Neue Brücke nach Roselle
Laatzen besiegelt beim Stadtempfang die fünfte Städtepartnerschaft

Sportlerehrung: Die Volcanos des BSV „Hannovera“ Gleidingen wurden für ihre sportlichen Leistungen ausgezeichnet.Fotos: Stadt Laatzen
Laatzen. Als Bürgermeister Kai Eggert am Sonntag im Park der Sinne seine Unterschrift unter die Partnerschaftsurkunde setzte, kam zu den langjährigen Verbindungen nach Frankreich, Österreich und Polen eine weitere hinzu: Roselle im US-Bundesstaat Illinois ist nun offiziell Partnerstadt von Laatzen. Die Gemeinde westlich von Chicago liegt fast 7000 Kilometer entfernt – und war doch beim Stadtempfang mit einer sechsköpfigen Delegation vertreten.

Rund 150 Gäste hatten sich an der Kulturbühne im Park der Sinne eingefunden. Regenschauer störten das Programm zwar kurzzeitig, doch der Empfang blieb der feierliche Abschluss eines Wochenendes, an dem Laatzen seine Städtepartnerschaften beim Fest der Sinne in den Mittelpunkt stellte. Der Musikkreis Laatzen eröffnete die Veranstaltung musikalisch und begleitete sie mit weiteren Beiträgen.

Die Urkunde aus Roselle trug bereits die Unterschrift von Bürgermeister David Pileski. Kai Eggert unterzeichnete sie nun für Laatzen. Der Rat der Stadt hatte am 27. Februar beschlossen, die neue Partnerschaft einzugehen. Roselle ist ein westlicher Vorort von Chicago; Eggert zog damit eine Parallele zu Laatzens Lage südlich von Hannover und der engen Verbindung zur Landeshauptstadt.

Dass Nähe nicht nur von geografischen Distanzen abhängt, war eine der Botschaften des Empfangs. Nicole Krause, Vorsitzende der deutschen Sektion des Partnerschaftskomitees in Roselle, bezeichnete die Vereinbarung als ein lebendiges Versprechen. Beide Orte wollten ihre Häuser und Herzen füreinander öffnen, voneinander lernen und die internationale Freundschaft an die nächste Generation weitergeben.

Die Verbindung mit Roselle soll dabei anders organisiert werden als die europäischen Städtepartnerschaften. Eggert verwies besonders auf das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern. Der Verein „Laatzen international Friendship“ soll die Kontakte begleiten und unterstützen. Für die neue Partnerschaft wünschte der Bürgermeister persönliche Begegnungen und viele Menschen, die sich dafür einsetzen.

Der Empfang war zugleich eine Gelegenheit, auf die Geschichte der bisherigen Partnerschaften zu schauen. Laatzen feiert in diesem Jahr mehrere Jubiläen: Seit 60 Jahren besteht die Verbindung mit Grand Quevilly in Frankreich, seit 40 Jahren die Freundschaft mit Waidhofen an der Ybbs. Guben und Gubin sind seit 35 Jahren Partnerstädte.

Ehrenbürger Günther Pöchhacker aus Waidhofen an der Ybbs, Gubens Bürgermeister Fred Mahro, Nicolas Rouly als Bürgermeister von Grand Quevilly sowie Anna Kapela, stellvertretende Bürgermeisterin von Gubin, überbrachten Grüße. Sie betonten die langjährigen Kontakte zwischen den Städten. Nicolas Rouly erinnerte an den früheren Bürgermeister Tony Larue, der die deutsch-französische Partnerschaft 1966 begründet hatte. Städtepartnerschaften sollten nach dessen Verständnis Europa und den Frieden durch Freundschaft zwischen den Völkern stärken.

