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Dazu komme ihr wachsender Kampf zwischen dem selbst gesteckten Anspruch und dem gerade Machbaren. „Scheinbar ist der Weg manchmal so lang, dass ich den Horizont nicht gleich sehen konnte. Die Restaurierung ohne Geld kann ich jedoch nicht ,perfekt‘ schaffen. Dies verlangt nun ständiges Abwägen: Was ist wichtig, was nicht? Ich werde nun zu ‚so gut wie möglich‘ erzogen“, stellt sie als Lerneffekt fest.
Denn die Urenkelin von Margarete Raddatz-Hufenberg – die als „Kartoffel-Powerfrau aus Pommern“ aktuell in einem Buch über historische Celler Persönlichkeiten vorgestellt wird – wurde von dieser und von ihrem 2015 verstorbenen Vater Carl Raddatz-Hufenberg schon frühkindlich auf Perfektion getrimmt. „Niemals aufgeben, keine Schwäche zeigen – und was man anfängt, wird fertig gemacht“, formuliert sie es kompromisslos. Durch familienbedingte Umzüge selbst mit dem Gefühl der Heimatlosigkeit belastet, dient ihr das Fachwerkhaus-Projekt von Anbeginn als Motivation, ihre eigenen Wurzeln zu finden und ein Gefühl von Zuhause zu entwickeln.
„Mein Haus sieht aus wie das Haupthaus auf dem Rittergut Habighorst, wo ich meine ersten zwei Lebensjahre verbracht habe. Die Restaurierung des Fachwerkhauses und des Stalls aus Naturstein ist meine Lebensaufgabe. Sie gibt mir Freude und Kraft, um meine Depressionen zu kompensieren“, betont sie.
Küche und Wohnzimmer sind ebenso saniert, wie die Decken und der Lehmputz. Mit ihrem 24-jährigen Sohn Paul hat sie die Stallwand mit Naturbruchstein verziert und verfugt. Ihre Tochter Emma (22) hilft, Material zu transportieren und bei Abrissarbeiten. Zwei Tage lang wurden nun zudem per Container flächendeckend bis zu 30 Zentimeter Boden abgetragen, die das Grundstück unerwünscht erhöhten. „Da tun Hände, Beine und Rücken schon weh.“
Denn steinreich ist sie persönlich nicht nur in dem Wortspiel, sondern auch durch die wachsende Gemeinschaft an Gänsemarsch und dem benachbarten Kapellenweg, sowie zahlreiche Freundschaften. So gab es einen Outdoorfilmabend am Lagerfeuer und weitere Treffen mit stets bis zu 40 Teilnehmenden, einen Lebendigen Adventskalender und nachbarschaftliche Geschenke, wie alte Steine und Brennholz. Nachbarn fassen beim Tragen schwerer Sachen mit an, und Damaris Grimmsmann, Pastorin in Wilkenburg und Harkenbleck, „brachte Himbeeressig als Dankeschön für die Leihgabe alter Stalltüren vorbei“.
2026 wird ein besonderes Jahr: „Ende 2026 soll alles fertig sein. Dann ist das Haus 225 Jahre alt.“