Kommt doch ein Kleinkunstfestival?
Das Kleine Fest im Park der Sinne ist abgeblasen. Unter neuer Regie wäre manche Idee jedoch umsetzbar

Im Park der Sinne sollte ein Kleinkunstfestival nach dem Vorbild von Hannovers „Kleinem Fest im Großen Garten“ entstehen. Das ehrgeizige Vorhaben wurde nun abgesagt.Foto (Archiv): Daniel Junker
Laatzen / Hemmingen. Für Laatzen wäre es ein Coup gewesen: Im Park der Sinne sollte erstmals ein Festival nach dem Vorbild des „Kleinen Fests im Großen Garten“ in Hannover-Herrenhausen ausgerichtet werden. Und dies mit dessen früherem Organisator und Erfinder Harald Böhlmann. Kurz vor der geplanten Bekanntgabe blies die Stadt das Projekt aber ab. Die Enttäuschung ist nun groß, zugleich gibt es aber Hoffnung, dass aus dem Fehlschlag etwas Neues entstehen könnte.

Beim Förderverein Park der Sinne überwiegt das Bedauern angesichts der Absage. „Das Fest hätte dem Park die Möglichkeit gegeben, über die Grenzen der Region bekannt zu werden“, sagt dessen Vorsitzender Harald Zietz. Eine Veranstaltung dieser Größe über zwei Tage – „das wäre ein Gamechanger gewesen“, sagt der Laatzener. Zumal der Förderverein an dem Fest mit einem eigenen, noch nicht näher geplanten Programmbeitrag beteiligt werden sollte.

Zwar habe es auch Bedenken gegeben, ob eine Veranstaltung dieser Größe – angepeilt wurden 5000 Besucher an zwei Tagen – in den Park passt. Die Stadt sei aber bereit gewesen, die Grünanlage danach wieder herzurichten. „Wir haben das im Vorstand besprochen und waren alle der Meinung: Das ist eine gute Idee“, berichtet Zietz. Dies habe auch Gartenarchitekt Hans-Joachim Adam so gesehen.

Auch in der Politik überwiegt das Bedauern. „Es ist schon sehr schade“, findet etwa die SPD-Fraktionsvorsitzende Silke Rehmert. „Als Kulturhighlight der Stadt hätte ich es gut gefunden“, sagt auch Thomas Weber (Grüne), wenngleich er persönlich auch finanzielle Risiken gesehen habe. „Ich finde ein solches Event an sich gut“, sagt selbst CDU-Fraktionschef Fabian Bodenstab, dessen Fraktion – wie berichtet – Vorbehalte hatte. Ihm fehlten allerdings bis heute entscheidende Informationen zur Finanzierung – und auch Vorlagen sei zu kurzfristig gekommen, sagt Bodenstab.

Als Termin für die Veranstaltung waren zwei Tage am Wochenende vom 17. bis 19. Juli 2026 angepeilt. Die Pläne sahen vor, dass Harald Böhlmann sich um das Programm, die künstlerische Betreuung und die technische Koordination kümmern sollte, die Stadt unter anderem um den Kartenverkauf, den Einlass und das Bereitstellen des Parks.

Offenbar gab es aber Uneinigkeiten in wichtigen Details. Dazu zählte der Umstand, dass der Name des „Kleinen Festes“ auf Böhlmanns Wunsch nicht verwendet werden sollte. Ein Problem für das Marketing: So fragen sich in Laatzen einige, ob man mit einem Slogan wie „Laatzener Kleinkunstfestival“ genug Menschen in den Park hätte locken können. Auch bei der Verteilung der Aufgaben zwischen Stadt und dem Organisator gab es offenbar Dissens, sodass Laatzen schließlich die Reißleine zog.

Das finanzielle Risiko wäre bei der Kommune verblieben. Zwar sollte sich die Veranstaltung durch Kartenverkäufe selbst tragen. Für den Fall einer Absage etwa wegen schlechten Wetters hatte der Verwaltungsausschuss im November 200.000 Euro zur Absicherung von Risiken freigegeben – nach Informationen dieser Zeitung gegen die Stimmen der CDU/FDP-Opposition.

Es ist allerdings gut möglich, dass aus dem Scheitern doch noch etwas Vorzeigbares erwächst: Das Konzept sah auch vor, dass das Hemminger Kulturzentrum bauhof das Programm auf einer der sechs geplanten Bühnen im Park organisiert. Der Verein veranstaltet dort seit Jahren im Sommer Veranstaltungen im Rahmen seiner Reihe „bauhof on Tour“. „Wir hätten mit Sicherheit ein kleines Highlight reingebracht“, bestätigt der bauhof-Vorsitzende Klaus Grupe, der die Absage bedauert. „Das hätte nicht nur zum Charakter des Festes gepasst, sondern wäre auch für uns eine Bereicherung gewesen.“

Nun könne man sich vorstellen, 2026 ein Event mit mehreren Mitwirkenden im Park zu organisieren. „Wir würden dort etwas machen, aber ganz anders als eine reine Musikveranstaltung“, sagt Grupe. „Es wäre aber auf keinen Fall ein Abklatsch des ‚Kleinen Fests‘ und liefe auch unter einer anderen Überschrift.“ Im Vorstand wolle man darüber im Januar sprechen. Vor allem hänge es davon ab, ob die Stadt so etwas wünsche – auch unter finanziellen Gesichtspunkten.

In Laatzen würde der bauhof damit grundsätzlich offene Türen einrennen. „Wir können uns eine intensivere Zusammenarbeit gut vorstellen“, lässt Bürgermeister Kai Eggert (parteilos) über eine Sprecherin ausrichten. Bei der Stadt würde man sich freuen, „in einem gemeinsamen Gespräch auszuloten, was wie und in welchem Rahmen möglich ist“.

„Es gibt schon seit Jahren die Idee, ein Kleinkunstfestival mit Laatzener Akteuren im Park der Sinne zu machen“, sagt Silke Rehmert (SPD) und erinnert an den vor einigen Jahren gegründeten Runden Tisch Kultur, bei dem sich Kulturschaffende ausgetauscht hätten. Die Initiative sei wegen der Corona-Pandemie zum Erliegen gekommen. „Für eine Stadt wie Laatzen wäre mehr kulturelles Programm sehr schön“, findet auch Grünen-Ratsfraktionschef Weber. Sollte der bauhof Ideen habe, sei auch er offen dafür, sich diese anzusehen.

Auch beim Förderverein Park der Sinne gibt es Bemühungen, mehr zu tun. „Wir hatten sowieso vor, den Park im nächsten Jahr etwas bekannter zu machen“, sagt Zietz. Angedacht sei im ersten Schritt eine Veranstaltung mit Führung und Vortrag für Unternehmer. Klar sei allerdings, dass der Park der Sinne zugleich ein Ort der Ruhe und Entspannung bleiben müsse. „Wir müssen nicht alle zwei Wochenenden eine Großveranstaltung machen“, sagt er.

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