Die Begeisterung war groß: Vor zwei Wochen hatte die Laatzener Stadtverwaltung den Bürgerinnen und Bürgern aus Ingeln-Oesselse mitgeteilt, dass die Grundschulaula der Dorfgemeinschaft als Generationentreff zur Verfügung stehen könnte. Doch jetzt ist alles wieder offen: Denn anders als von der Stadt verkündet, wird der Raum weiterhin von der Grundschule benötigt.
„Ich komme aus der Irritation gar nicht mehr heraus“, sagte Schulleiter Tobias Ahlswede am Mittwoch bei einer Ortsbegehung. „Wir sollen jetzt bereden, welche Begebenheiten noch verändert werden, damit das hier ein Generationentreff werden kann.“ Dabei habe die Stadt die Schulleitung in ihre Überlegungen gar nicht eingebunden.
Er selbst habe erst nach dem Workshop im Januar, in dem dieser Vorschlag der Stadtverwaltung gemacht wurde, von den Plänen erfahren. „Es muss ja irgendwann mal jemand vonseiten der Stadtverwaltung die Idee geäußert haben, das hier wäre ein schöner Ort für einen Generationentreff. Wäre es dann nicht eine gute Idee gewesen, das auch mal mit der Schule zu besprechen?“ Die Aula werde von der Schulgemeinschaft weiterhin benötigt. „Dies ist die einzige Versammlungsstätte, die diese Schule hat“, sagte Ahlswede verärgert.
Manche Beteiligte reiben sich nun die Augen. „Ich bin wirklich enttäuscht“, entgegnete Ortsratsmitglied Gundhild Fiedler-Dreyer (CDU) bei der Begehung. „Uns wurde gesagt, dass wir die Möglichkeit haben, diesen Raum in Eigenregie zu managen. Das steht auch im Protokoll.“ Ähnlich äußerte sich Ortsratsmitglied Michael Riedel (SPD). „Uns gegenüber ist kommuniziert worden, dass die Schule die Räumlichkeit nicht mehr benötigt.“ Ahlswede verneinte das vehement: „Wir können uns mit der Schulgemeinschaft nicht an einem anderen Ort versammeln.“ Einen anderen geeigneten Raum gebe es auch im Neubau nicht.
„Uns wurde doch im letzten Workshop sogar angeboten, dass wir auch die neue Aula der Schule nutzen können“, verschaffte Fiedler-Dreyer ihrem Ärger Luft. „Wir haben Zeit investiert, wir haben zwei Workshops gehabt, die Presse hat darüber geschrieben. Und jetzt heißt es, das ist alles gar nicht so? Ich finde das schon sehr merkwürdig.“ Ali Kara, Leiter des Fachbereichs Bildung, vermutet Missverständnisse bezüglich der Bezeichnungen „Aula“ und der „Pausenhalle“ im Neubau. „Es gibt keine neue Aula“, betonte er. Wie eine mögliche Bestuhlung der Pausenhalle aussehen kann, sei noch zu prüfen.
Stephan Bunjes, Leiter des Fachbereichs Jugend, Bildung und Soziales, kann sich die neue Ausgangslage nicht erklären: „Mein letzter Kenntnisstand war, dass die Aula nicht mehr benötigt wird und grundsätzlich zur Verfügung steht.“ Dies sei die Grundlage für die Gespräche gewesen, „und dementsprechend haben wir uns positioniert“. Es sei nach wie vor das „erklärte Ziel, dass die Verantwortung innerhalb der Dorfgemeinschaft liegen soll. Das ist aktuell der Status quo.“ Es müsse nun geprüft werden, „wie wir die Bedürfnisse übereinandergelegt bekommen“.
Ein Problem ist vor allem die Nutzung während der Schulzeit: Da die Aula nur über das Schulgelände erreichbar ist, würden Schülerinnen und Schüler auf externe Personen treffen. Zudem verfügt der Saal über keine eigenen Toiletten. Also müssten die Sanitärräume im Neubau oder in der Turnhalle gemeinsam genutzt werden. Ahlswede hält das für keine gangbare Lösung. „Das würde bedeuten, dass sich schulfremde Personen in den Schulbetrieb einmischen und man sich auf den Toiletten begegnet.“ Zudem dürfe die Sporthalle mit Straßenschuhen nicht durchquert werden.
Eine Nutzung der Hallentoiletten wäre wohl nur realistisch, wenn die Besucher um das Schulgebäude herumgehen. Gisela Sydekum (SPD) bezweifelt, dass das älteren Leuten dauerhaft zuzumuten wäre. Zudem sind die Toiletten dort nicht barrierefrei. Als weitere Möglichkeiten brachten die Beteiligten die Sanitärräume der TSV-Tennisplätze oder einen WC-Anbau ins Spiel.
Die Erfahrungen in der alten Grundschule hätten gezeigt, dass eine gemeinsame Nutzung nicht funktioniert, sagte Fiedler-Dreyer. „Das hat schon bei den Ortsratssitzungen nicht geklappt.“ Kara kündigte an, dass die Bauabteilung der Stadt nun prüfen wird, ob der Eingangsbereich des Neubaus zur Versammlungsstätte umfunktioniert werden kann. Dazu gebe es bereits Gespräche. „Wir haben im Neubau aber keine Bühne“, stellte er klar.
Laut Kara wird die Aula von der Schule in der Zeit von 8 bis 16 Uhr benötigt – auch mit Blick auf den Ganztagesbetrieb, der im Sommer eingeführt wird. Ahlswede signalisierte bereits, dass die Schule den Saal nicht durchgehend beanspruche. Der Schulbetrieb dürfe jedoch nicht unter einer gemeinsamen Nutzung leiden.
Auf Nachfrage einer Zeitung teilte die Verwaltung am Freitag mit, sie verfolge weiterhin das Ziel, die alte Aula der Dorfgemeinschaft bereitzustellen und sie als Hauptnutzerin zu verankern. „Schulische Bedarfe sollen grundsätzlich über den Neubau abgedeckt werden und sind für die Nutzung der alten Aula nachrangig.“ Zusätzlich werde der Nutzungsbedarf der Aula durch die Grundschule „quantifiziert“.