Eggert erinnerte daran, dass die Partnerschaft mit Grand Quevilly nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sei. Die Verbindung mit Waidhofen an der Ybbs sei aus persönlichen Bindungen gewachsen, jene mit Guben und Gubin stehe für die Bereitschaft, in einer Zeit des Umbruchs aufeinander zuzugehen. Im Jubiläumsjahr wurden die Partnerschaften unter anderem mit französischen Chansons beim Neujahrsempfang, Kochabenden mit der Leine-Volkshochschule und der Pflanzung eines „Waidhofener Apfels“ im Park der Sinne sichtbar gemacht.

Neben der Rückschau richtete der Bürgermeister den Blick nach vorn. In seiner Rede skizzierte Eggert ein Laatzen, das in 30 Jahren rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner haben könnte. Neue Wohnquartiere an der Hildesheimer Straße, auf dem früheren Hellux-Gelände und am Erdbeerhof nannte er als mögliche Entwicklungsorte.

Für die Stadtentwicklung verband Eggert Wachstum mit Fragen der Klimaanpassung. Er sprach über entsiegelte Flächen, Bäume statt aufgeheizter Asphaltflächen, Möglichkeiten zur Versickerung von Regenwasser, Schattenplätze sowie begrünte Dächer und Fassaden. Die Stadt müsse sich auf Starkregen, Hitze und Trockenheit einstellen. Bei der Energieversorgung nannte Eggert Wärmenetze, Wärmepumpen, Photovoltaik, Geothermie und die Leine als mögliche Wärmequelle.

Passend zu diesem Zukunftsblick stellte die Stadtverwaltung ihre neue Recruiting-Kampagne vor. Sie wurde gemeinsam mit einer Agentur aus Hannover entwickelt und soll die Stadt Laatzen als Arbeitgeberin darstellen. Im Mittelpunkt stehen Verantwortung, Zusammenhalt und die Möglichkeit, die Stadt mitzugestalten.

Auf der Bühne standen anschließend auch junge Sportlerinnen aus Gleidingen: Die Stadt ehrte die Volcanos des BSV „Hannovera“ Gleidingen. Die 24 Cheerleaderinnen im Alter von elf bis 15 Jahren hatten sich 2024 in Lemgo für die World Class Championships im kalifornischen Ontario qualifiziert. Im Februar 2026 vertraten sie Laatzen bei dem internationalen Wettbewerb.

Eggert würdigte nicht nur die Qualifikation und die Teilnahme an der Meisterschaft, sondern auch den Einsatz der Gruppe, des Trainerteams um Azin Meyer und der Familien. Ein Jahr lang hatten sie Spenden gesammelt, Aktionen organisiert, Kuchen gebacken und Mettbrötchen vorbereitet, um die Reise zu finanzieren. Beim BSV Gleidingen trainieren inzwischen mehr als 100 Cheerleader ab fünf Jahren. Die Sparte verbindet Akrobatik, Bodenturnen und Tanz.

Stadtarchivar Manuel Schwanse stellte beim Stadtempfang außerdem den Stadtkalender 2027 vor. Die auf 200 Stück begrenzte Auflage zeigt historische Aufnahmen aus allen sechs Ortsteilen. Je zwei Motive stammen aus Alt-Laatzen, Laatzen-Mitte, Grasdorf, Rethen, Gleidingen und Ingeln-Oesselse. Der Kalender kostet 10 Euro und ist gegen Barzahlung an der Information im Rathaus erhältlich.

Auch das Kochbuch „CookUP! – Städtepartnerschaftsküche“ wurde präsentiert. Es entstand bei vier Kochabenden, die Stadtverwaltung und Leine-Volkshochschule in der Lehrküche der Albert-Einstein-Schule veranstaltet hatten. Je zehn Teilnehmende kochten dabei Gerichte aus den Partnerstädten und ihren Ländern.

Zum Ende des Empfangs begrüßte die Stadt sechs neu zugezogene Einwohnerinnen und Einwohner. Sie waren auf Einladung des Fachbereichs Soziales gekommen. Gegen 13 Uhr endete der Stadtempfang, während das Fest der Sinne im Park weiterlief. RED

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