert die Erkennung von Vorhofflimmern und anderen Herzrhythmusstörungen deutlich“, erklärt Prof. Duncker. Der behandelnde Arzt kann fast in Echtzeit auf die EKGs zugreifen, sie mit früheren vergleichen und auswerten. „Durch die direkte Übertragung können wir schneller Diagnosen stellen und die notwendige Therapie einleiten. Außerdem wird die Nachsorge erleichtert“, sagt der Kardiologe.
Damit „bringen wir die Herzrhythmusversorgung näher an die Patienten“. Für Patientinnen und Patienten wiederum sei es beruhigend zu wissen, dass ihr EKG sofort ärztlich überprüft werden kann und nicht erst, wenn sie zur nächsten Kontrolluntersuchung in die Klinik kommen. Die Neuerung beruht auf einer Kooperation mit den Medizintechnik-Unternehmen GE HealthCare und AliveCor. Sie trägt insgesamt dazu bei, die Versorgung der Herzpatienten zu verbessern und die Zahl erneuter Klinikaufenthalte zu reduzieren. Nach jeweils vier Wochen werden andere geeignete Patienten damit ausgestattet.
Eines der häufigsten Probleme bei Herzerkrankungen ist das sogenannte Vorhofflimmern. Dabei schlagen die Herzvorhöfe unregelmäßig und zu schnell: Vorhofflimmern ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Es kann aber auf Dauer unter anderem deshalb gefährlich werden, weil sich Blutgerinnsel bilden können, die das Schlaganfallrisiko deutlich erhöhen. Wird das Vorhofflimmern nicht erkannt, kann es auch zur Herzschwäche führen. Statistisch gesehen entwickelt jeder dritte Mensch ein Vorhofflimmern, meist im fortgeschrittenen Alter.
Allerdings war es nach Angaben von Duncker ein langer Weg, bis das neue System in Betrieb gehen konnte. Die Mediziner und IT-Fachleute mussten diverse gesetzliche Hürden nehmen, eine hieß Datenschutz. Insgesamt habe das ganze Verfahren zwei Jahre und viel Arbeit in Anspruch genommen. „Wir wollten zwischendrin schon aufgeben“, sagte Prof. Duncker.