Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Fachberatungsstellen valeo, Violetta und Anstoß. Sie registrierten 2025 in den 20 Umlandkommunen der Region insgesamt 552 Beratungsanfragen. 2022 waren es noch 398. Das entspricht innerhalb von drei Jahren einem Anstieg um 39 Prozent. Gegenüber 2024 mit 469 Fällen erhöhte sich die Zahl um knapp 18 Prozent. Bei den Fällen, in denen das Alter bekannt war, betrafen 85 Prozent Minderjährige.
Die steigenden Beratungszahlen bedeuten nach Einschätzung der Region allerdings nicht zwangsläufig, dass sexualisierte Gewalt im gleichen Umfang zugenommen hat. Als mögliche Ursachen nennt der Bericht eine größere Bekanntheit der Beratungsstellen sowie eine stärkere gesellschaftliche Sensibilisierung und Akzeptanz der Hilfsangebote. Die drei Einrichtungen arbeiten trotz der zunehmenden Nachfrage mit nahezu unveränderten Personalressourcen.
Eine zentrale Rolle im Kinderschutz spielen Schulen. 77,4 Prozent der insgesamt 717 Anfragen an die Fachberatung Kinderschutz kamen 2025 aus diesem Bereich. Am häufigsten suchten Grundschulen Unterstützung: Auf sie entfielen 46,5 Prozent aller Anfragen. IGS und KGS folgten mit 18,4 Prozent, Gymnasien mit 8,3 Prozent. Die Zahl der Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulsozialarbeiter, die sich an die Fachberatung wenden, steigt nach Angaben der Region kontinuierlich.
Nicht jede Beratung führt zu einer Meldung an das Jugendamt. In 29,7 Prozent der Fälle wurde eine Kindeswohlgefährdung festgestellt, die eine solche Mitteilung erforderlich machte. Bei 67,8 Prozent waren zunächst weitere Schritte durch die anfragende Fachkraft notwendig, etwa Gespräche mit dem betroffenen Kind oder den Sorgeberechtigten oder die Einbeziehung weiterer Beratungsstellen.
Der Allgemeine Soziale Dienst der Region schloss 2025 insgesamt 813 Gefährdungseinschätzungen ab, nach 870 im Vorjahr. Die meisten Hinweise kamen mit 41 Prozent von Polizei und Justiz. Betroffene und Menschen aus der Zivilgesellschaft machten 30,6 Prozent aus, Schulen 13,3 Prozent. Am häufigsten waren Kinder zwischen sechs und unter zehn Jahren Gegenstand einer Gefährdungseinschätzung.
Auch die Zahl der Inobhutnahmen blieb hoch. 336 Kinder und Jugendliche wurden 2025 im Zuständigkeitsbereich des Fachbereichs Jugend in Obhut genommen, nahezu ebenso viele wie 2024. Die durchschnittliche Dauer sank allerdings deutlich von 93,22 auf 68,65 Tage. Häufigster Anlass war mit 21,3 Prozent die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils, gefolgt von Kindesmisshandlung mit 19,9 Prozent. Zugleich weist die Region darauf hin, dass geeignete Anschlussangebote freier Träger häufig nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen.
Als Konsequenz aus den Entwicklungen will die Region ihre Strukturen im Kinderschutz weiterentwickeln. Unter anderem wird an einheitlichen Qualitätsstandards für Gewaltschutzkonzepte gearbeitet. Zudem stößt die Fachberatung nach Angaben des Berichts angesichts der hohen Nachfrage zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Zu Stoßzeiten seien die Beratungsanschlüsse teilweise belegt. Mit internen Veränderungen wie Doppeldiensten soll die Erreichbarkeit verbessert werden.