Die Liste der erfassten Mängel ist lang. Während die schwarzen Flecken im abgesperrten Kreuzungsbereich der Pappelallee zur Grünen Aue zu trocknen beginnen, schnappt sich Henning das Tablet aus dem Pickup. Mit dem Finger wischt er über eine digitale Tabelle. „Das sind unsere Patienten“, sagt Henning schmunzelnd. An dem April-Dienstag nach Ostern haben er und sein Kollege sich mehrere Stellen in Ingeln-Oesselse vorgenommen.
Die Handgriffe und Abläufe der Betriebshofmitarbeiter erinnern ein bisschen an eine Zahnarztbehandlung, wenn auch mit deutlich größerem Material. Zunächst fegen sie die Schadstelle mit dem Besen kräftig aus, die dann mit Kaltasphalt aus dem Eimer aufgefüllt wird. Breiartig fällt die Bitumenmischung in das Schlagloch. So wie sich die dunkle Masse langsam verteilt, sieht sie aus wie ein Ameisenhaufen. „Das Krabbeln der Steine“, nennt Henning das Bewegbild.Mit der Schaufel schiebt der gelernte Straßenbauer das Material zurecht, dann begießt er es mit Wasser, und schließlich tritt sein Kollege Andreas Muhs mit dem sogenannten Stamper heran. Diverse Male lässt er die 15 Kilogramm schwere Stange samt Metallfuß auf die erhabene schwarze Fläche fallen. Dann ist sie wie gewünscht flach und bereit für das Finishing.
Das Granitmehl verhindert, dass Material an Reifen kleben bleibt. „Den Rest erledigen der Verkehr“, erklärt Muhs. Kurz danach sammeln er und Henning die rot-weißen Pylone aus der Kurve, um die nächste Adresse auf ihrer Liste anzusteuern. Je nach Menge, Länge und Tiefe der Beschädigungen brauchen sie durchschnittlich 45 Minuten pro Einsatzstelle.Die Menge an Frostschäden auf Laatzens Straßen sei spürbar gestiegen und nach diesem Winter überdurchschnittlich gewesen, sagte Stadtsprecherin Sonja Westphal: „Die Menge an verbautem Reparaturasphalt lag etwa 30 Prozent über der der Vorjahre.“
Überwiegend betroffen seien ältere, asphaltierte Straßen. „Durch beginnende Rissbildung werden diese anfällig für eindringendes Wasser, das infolge der Volumenvergrößerung bei Eisbildung Teile der umgebenden Fläche aufsprengt“, erklärt Westphal. Gerade weil die Angriffsfläche immer größer wird, sei es wichtig, rechtzeitig gegenzusteuern.
„Der Betriebshof beseitigt viele Löcher schon im Entstehen“, betont die Sprecherin. Je nach Ausprägung und Materialaufwand koste dies 30 bis 200 Euro, zuzüglich Personal- und Geräteaufwand. „Seit November sind über neun Tonnen Reaktiv-Asphalt im Wert von über 25.000 Euro durch unseren Betriebshof verbaut worden.“ Zum Vergleich: In die Schlaglöcher an der Baustelle Pappelallee floss der Inhalt zweier 25-Kilogramm-Eimer. Die neun Tonnen Material reichen also für 180 Stellen wie in Ingeln-Oesselse.
Die jahrelange Arbeit mit dem Kaltasphalt aus Eimern hat sich in Laatzen bewährt. Noch bis in die 1990er Jahre wurde für Schlaglöcher überwiegend ein Wintermischgut genutzt, das jedoch nicht lange hielt und nach wenigen Monaten durch Heißasphalt ausgetauscht werden musste, wie die Sprecherin erklärt. Dank der Entwicklung des Reaktiv-Asphalts mit polymermodifiziertem Bitumen habe sich die Standfestigkeit deutlich verbessert: „Das Material konnte in den Löchern bleiben und sogar überbaut werden“, so Westphal.
Eigentlich müssen Schlaglöcher erst ab 8 Zentimeter Tiefe beseitigt werden, doch ob der Verkehrssicherheit und um weiteren Materialverlust zu verhindern, würden auch schon kleinere Fehlstellen beseitigt. Weitere Oberflächenschäden, die ebenfalls beseitigt werden, sind Risse, Ausmagerungen sowie offene Fugen. Woher weiß die Stadt von den jeweiligen Fahrbahnschäden? Einiges falle bei Befahrungen selbst auf, doch die meisten Meldungen kämen von Bürgern über das Meldeportal „Sag’s uns einfach“. Die Hinweise würden geprüft, um sie selbst zu bearbeiten oder an den jeweiligen Straßenbaulastträger – Region, Land oder Bund – weiterzugeben. „Schlaglöcher allein bedeuten nicht, dass eine Straße saniert werden muss“, betont Westphal. Alter, Belastung und Bedeutung seien mitentscheidend. „Eine Straßensanierung erfolge erst, wenn der Oberbau nicht mehr tragfähig ist für die Belastung.“ 2026 gilt dies für die Robert-Koch-Straße zwischen Pettenkoferstraße und Nachbarschaftshaus und die Friedrich-Ebert-Straße.
Und wo wird das Team Steine des Betriebshofs demnächst sein? Aktuell seien Pflasterarbeiten zu erledigen, sagte die Stadtsprecherin. Die nächsten Schlaglöcher würden planmäßig an der Königsberger Straße (Ingeln-Oesselse) und Zum Anger (Gleidingen) beseitigt.