Das Geheimnis um
die älteste Schule des Dorfes
Verein „1000 Jahre Oesselse“ plant Infotafeln, um über die Ortsgeschichte zu informieren.
Wer weiß schon, welches Gebäude einst neben der St.-Nicolai-Kirche stand?

Kartendetail der Gemeinde Oesselse um 1860: Nordöstlich der von einem Friedhof umgebenen St.-Nicolai-Kirche (Bildmitte) ist noch das alte Schulhaus eingezeichnet. 
Laatzen. Wo heute einzelne Stelen und Grabkreuze zu sehen sind, stand zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Oesselses älteste Schule. Die wenigsten im Doppeldorf würden diesen Standort zwischen der St.-Nicolai-Kirche und dem heutigen Gemeindehaus kennen, sagt der Landwirt und Ortsbürgermeister (CDU) Heinrich Hennies. Um die Dorfgeschichte sichtbarer zu machen, wollen er und weitere Vereinsmitglieder von „1000 Jahre Oesselse“ an dieser Stätte und weiteren ausgewählten Orten Infotafeln anbringen.„20 Leute wissen vielleicht noch Bescheid“, schätzt Hennies, nachdem er seine besondere Fotoposition am nordöstlichen Rand des Kirchengrundstückes verlassen hat. Mit ihm hatten sich dort noch Okka Freitag, Günther Sahm und Annette Lindvers platziert, um die Ecken von Oesselses ältester Schule sichtbar zu machen.

Öffentlich ist noch nicht viel bekannt. So ist das wohl älteste eigenständige Schulgebäude des Dorfes auf einer um 1860 entstandenen Karte der Gemeinde Oesselse des Amtes Hildesheim eingezeichnet. Diese wiederum ist als Ausschnitt in der 2018 veröffentlichten Oesselser Chronik der Höfe und Gebäude abgedruckt, die der Verein für sein Projekt als Quelle nutzt.

Die beiden Autoren, Rosemarie Stümpel und Jörg Dornieden, haben in ihre Chronik – neben der Karte und dem Hinweis auf eine vorhandene Liste zu Lehrern und Bewohnern von 1800 bis 1920 – auch noch eine weitere Karte aufgenommen. Auf diesem Dokument von 1885 fehlt die „älteste Schule“, es ist nur noch der ab 1861 errichtete Neubau an der Gleidinger Straße 12 eingezeichnet. Dieses Gebäude nutzt inzwischen der DRK-Kindergarten.

Eben jenes Gebäude an der Gleidinger Straße mit der im November abgerissenen „Alten Penne“ – tatsächlich wurde nur der Anbau aus den 1950er-Jahren an der ehemaligen Schule beseitigt – würden noch alle kennen, sagt Hennies. Auch die 1911 errichtete alte Schule in Ingeln an der Hauptstraße sei allen geläufig. Dass es aber noch eine „alte, alte Schule“ gibt, wisse kaum jemand.

Die älteste Schule sei 1742 errichtet worden und bis 1862 in Betrieb gewesen, berichtet Okka Freitag. So steht es in der einst handschriftlich in Sütterlin verfassten Schulchronik, die sie nun am Computer erfasst hat. Gebaut und genutzt wurde das Gebäude „von den beiden Gemeinden“, wie Freitag zitiert. Damit sind Oesselse und Ingeln gemeint. Vorbild für die Pläne der Oesselser ist auch die Infotafel-Aktion der Heimatfreunde Ingeln. Diese hatten 2007 im Ostteil des Doppeldorfes 13 Schilder an ausgewählten Gebäuden und Stätten aufgehängt. Vor eineinhalb Jahren erneuerten die Heimatfreunde die witterungsbedingt verblassten Tafeln. Aktuell gebe es zehn Tafeln in Ingeln, berichtet Eckhardt Rohde – etwa am Pflugplatz, einer früheren Schmiede sowie vor der bis 1973 betriebenen alten Ingelner Schule.

Wie viele Infotafeln sollen es nun wohl in Oesselse werden, und wann sollen diese installiert sein? Das werde im Frühjahr besprochen und sei mit den jeweiligen Grundstückseigentümern abzustimmen, kündigt Okka Freitag an. Sicher sei, dass das im Dezember vom Verein beschlossene Projekt noch 2026 verwirklicht werde. „Wir haben eine lange Liste mit Ideen“, ergänzt Günter Sahm. Diese werde auch noch nach den Aktionen im Jubiläumsjahr 2022/2023 sukzessive weiter abgearbeitet.

Mit den Infotafeln könnten Neubürger und alle anderen bei Spaziergängen und rund um die Uhr etwas über die Geschichte von Oesselse erfahren, so die Idee. Um speziell Grundschulkindern die historischen Orte nahezubringen, seien Sonderaktionen wie eine Rallye denkbar, meint Okka Freitag: „Damit sie herausfinden, wo sie überhaupt wohnen.“







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