Literatur vom Feinsten Das Stadtmagazin magaScene empfiehlt im Januar den Besuch dieser Lesungen
Judith Hermann.Foto: A. Reiberg
28 Jahre nach der Erstveröffentlichung kehrt Judith Hermann zu „Sommerhaus, später“ zurück. Die Autorin liest aus dem Band, der einst als Stimme eines neuen literarischen Tons wahrgenommen wurde und heute als Klassiker gilt. Alexander Kosenina, Professor an der Leibniz Universität Hannover und Herausgeber der Reclam-Ausgabe, spricht mit der Autorin am 12. Januar im Literarischen Salon über Wandel, Kontinuitäten und den Platz von „Sommerhaus, später“ in ihrem Gesamtwerk. Denn was Ende der 1990er Jahre noch unter dem Schlagwort „Fräuleinwunder“ diskutiert wurde, ist längst Teil des literarischen Kanons und Schullektüre geworden. Im Gespräch blickt Hermann auf die Entstehungszeit, auf den oft zitierten „Berliner Sound“ und auf die heutige Lektüre des Textes zurück.Im Rahmen der LiteraTour Nord 2025/26 liest Katerina Poladjan aus ihrem Roman „Goldstrand“. Ausgangspunkt ist ein sozialistisches Ferienprojekt an der bulgarischen Schwarzmeerküste, geplant in den 1950er Jahren als utopischer Ort für alle. Von dort entfaltet sich eine weit gespannte Familiengeschichte, die über Jahrzehnte und durch Europa führt, von Odessa über Konstantinopel und Warna bis nach Rom. Erzählt wird sie aus der Gegenwart heraus: Ein erfolgreicher Filmregisseur blickt zurück, mutmaßt, erinnert und erfindet. Poladjans Roman verbindet persönliche Geschichte mit politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts und fragt nach Herkunft, Erinnerung und Identität. Am 15. Januar spricht Matthias Lorenz mit Poladjan im Literaturhaus.Michael Roth spricht in der Lesung zu seinem Buch „Zonen der Angst – Über Leben und Leidenschaft in der Politik“ in der Faust Warenannahme offen über die Schattenseiten des politischen Betriebs. Er beschreibt innerparteiliche Machtkämpfe, den Druck sozialer Medien, Shitstorms und den Umgang mit gesellschaftlichen Ängsten und wie all dies zunehmend auf ihn selbst wirkte. Roth blickt auf fast drei Jahrzehnte als direkt gewählter SPD-Abgeordneter im Deutschen Bundestag zurück, zuletzt als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und zuvor als Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Seine klare Haltung, etwa in der Unterstützung der Ukraine, brachte ihm öffentliche Anerkennung, aber auch massiven Widerspruch ein. Radikal ehrlich erzählt Roth von seiner politischen Laufbahn, seinen Zweifeln und seiner lange Zeit unerkannten, mentalen Erkrankung, die schließlich zu seinem bewussten Rückzug aus der Politik führte. Moderiert wird der Abend am 18. Januar von Jan Egge Sedelies.