Zwischen Hecke
und Himmel
Die „Stunde der Gartenvögel“ zeigt, wie
lebendig Niedersachsens Gärten und Balkone noch sind

RotkehlchenFoto: Frank Hecker
Region. Zwischen Balkonkästen, Hecken und Stadtparks flattert mehr Leben, als viele Menschen im Alltag bemerken. Genau dieses Leben rückt der NABU Niedersachsen gemeinsam mit dem bayerischen Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) jetzt wieder in den Mittelpunkt: Bei der „Stunde der Gartenvögel“ bis zum 10. Mai sind Menschen in ganz Niedersachsen eingeladen, eine Stunde lang Vögel zu beobachten und zu zählen.

Ob im Kleingarten, auf dem Balkon, im Innenhof oder am Küchenfenster: Mitmachen kann jeder. Ornithologische Fachkenntnisse sind dafür nicht nötig. Entscheidend ist nur die Bereitschaft, sich eine kleine Auszeit zu nehmen und genauer hinzusehen.

Die Mitmachaktion gehört längst zu den größten Bürgerforschungsprojekten Deutschlands. Bereits zum 22. Mal sammeln Naturfreunde Daten über jene Vogelarten, die mitten in unseren Siedlungen leben. Die Beobachtungen liefern wertvolle Hinweise darauf, wie sich Bestände entwickeln und welche Arten zunehmend unter Druck geraten.

Im vergangenen Jahr beteiligten sich in Niedersachsen knapp 6400 Menschen. Gemeinsam meldeten sie mehr als 135.000 Vögel aus über 4400 Gärten und Parks. Aus vielen einzelnen Beobachtungen entsteht so ein umfassendes Bild der heimischen Vogelwelt.

Besonders im Fokus stehen diesmal die Finken. In den vergangenen Monaten wurden regional vermehrt tote Buchfinken, Gimpel und Stieglitze gefunden. Als mögliche Ursache gelten sogenannte Trichomonaden, winzige Parasiten, die sich vor allem dort verbreiten können, wo viele Vögel dicht gedrängt an Futter- oder Wasserstellen zusammenkommen. Für die Tiere endet eine Infektion häufig tödlich.

Der NABU empfiehlt deshalb, Futterstellen regelmäßig gründlich zu reinigen und im Frühjahr möglichst ganz auf zusätzliches Füttern zu verzichten. Die Natur bietet derzeit ausreichend Nahrung. Wer dennoch füttern möchte, sollte hygienische Futtersäulen verwenden, bei denen die Tiere nicht direkt im Futter sitzen oder laufen können. Werden kranke oder tote Vögel entdeckt, sollten Futter- und Wasserstellen sofort entfernt werden.

Langfristig hilft Vögeln jedoch etwas anderes deutlich mehr als jede Futterschale: naturnahe Gärten. Heimische Sträucher, Wildblumen, Kräuter, Laubhaufen oder Totholz bieten Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten. Selbst eine Ecke, die seltener gemäht wird, kann zum wertvollen Lebensraum werden. Wo Insekten summen und Samen wachsen, finden Meisen, Rotkehlchen oder Spatzen genug Futter für ihren Nachwuchs.

Die Teilnahme an der „Stunde der Gartenvögel“ funktioniert unkompliziert: Gezählt wird an einem beliebigen Tag zwischen dem 8. und 10. Mai jeweils eine Stunde lang. Notiert wird pro Vogelart die höchste Anzahl, die gleichzeitig zu sehen ist. Wer zunächst zwei Amseln entdeckt und später vier, meldet also vier Tiere.

Die Ergebnisse können anschließend online unter www.stundedergartenvoegel.de oder über die kostenlose App „NABU-Vogelwelt“ eingetragen werden. Meldeschluss ist der 18. Mai.

Und vielleicht verändert eine Stunde Beobachtung sogar den Blick auf den eigenen Alltag: Plötzlich wird aus dem kleinen Schatten im Gebüsch ein Zaunkönig, aus dem Ruf am Morgen eine Amsel und aus dem gewöhnlichen Garten ein erstaunlich lebendiger Lebensraum. RED

Druckansicht