Als heimische Orchidee gedeiht sie oft im Verborgenen im Schatten von Buchen- oder Eichen-Hainbuchenwäldern. Weil die Violette Stendelwurz (Epipactis purpurata) selten geworden ist, wurde sie von den Arbeitskreisen Heimischer Orchideen zur „Orchidee des Jahres 2026“ gewählt.
Damit wollen die Experten auf die Bedrohungen in ihrem Lebensraum aufmerksam machen. Weil sich in den Wäldern durch das Fichtensterben die Lichtverhältnisse ändern, verändert sich auch ihr Lebensraum. Fällt mehr Licht auf den Boden, wächst dort mehr Kraut. Dies verändert auch das Mikroklima, die eher feuchten Standorte werden trockener.
Dadurch verliere die Violette Stendelwurz ihre Lebensgrundlage, erklärt Dietrich Bergfeld, Vorsitzender des Arbeitskreises Heimische Orchideen Baden-Württemberg. Sie benötige eine hohe Luftfeuchtigkeit und wachse in luftfeuchten Wäldern auf kalkigen Böden. Bergfeld kennt viele Standorte heimischer Orchideen ganz genau und weiß, wie stark sie an spezielle Biotope angepasst sind.
Zu finden sei die Epipactis purpurata am Waldrand unter Bäumen, wo auch der Regen hinkomme. Erst kürzlich habe er beim Spaziergang einen Austrieb gefunden, erzählt der Experte. Ob dieses Exemplar nach einigen Wochen wirklich Blüten trägt, kann Bergfeld nicht sagen: „Die Pflanze ist auch bei Rehen sehr beliebt.“
Die Violette Stendelwurz gehört zu den spät blühenden Orchideen und blüht ab Ende Juli. Dann sind die meisten heimischen Orchideen bereits verblüht. Sie gehört zu den Waldorchideen, wächst in Laub- oder Nadelmischwäldern und wird bis zu 50 Zentimeter hoch. Ihren Namen hat sie, weil der kräftige Stängel und die Blätter violett gefärbt sind.
Oft wachsen aus dem verzweigten Rhizom mehrere dicht stehende Triebe. Solche Gruppenbildungen gelten als sehr typisch für die Art. Der langgestreckte Blütenstand ist reich- und dichtblütig. Dadurch wirkt die Pflanze „kopflastig“. Insbesondere knospende Exemplare hängen kopfüber nach unten und richten sich erst mit Blühbeginn allmählich auf. Dann sind die Blüten weit geöffnet, die Blütenhüllblätter weit gespreizt und hellgrün gefärbt.
Die Violette Stendelwurz besiedelt ein Gebiet, das von England über Frankreich bis nach Südosteuropa reicht. In Deutschland zeigt sich ein mäßiger Rückgang der Art.
Wegen ihrer „verborgenen“ Lebensweise wird sie oft übersehen. Wer sie dennoch entdeckt, darf sie aber nicht pflücken oder gar ausgraben. Im Garten würden sie ohnehin nicht wachsen, machen Experten klar.