Gerüstet für den Notfall
Verein Rethen Rockt und Edeka bieten „Vorsorgekisten“ für Katastrophenlagen an

Werben für die neuen Vorsorgekisten: Holger „Bullo“ Schreiber vom Verein Rethen Rockt und Janina Schäfer vom Edeka-Markt in Rethen.Fotos (2): Johannes Dorndorf
Laatzen. Was, wenn der Strom tagelang ausfällt? Für Notlagen wie diese bietet der Verein Rethen Rockt gemeinsam mit dem Edeka-Markt in dem Laatzener Stadtteil sogenannte Vorsorgekisten mit haltbaren Lebensmitteln an. Auch einen Liefer- und einen Erinnerungsservice vor dem Verfallsdatum gibt es dazu. Vorbild für die Idee ist eine Aktion aus dem Landkreis Celle.

Ob bei tagelangen Schneefällen, Hochwasser oder Stromausfällen: Wenn es zu längeren Versorgungsausfällen kommt, kann die heimische Vorratshaltung extrem wichtig werden. Für die, die sich damit schwer tun, hat der Verein Rethen Rockt jetzt eine neue Aktion ins Leben gerufen: Beim Edeka-Markt im Marktzentrum Rethen gibt es neuerdings „Vorsorgekisten“ mit Lebensmitteln, die den Bedarf einer Person für zehn Tage decken – verbunden mit einem Erinnerungsservice und einem Kistentausch nach einem Jahr.

„Dass wir schnell aus unserer Komfortzone gerissen werden, hat uns zuletzt nicht nur der große Stromausfall in Berlin gezeigt“, sagt Holger „Bullo“ Schreiber, Vorsitzender von Rethen Rockt. Auch bei den Hochwassern der vergangenen Jahre und der Trinkwasserverunreinigung 2022 in Gleidingen sei dies deutlich geworden. Wenn der Strom länger ausfalle, komme auch die Wasserversorgung zum Erliegen – ganz zu schweigen von Tankstellen und der Belieferung und dem Betrieb von Lebensmittelmärkten.

Vorbild für das gemeinsame Angebot von Rethen Rockt und Edeka Schäfer ist eine Initiative im Landkreis Celle: Dort haben die Samtgemeinden Wathlingen und Flotwedel Anfang Februar eine solche Vorsorgekiste vorgestellt, ebenfalls in Kooperation mit dem örtlichen Edeka-Markt. Zusammengestellt hat sie die Ernährungswissenschaftlerin und Mitinitiatorin Simone Welzin, die dort auch ein Familienzentrum leitet. „Wir haben gesagt: Das ist eine tolle Sache“, sagt Schreiber. Nach einer Kontaktaufnahme habe der dortige Edeka-Markt die Packliste für die Vorsorgekiste zur Verfügung gestellt.

In der in der Ausstattung identischen Rethener Kiste finden sich lang haltbare Produkte – von Haferflocken über Nüsse und Bockwürstchen bis zu Linsen und Zwieback. Auch Milchpulver ist enthalten. „Die ist einfach länger haltbar als H-Milch“, sagt Schreiber.

Das Konzept sieht vor, dass Interessierte die Kisten für 50 Euro erwerben können. Edeka verdiene daran nicht mehr als sonst, versichert Marktbetreiberin Janina Schäfer – im Gegenteil: Gemessen am Warenwert lege der Markt noch einige Euro drauf. „Wir machen das, um die Menschen zu unterstützen”, ergänzt sie.

Dazu gibt es eine Checkliste mit Dingen, die zusätzlich bevorratet sein sollten – vom Wasservorrat bis zum Campingkocher. Und schließlich liegt noch eine Rethen-Rockt-Tüte mit Kerzen und Streichhölzern bei – „um Licht zu schenken“, wie es heißt.

Verbunden ist die Vorsorgekiste mit einem besonderen Service des Vereins. Wer an der Kasse – freiwillig – einen Vorsorgeschein ausfüllt, erhält nach elf Monaten einen Anruf mit der Erinnerung, die Lebensmittel zu verzehren. „Wer die Waren nicht essen will, dem bieten wir an, die Kiste abzuholen und sie der Laatzener Tafel zukommen zu lassen“, kündigt Schreiber an.

Falls man es logistisch hinbekomme, liefere Rethen Rockt auf Wunsch dann auch eine neue Kiste, die allerdings erneut bezahlt werden müsse. Auch denjenigen, die schon beim Erstkauf Probleme mit dem Transport haben, wolle man mit einem Lieferservice helfen. „Unseren Service können wir aber leider nur im Bereich Rethen anbieten“, betont der Verein. Bei den Kunden kommt die Idee gut an. „Ich finde, das ist grundsätzlich eine gute Sache“, sagt die Rethenerin Angelika Kempe. Sie selbst achte allerdings immer darauf, ausreichend Lebensmittel im Haus zu haben: „Ich habe aber auch einen zweiten Kühlschrank und genug Platz im Keller“, sagt die 76-Jährige. Ähnlich geht es Alina Henne, die nach eigener Aussage eine bewusste Vorratshaltung betreibt. „Aber für jemanden, der sich damit nicht beschäftigt, ist das eine gute Idee“, sagt die Sarstedterin.

Für Schreiber ist das Angebot auch symptomatisch für die aktuelle Weltlage. „Leider leben wir in einer Zeit, in der Schäden durch Hochwasser, Versorgungsengpässe durch Überlastungen, aber auch Angriffe auf Infrastrukturen nicht ganz auszuschließen sind”, sagt der 53-Jährige.

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