Was die beiden Mütter von manch anderen unterscheidet: Sie parken nicht falsch und halten auch nicht in zweiter oder dritter Reihe. Sie haben sich einen legalen Parkplatz um die Ecke gesucht und warten nun, bis es 8 Uhr ist. Dann öffnet die Schule ihre Pforte. „Es würde sich hier viel entzerren, wenn man wenigstens zehn Minuten vorher aufmacht“, meint Wiesner.
„Das sind zwei meiner vorbildlichen Eltern“, stellt Kontaktbeamtin Scholz, zuständig für den Bereich Vahrenwald-List, die beiden Frauen vor. Diese kämen rechtzeitig, würden in Ruhe einen Parkplatz suchen. „Das hat den Vorteil, dass sie nicht den Stress haben, schnellstmöglich das Kind hier herauszulassen.“ „Es gibt genug Parkplätze“, betont Wiesner, „trotz Baustellen, trotz Müllabfuhr, trotz Warnstreiks. Man muss dann halt mal ein paar Meter laufen.“
Ein Kia steht vor der Schule im eingeschränkten Halteverbot, weit länger als die erlaubten drei Minuten. Scholz kennt das, es sei das übliche „mittlerweile geordnete Chaos“. Notfalls gibt es für solche Fahrerinnen oder Fahrer von ihr persönlich ein Ticket, aber üblicherweise ruft sie den Verkehrsaußendienst. „Der ist ja auch dafür zuständig.“
Sandra Scholz sucht aber lieber das Gespräch – wenn es sein muss, mit „freundlicher Strenge“. Die Rolle als „Freundin und Helferin“ kommt gut an bei Eltern, Kindern und anderen Besucherinnen oder Anwohnern in ihrem Revier. „Ja“, sagt die 39-Jährige mit einem offenen Lächeln, „es ist der Kontakt mit den Menschen, der mir am meisten Spaß macht“. Ins Gespräch zu kommen, „den Menschen irgendwie helfen und für sie da zu sein, sich auch einmal was anhören“, das sei ihr Ding. Bei Streitigkeiten versuche sie, lieber erst einmal zu vermitteln. „Das klappt auch ganz gut.“
Basis dafür sei ihr „nach wie vor positives Menschenbild“. Man brauche wieder mehr Gemeinsamkeit, man müsse mehr zusammenkommen und zusammenrücken, „das versuche ich ein bisschen zu fördern“. Und so rät sie den vorbildlichen Müttern Ringelhofer und Wiesner, die sich an „zu schnell fahrenden, rücksichtslosen Elterntaxis“ stören, das Gespräch mit diesen Fahrerinnen und Fahrern zu suchen. „Sie sind alle Eltern, die einen sicheren Schulweg für ihre Kinder wollen. Das verbindet doch.“
An diesem Mittwoch ist Scholz auch auf dem großen Markt auf dem Moltkeplatz unterwegs. Dort verteilt sie Flyer, die vor Diebstählen warnen. „Jetzt wird es wärmer, es ist mehr los, und da kommen vermehrt Diebe. Lassen Sie Ihre Tageseinnahmen nie unbeaufsichtigt“, rät sie.
Bei Lisa Runge vom gleichnamigen Biohof aus Nordsehl nahe Stadthagen stößt sie damit auf offene Ohren. Denn der war vor Weihnachten auf dem Bauernmarkt in Laatzen ein Teil der Einnahmen gestohlen worden, obwohl sie nach eigenen Angaben die Fahrzeugtüren abgeschlossen hatte. „Ich würde mir wünschen, dass gerade zum Ende des Marktes die Polizei mehr Präsenz zeigt.“ Scholz nickt. „Ich gebe das gern weiter.“ Und bekommt ein freundliches Lächeln von Runge, später auch von Mohammad Akbari von Akbari‘s Salatparadies, zurück. „Wenn man den Stand allein betreut, ist das echt gefährlich“, stimmt er der Polizeibeamtin zu. Und bedankt sich für den Besuch.
Das ist etwas, das der engagierten Kontaktbeamtin, die sich auch bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, immer wieder die Tage versüßt. „Wenn die Leute einfach mal Danke dafür sagen, dass wir da sind. Das passiert in letzter Zeit sogar häufiger. Und dann denke ich: Cool, dann machen wir einiges richtig. Wir als Polizei.“
Freundliches oder auch hilfreiches Feedback gibt es an diesem Tag immer wieder: Auf der Straße, wenn Scholz von Bürgern angesprochen wird, die Verdächtiges bemerkt haben in ihrem Kiez. Von Schülerinnen und Schülern, mit denen sie zur Einschulung „gelbe Füße“ auf Gehwege gesprüht hat, um den Schulweg sicherer zu machen. Im Stadtbezirksrat, dessen Sitzungen sie besucht und in der Einwohnerfragestunde lauscht, was die Menschen bewegt.
Oder wenn sie mit Bezirksratspolitikern wie Bürgermeister Thorsten Baumert („Ich bin ein echter Fan von Frau Scholz“) Stadtteilspaziergänge macht. Menschen, die sie auf ihrem Polizei-Pedelec sehen, sprechen sie an.
Senioren laden sie ein, über das Thema Kriminalprävention zu sprechen. Bei diesem Miteinander auf Augenhöhe, das ihr so wichtig ist, hört Scholz vieles, was bewegt. Und gelegentlich auch ein spezielles Lob: „Sie sind von der Polizei, aber trotzdem nett.“