Am Dienstag, 3. November, um 19 Uhr stellt Lutz Seiler seinen neuen Roman „Das tickende Herz“ vor. Nach „Kruso“ und „Stern 111“ erzählt der Büchner-Preisträger die Geschichte seines Helden Carl Bischoff weiter. Zu Beginn des neuen Jahrtausends kehrt dieser aus der brandenburgischen Provinz nach Berlin zurück. Doch lange hält es ihn dort nicht. Eine geheimnisvolle junge Frau, Tochter eines kasachischen Schamanen, zieht ihn in ihren Bann. Carl folgt ihr über Amsterdam und Rotterdam, die Kurische Nehrung und schließlich bis in die winterliche Steppe Kasachstans.
Was als Liebesgeschichte beginnt, entwickelt sich zu einer zunehmend rätselhaften Pilgerfahrt. Auf einem ehemaligen sowjetischen Atomwaffentestgelände, wo die Familie der jungen Frau ein Opfer zur Rettung der Erde vorbereitet, gerät Carl schließlich selbst aus der Wirklichkeit. Seiler, der für „Kruso“ 2014 den Deutschen Buchpreis erhielt, verbindet erneut deutsche Zeitgeschichte mit einer Erzählwelt, in der das Alltägliche unvermittelt ins Märchenhafte umschlagen kann. Mit ihm spricht der Literaturwissenschaftler und frühere FAZ-Redakteur Tilmann Lahme.
Weniger weit führen die Reisen von Michael Krüger, dafür umso tiefer in ein langes Leben mit der Literatur. Der frühere Leiter des Carl Hanser Verlags ist am Donnerstag, 12. November, um 19 Uhr zu Gast. Im Mittelpunkt stehen Gedichte aus seinem neuen Band „Die Wiedereinführung der Sanduhr“, in denen Landschaften, der Tod enger Freunde und die eigene Kindheit während des Zweiten Weltkriegs nachwirken. Krüger, 1943 geboren, betrachtet die Gegenwart auch aus der Erfahrung einer Generation, deren früheste Lebensjahre vom Krieg geprägt waren. Dass die Bereitschaft zu kriegerischer Gewalt trotz aller historischen Erfahrungen nicht verschwunden ist, beschäftigt ihn ausdrücklich.
Neben den Gedichten werden auch andere Seiten seines literarischen Schaffens thematisiert. Krüger bringt sein neues Kinderbuch „An Großvaters Hand“ mit und erzählt von Begegnungen mit Schriftstellern und Künstlern, wie er sie bereits in „Verabredungen mit Dichtern“ und „Unter Dichtern“ festgehalten hat. Kaum jemand hat die deutschsprachige Literatur der vergangenen Jahrzehnte als Verleger, Herausgeber und Autor aus so unterschiedlichen Perspektiven erlebt. Thomas Schaefer moderiert das Gespräch.
Am Dienstag, 17. November, um 19 Uhr folgt Michael Köhlmeier, dessen „Mein privates Glück“ den Blick auf die eigene Familiengeschichte richtet. Der österreichische Schriftsteller erzählt von einer Verwandtschaft, in der Geschichten ebenso weitergegeben werden wie seelische Verletzungen. Ausgangspunkt ist jener vierjährige Junge, der seine Eltern erst kennenlernen muss. Von dort aus entfaltet Köhlmeier ein Familienpanorama, in dem die Traumata zweier Weltkriege bis in die Gegenwart reichen.
Nach Romanen wie „Das Philosophenschiff“ und „Die Verdorbenen“ wendet sich der vielfach ausgezeichnete Erzähler damit ausdrücklich der eigenen Herkunft zu. Wie entsteht eine Persönlichkeit aus dem, was sie selbst erlebt hat, und aus dem, was andere ihr hinterlassen? Köhlmeiers Familiengeschichte berührt eine Frage, die weit über das Private hinausreicht. Durch den Abend führt die NDR-Kultur-Moderatorin Martina Kothe.Ein Wochenende für Entdeckungen abseits der großen Verlagsprogramme schließt sich am 21. und 22. November an. Zur 32. Buchlust präsentieren 30 unabhängige Verlage aus Deutschland und Österreich ihre Neuerscheinungen, von Lyrik und Romanen bis zu Graphic Novels und politischen Sachbüchern. Zum Begleitprogramm gehören unter anderem Lesungen mit Ingo Schulze, Jochen Schimmang, Angelina Maccarone und Thea Mengeler. Die Messe ist an beiden Tagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet.Mit Svenja Leiber beginnt am Donnerstag, 26. November, um 19 Uhr die neue Saison der LiteraTour Nord. Ihr Roman „Nelka“ führt zurück ins Jahr 1941. Die sechzehnjährige Titelheldin wird in Lemberg von Soldaten aufgegriffen und mit anderen Mädchen und Frauen zur Zwangsarbeit nach Norddeutschland verschleppt. Auf einem Gutshof muss sie schwere Arbeit verrichten. Dass ihr Vater sie früh in die Kunst des Obstbaus eingeweiht hat, hilft ihr zunächst, sich gegen die Zudringlichkeiten des Verwalters zu behaupten. Sie plant für ihn Apfelplantagen, die ihm nach Kriegsende ein Vermögen einbringen.
Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihrer Gefangenschaft zurück. Leiber erzählt von der Gewalt der Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus, aber auch davon, wie deren Folgen weit über das Kriegsende hinausreichen. Der wirtschaftliche Gewinn des Verwalters und Nelkas Erfahrung der Entrechtung stehen dabei in bitterem Gegensatz. Die 2025 als Bonner Stadtschreiberin ausgezeichnete Autorin spricht mit dem Literaturwissenschaftler Matthias Lorenz über ihren Roman.
Beim Literarischen Speeddating im Künstlerhaus am Sonnabend, 28. November, ab 16 Uhr tauschen die Schriftstellerinnen die Bühne gegen kleine Gesprächstische. Sieben Autorinnen, Tabea Farnbacher, Lucie Kolb, Selene Mariani, Thea Mengeler, Laura M. Neunast, Julia Rüegger und Clara Cosima Wolff, stellen ihre jüngsten Bücher vor. Die Besucher wechseln in kleinen Gruppen von Tisch zu Tisch, hören kurze Textpassagen und kommen miteinander ins Gespräch. Im Zentrum stehen feministische Perspektiven auf Körperpolitik, Sorgearbeit, gesellschaftliche Erwartungen und Widerstand. Veranstalter ist das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover.
Die regulären Lesungen finden im Literaturhaus Hannover, Sophienstraße 2, statt. Eintritt jeweils 14 Euro, ermäßigt 7 Euro, zuzüglich Vorverkaufsgebühren. Die Buchlust kostet 5 Euro für beide Tage einschließlich Lesungsprogramm, das Literarische Speeddating 10 Euro zuzüglich Gebühren. Karten sind im Vorverkauf erhältlich.literaturhaus-hannover.de