Statistiken des NFV zeigen: Vor zehn Jahren hatten die Vereine in der Region Hannover noch mehr Mitglieder im C- bis A-Jugend-Bereich. 2015 waren es beispielsweise noch über 2500 A-Junioren, 2024 wurden nur noch rund 2300 registriert, zuletzt stagnierte die Zahl. „Der Fußball muss dahin gehen, wo die Kinder und Jugendlichen sind, und das ist in der Schule der Fall“, sagt Kresic.
Wie das funktionieren kann, zeigte der Berater des NFV im Februar mit einer von ihm veranstalteten Hallenfußballmeisterschaft mit 24 Schulteams, von denen sich sechs für das Finale an der Sportuni in Hannover qualifizierten. Dabei waren Schülerinnen und Schüler von der elften bis zur 13. Klasse. Mit Futsalregeln spielten die Mannschaften in einer Gruppen- und in einer K.o.-Phase gegeneinander. Futsal ist eine Form des Hallenfußballs mit vier Spielern pro Team und einem Torwart. „Die Varianten im Kinderbereich brauchen wir auch im Schulfußball“, sagt Kresic. Das bedeutet: Fußball wird auf einem Kleinfeld gespielt, vom zwei gegen zwei bis zum fünf gegen fünf – es geht um den schnellen, niedrigschwelligen Kick.
Im Finale besiegte das Team der IGS Linden die Lutherschule mit 4:0. „Ich bin sehr begeistert“, sagt Kresic im Rückblick. „Wir haben sehr faire Spiele mit dem ein oder anderen sportlichen Leckerbissen gesehen.“ Dazu lobt er das Engagement der Mannschaften – und das der vielen Mitschülerinnen und Mitschüler, die ihre Schulteams von der Tribüne aus anfeuerten. Und das, hofft Kresic, soll kein Einzelfall bleiben.
Für ihn sei dieses Modell gut mit dem Schulalltag in Einklang zu bringen. „Sobald wir Wettkämpfe in Schulen einführen, werden wir auch gleichzeitig die Aktivität von Schülern steigern“, sagt Kresic. „Kinder lieben es, sich zu messen.“ Außerdem fördere die Betreuung durch Sportlehrer die fußballerische Entwicklung. „Sie bringen eine pädagogische und sportliche Ausbildung mit. In den Vereinen sind oft Trainer, die das nicht haben.“ Der Schulfußball stehe dabei nicht in Konkurrenz zum Vereinsfußball – im Gegenteil: „Ich glaube, das befruchtet sich total.“ Denn wer in der Schule Spaß am Fußball habe, werde sich möglicherweise auch im Verein anmelden.
Michael Moßmaier, der als Sportlehrer an der St.-Ursula-Schule sein Team beim Turnier betreute, findet den Plan „einfach klasse“. Mit einer Einschränkung: Der damit verbundene Unterrichtsausfall wäre gerade in der Oberstufe problematisch. Als Lösung schlägt er eine Staffelung der Teams vor, damit jeweils immer nur ein paar Schülerinnen und Schüler vom Unterricht freigestellt werden müssen. Zudem solle auch nach Leistungsstand aufgeteilt werden. „Wenn es in den Turnieren ums Weiterkommen geht, melden sich nur die Spieler für die Schulteams, die schon was können.“ Für Neueinsteiger sei das zu ambitioniert. Das ist auch für Kresic ein wichtiger Punkt – wem der Vereinsfußball zu viel Druck macht, soll durch die Schulturniere eben trotzdem mit dem Sport in Berührung kommen können.
Und sei es auch als Zuschauer: Während der Spiele machte der Anhang der St.-Ursula-Schule die lauteste Stimmung. „Man hat schon gemerkt, dass da ein Hype in der Schule war“, so Moßmaier. Der Sport könne eine Schule als Gemeinschaft zusammenbringen. „Ich glaube schon, dass die Idee funktionieren kann.“
Am niedersächsischen Kultusministerium wird das Vorhaben jedenfalls nicht scheitern. „Schulen können im Rahmen ihrer Eigenverantwortung bereits jetzt Fußballteams gründen, was auch bereits vielfach im Lande erfolgt“, teilt Sprecherin Britta Lüers mit. Auch die Entscheidung, ob sich die Schulteams in einem Wettbewerb messen, liege bei der jeweiligen Schulleitung – unter Berücksichtigung von Prüfungsterminen und eventuellen Unterrichtsausfällen.