Was alles mitreist

Das S chwerste an einer Tasche ist selten das, was oben liegt.

Ob Badehandtuch, Brotdose, Sonnencreme, Buch, Ladekabel, Wechselshirt oder die Jacke, die angeblich niemand brauchen wird und die am Ende doch jemand trägt: Für einen Sommertag lässt sich erstaunlich viel einpacken. Man könnte meinen, der Mensch verlasse nicht für ein paar Stunden das Haus, sondern breche zu einer kleinen Polarexpedition mit Badesee-Option auf.

Und trotzdem fehlt am Ende fast immer etwas. Die Trinkflasche steht noch auf dem Küchentisch. Der Sonnenhut liegt im Flur. Das Pflaster hätte man natürlich gebraucht. Dafür sind drei Kugelschreiber dabei, obwohl niemand weiß, warum. Vielleicht ist das mit dem unsichtbaren Gepäck ähnlich. Auch davon nehmen viele mehr mit, als sie merken. Den Streit vom Morgen. Die Sorge um jemanden. Den Satz, der vor Jahren gefallen ist und immer noch irgendwo scheuert. Die lange Liste im Kopf, die sich auch im Urlaub nicht von selbst zusammenrollt. Man sitzt im Zug, auf einer Picknickdecke oder im Schatten am See und trägt Dinge, die kein Mensch auf den ersten Blick sieht.

Manches davon gehört zu uns. Erinnerungen, Verantwortung, Liebe, Vorsicht. Nicht jedes Gepäckstück ist Ballast. Einige helfen, den Weg zu finden. Andere aber sind längst leer und werden trotzdem weitergeschleppt, aus Gewohnheit vielleicht, aus Angst oder aus Unachtsamkeit. Oder einfach, weil noch niemand bewusst gesagt hat: „Das darf jetzt hierbleiben.“

Der Sommer löst solche Dinge nicht einfach. Aber manchmal schafft er einen kleinen Abstand. Beim Blick aufs Wasser. Auf einer Bank im Park. Auf dem Rückweg, wenn die Luft kühler wird und die Tasche leichter, weil die Brotdose leer und der Kopf ein bisschen freier ist.

Vielleicht ist das schon genug für einen Anfang: kurz prüfen, was wirklich noch mitmuss. Was trägt. Was drückt. Was nur aus Versehen immer wieder eingepackt wird. Nicht alles lässt sich ablegen. Aber manches muss auch nicht bis zum nächsten Herbst mitreisen.

Die Rubrik „Um Himmels Willen“ macht Sommerpause bis zum 15. August. Bis zu ihrer Rückkehr erscheinen an dieser Stelle kleine Sommergedanken zwischen Himmel, Erde und Alltag.

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