Größter Solarcarport der Region
Deutsche Rentenversicherung hat einen Parkplatz mit 1752 Solarmodulen bestückt

Einzigartige Konstruktion: 1752 Solarmodule überspannen neuerdings 300 der Parkplätze an der Deutschen Rentenversicherung.Fotos: Johannes Dorndorf
Laatzen. Der Ausbau von Solaranlagen auf Dächern hält seit Jahren an – nun steht der nächste Trend in den Startlöchern: Seit 1. Januar gilt in Niedersachsen die Pflicht, neue oder sanierte Parkplätze ab mindestens 25 Stellflächen mit Solarmodulen auszustatten. Die Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover (DRV) in Laatzen nimmt jetzt eine Anlage in Betrieb, die regionsweit einzigartig ist – und mit ihrem Konzept sogar bundesweit Schule machen könnte.

Auf dem Gelände an der Langen Weihe in Laatzen-Mitte wurde gerade der vermutlich größte Solarcarport in der gesamten Region Hannover fertiggestellt. Rund 300 Stellflächen für Fahrzeuge hat die Rentenversicherung mit Photovoltaik-Modulen überspannen lassen. Die Anlage ist mit 6300 Quadratmetern so groß wie ein Fußballfeld, davon sind 4277 Quadratmeter reine Modulfläche, 1752 Module gibt es. Mit einer Nennleistung von 631 Kilowatt/Peak lasse sich damit Strom für 150 Einfamilienhäuser erzeugen, erläutert DRV-Projektleiter Holger Scheer.

Das Projekt ist aus gleich mehreren Gründen einzigartig. „Wir erhalten einen Raum, der dreifach genutzt wird“, sagt der DRV-Vorstandsvorsitzende Rolf Behrens: Neben den Funktionen als Parkplatz und der Stromerzeugung wurden bereits 2015 beim Bau des neuen Verwaltungsgebäudes 48 Erdsonden in 100 Meter Tiefe eingelassen, die die Rentenversicherung mit Erdwärme versorgen und für Kühle im Sommer sorgen.

Besonders ist auch die Bauweise. Die Planer des Stuttgarter Ingenieurbüros sbp Sonne GmbH entwarfen eine Konstruktion aus Spannbändern, die die Solarmodule tragen. Für einen sicheren Stand sorgen Stützen und Träger, die wie bei einer Hängebrücke mit Stahlseilen gespannt sind. Das alles wirke deutlich filigraner als klassische Solarcarports, sagt Projektleiter Scheer. „Das ist weltweit einzigartig.“ Eine Folge sei der um etwa 50 Prozent reduzierte Stahlverbrauch. Die Bauweise passe auch deshalb gut, weil die Solarmodule auch auf der Unterseite die vom Boden zurückstrahlende Energie in Strom umwandeln und entsprechend filigran wirken.

Der Mega-Carport hat von der Größe her ebenfalls Pilotcharakter. Zwar gibt es kein Register, das speziell solche Anlagen ausweist. Aber selbst beim Fachbereich Energie und Klima der Region Hannover ist eine Anlage dieser Größe in Hannover und Umland bislang unbekannt. Die größten öffentlich bekannten Pläne gibt es am Zoo Hannover, wo Carports mit 420 Quadratmetern Photovoltaikfläche entstehen sollen – ein Zehntel der Laatzener Anlage. Ein geplanter Solarcarport am Bahnhof Völksen und ein schon 2018 realisiertes Projekt am Wunstorfer Edeka-Markt kommen nur auf einen Bruchteil der Laatzener Fläche.

Die Entscheidung, die DRV-Parkplätze damit auszustatten, hatte die Rentenversicherung bereits bei der Planung für ihren 2015 eröffneten Neubau in Laatzen-Mitte gefasst. Dass es zehn Jahre bis zur Realisierung gedauert hat, hängt auch mit der Wirtschaftlichkeit zusammen: Eine erste Studie sei noch 2018 zu dem Ergebnis gekommen, dass sich eine Anlage nicht amortisiere, erläutert Scheer.

Doch seitdem sind vor allem die Preise für Module so stark gesunken, dass die Rechnung inzwischen aufgeht. Laut DRV-Geschäftsführer Jan Miede erreicht die Anlage nach 25 Jahren die Wirtschaftlichkeitsgrenze. Da mit einer Betriebsdauer von 35 Jahren gerechnet werde, spare man die Beiträge der Versicherten. „Wir sind stolz, auf diesem Weg einen Beitrag zur Energiewende beisteuern zu können, gehen diesen Schritt aber auch, um unsere Betriebskosten nachhaltig zu senken“, sagt Miede. Öffentlich gefördert werde das Projekt nicht.

Spannend wird die Frage sein, ob die Rentenversicherung Nachahmer findet, insbesondere im Bestand. Während innerstädtisch große geeignete Flächen wegen der Beschattung durch umliegende Häuser oder Bäume schwer zu finden sind, würden sich beispielsweise die großen Parkplätze an der Messe dafür anbieten. Allerdings hat die Rentenversicherung einen Vorteil: Sie verbraucht ihren Strom größtenteils selbst und speist nur einen kleinen Teil – vor allem am verbrauchsarmen Wochenende – bilanziell ins öffentliche Netz ein. Auf das Jahr verteilt, decke man auf diese Weise etwa 40 Prozent des eigenen Strombedarfs, heißt es bei der DRV.

Die Rentenversicherung zeigt sich offen dafür, anderen Interessieren Auskunft über das Konzept zu geben. „Das ist Wissen, das wir gerne sozialisieren wollen“, sagt Geschäftsführer Miede.

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