Eine Handvoll Aroma
Tee aus dem eigenen Garten? Das funktioniert nicht nur
in China oder Indien, sondern tatsächlich auch in Deutschland. So gedeihen
Teepflanzen – wenn Sie bei Anbau und Pflege einige wichtige Dinge beachten.

Eine Handvoll Tee: Auch inDeutschland ist der Teeanbaumöglich - erfordert allerdingsein wenig Geduld und Raffinesse,um die Pflänzchen geradeam Anfang warmzuhalten.Foto: IMAGO/blickwinkel

Genießen Sie die ersten Stunden des Tages gern mit einer kräftigen Tasse Tee in der Hand? Zarte Sonnenstrahlen wärmen das Gesicht, der Blick schweift über den Garten, die Natur erwacht – und zwischen Blaubeerstrauch und Apfelbaum wächst Tee. Schwarztee, Grüntee und sogar weißer Tee lassen sich auch in Deutschland und sogar zu Hause im eigenen Garten anbauen.

Dass Tee nicht nur in Asien oder Afrika gedeiht, zeigt Antje Kühnle. Die gelernte Winzerin und studierte Önologin, also Weinbauingenieurin, betreibt in der Nähe von Berlin ihre eigene Teeplantage mit dem Namen Growing Karma. „Auf einer beruflichen Reise nach Portugal habe ich gesehen, dass man Tee in Europa anbauen kann. Also habe ich alles auf eine Karte gesetzt und angefangen, hier in Deutschland zu experimentieren“, erzählt Kühnle.

2022 hat sie ihre eigene Teeplantage in der Nähe von Berlin gegründet. Heute verkauft sie Samen und Jungpflanzen über ihren Onlineshop. „Je mehr Teebauern es in Europa gibt, desto besser“, sagt sie. Wissen teilen, Infrastruktur aufbauen, Fehler machen und darüber berichten – all das hilft anderen Tee-Fans, ihre eigene kleine Plantage aufzubauen.

Obwohl sich im Grunde alle Sorten aus einer Pflanze gewinnen lassen, gibt es Züchtungen, die sich besonders für bestimmte Tees eignen. Wer flexibel bleiben möchte, dem empfiehlt Kühnle sogenannte Grüntee-Kultivare. Aus deren Trieben lassen sich sowohl kräftige Schwarztees als auch feine Grüntees sowie weißer Tee gewinnen.

Tee selbst auszusäen ist möglich, erfordert jedoch Geduld. Wichtig ist dabei frisches Saatgut, denn Teesamen verlieren schnell ihre Keimfähigkeit. Schon bei der Anzucht ab Dezember oder Januar braucht die Pflanze eine gute Drainage, etwa aus Tongranulat. Staunässe verträgt Tee nicht. Aus diesem Grund mischt man rund ein Zehntel Granulat in das Substrat. Die Erde sollte sauer sein, ein PH-Wert zwischen 4,5 und 5,5 ist ideal.

Vor der Aussaat werden die Samen 24 Stunden in lauwarmem Regenwasser oder gefiltertem Wasser eingeweicht. Leitungswasser enthält meist zu viel Kalk. Anschließend werden die Samen in die zimmerwarme Erde gesetzt. Bei 20 bis 25 Grad – also am besten im warmen Wohnzimmer oder in der Küche – brauchen die Samen mindestens sechs Wochen zum Keimen. Besonders wichtig dabei: Die Erde darf nicht austrocknen. Hier helfen bekannte Aussaat-Tricks wie Frischhaltefolie oder Anzuchthütchen.

Gedüngt wird zunächst nicht: Erst wenn die Pflanze vier Blätter entwickelt hat, darf während der Wachstumsphase alle zwei Wochen vorsichtig organisch gedüngt und alsbald getopft werden.

Im ersten Jahr bleibt die Teepflanze im Topf, im Folgejahr zieht sie in ein größeres Gefäß um. Ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr darf sie in den Garten. Auch dort sollte das Beet mit saurem Substrat angereichert werden. Ideal ist ein windgeschützter Standort im Halbschatten – direkte Sonne verträgt Tee schlecht.

„Ich empfehle eine Tröpfchenbewässerung“, sagt Kühnle. Tee ist eine durstige Pflanze: Rund 1200 Liter Wasser pro Jahr sind keine Seltenheit. Eine Mulchschicht aus gehäckseltem Nadelholz reduziert die Verdunstung und stabilisiert den pH-Wert. Unter dem Mulch setzt die Expertin auf Schafwolle. Diese wirkt als Langzeitdünger, wärmt den Boden und unterstützt den Humusaufbau.

Teepflanzen sind eigentlich Bäume und können in der Natur bis zu 20 Meter hoch werden. Für die Teeernte werden sie jedoch auf Buschgröße gehalten. Im ersten Jahr wird auf etwa zehn Zentimeter zurückgeschnitten, im zweiten und dritten Jahr auf 20 Zentimeter, im vierten Jahr auf etwa 50 Zentimeter. So verzweigt sich die Pflanze stärker und bildet mehr Triebspitzen. Blütenansätze sollten in den ersten Jahren entfernt werden, damit die Pflanze ihre Energie ins Wachstum steckt.

Weil Tee eine Dauerkultur ist, brauchen größere Erträge Zeit. Laut Kühnle spricht aber nichts dagegen, schon bei einer zweijährigen Pflanze einige Triebe zu ernten. Sobald die Pflanze sich erst einmal entwickelt hat, erfreut man sich lange an ihr. Einige Teepflanzen in China sind älter als 1000 Jahre!

So alt werden diese im Garten vielleicht nicht – damit sie aber lange erhalten bleiben, sollte man sie insbesondere im Winter gut schützen. Antje Kühnle bedeckt ihre Pflanzen dafür mit Stroh und einem Thermovlies. Ab bleistiftdickem Holz sind sie zunehmend frosthart, eine etwa fünf Jahre alte Pflanze kommt meist ohne intensiven Schutz aus.

Der Teegenuss hat seinen Ursprung in China, wo Tee bereits vor tausenden Jahren erwähnt wurde. Buddhistische Mönche brachten ihn nach Japan, im 17. Jahrhundert gelangte er nach Europa. Zunächst handelten niederländische Kaufleute mit Tee, später prägten vor allem die Engländer seine Verbreitung. Bis heute gilt er in Großbritannien als Nationalgetränk. Englische Forscher experimentierten in ihren Kolonien mit Teepflanzen und stärkten so den Teeanbau in Indien.

Und heute? Da lässt sich auch im eigenen Garten mit Tee experimentieren – und so vielleicht eine ganz eigene Genusskultur aufbauen.

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