Doch die Zukunft sieht nun wieder etwas rosiger aus: 1634 Nachwuchskräfte haben in Niedersachsen eine Ausbildung in einem der sieben Berufsfelder in der Gastronomie begonnen – das ist ein Plus von 13,8 Prozent. In der Region Hannover freuen sich die Betriebe über 627 neue Azubis, die Zahl hat im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent zugelegt. Alle Werte liegen über den Zahlen von 2019, die Zäsur durch die Corona-Pandemie scheint überwunden. „Aktuell gibt es bei uns keine Nachwuchsprobleme“, sagt Nicole Rösler, Berufsbildungsbeauftragte beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in der Region Hannover.
Das hat mit einem Umdenken auf vielen Ebenen zu tun. „Man muss mehr tun als früher, der Beruf soll ja attraktiv werden“, betont Ann-Kristin Wohlfeld (35), die zusammen mit ihrem Mann Thomas (37) das Sternerestaurant „Handwerk“ am Altenbekener Damm leitet. Das Paar hat die ausgelernte Restaurantfachfrau Ana Panchulidze (25) zur Freisprechungsfeier des Dehoga begleitet. Ein großer Moment.
„Wir hätten gerne schon früher ausgebildet, aber wir mussten uns als Team auch erst finden“, sagt sie über das 2017 eröffnete Restaurant. „Wir sind ein familiärer, freundschaftlicher Betrieb. Aber mit hohen Zielen und Ansprüchen“, betont die Sommelière. Mit Panchulidze habe das gepasst. „Die Arbeit hier ist etwas Besonderes“, schwärmt die 25-Jährige. „Egal, wie anstrengend der Tag ist, ich bin froh, am nächsten Morgen wieder hinzugehen.“ Sie sagt aber auch: „Gastronomie empfehle ich nur, wenn man von Herzen dabei ist.“
Das gilt für Diana Lala definitiv. Denn die 22-Jährige aus Moldawien hat einen „großen Schritt im Leben“ hinter sich. Mit 19 reiste sie nach Hannover, gab bei diversen Hotels Bewerbungen ab – obwohl sie nur wenig Deutsch konnte. Für den Ausbildungsstart im Leonardo-Hotel war das kein Problem: „Ich habe an der BBS erst mal sechs Monate kostenlos die Sprache gelernt“, berichtet sie in fehlerfreiem Deutsch mit leichtem Akzent. „Und ich wurde gut ins Team integriert.“
Damit es läuft, müssen Arbeitgeber Angebote machen. „Genaue Dokumentation der Arbeitszeit, Sonntagszuschläge, 30 Tage Urlaub“, zählt Leonardo-Betreuerin Biel die Selbstverständlichkeiten auf. Die Hotelkette bietet noch mehr Anreize: „Wir machen Barista- oder Weinschulungen. Wir wollen die jungen Leute motivieren. Und sie sollen auch über den Tellerrand schauen dürfen.“ Betreuung ist auch das Stichwort in der „Lieblingsbar“. „Es geht nicht nur um Onboarding im Job, sondern um das Ankommen in einem fremden Land“, weiß Phong Luu. Er kam 2015 aus Vietnam nach Deutschland und betreut heute im Restaurant am Herrenhäuser Markt die Azubis. „Wir vermitteln Wohnungen, begleiten sie auf Behörden, helfen bei der Kontoeröffnung. Ich bin über eine Whatsapp-Gruppe auch nachts erreichbar.“Und zwar aus Prinzip: „Ausbildungsoffensive Gastro im Verbund“ (AOGiV) – so nennt Chi Trung Khuu, der neben „Lieblingsbar“ auch „Mister Q“ und „Lucky 7″ am Raschplatz betreibt, das Modell, bei dem sich Arbeitgeber zusammenschließen. 20 junge Menschen aus Vietnam, Georgien und der Türkei haben im August 2024 ihre Ausbildung angefangen. In Khuus Lokalen, aber auch in sechs weiteren Betrieben. „Nach Corona war es schwierig, Leute zu finden“, sagt Khuu. „Und ich habe das langfristige Problem durch den demografischen Wandel gesehen.“
Man hole Fachkräfte ins Land, „aber es kommen Menschen. Sie bringen ihre Probleme und Bedürfnisse mit. Dafür müssen wir da sein“, findet der Gastronom. Die Gäste würden Verständnis zeigen für Sprachbarrieren am Anfang. Tam Hoang bestätigt das. „Zum Glück ist Deutsch in Hannover gut“, sagt die 27-Jährige, „und die Kollegen helfen viel.“ Ein dritter Berufsschultag mit Deutschkurs pro Woche an der BBS 2 hilft ebenso.
Arbeitskräfte aus dem Ausland: „Das ist die Zukunft“, sagt ihr Chef Chi Trung Khuu, „neben der Pflege sind wir die Branche, die das verstanden hat.“